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Full text: Bugholz, vielschichtig : Thonet und das moderne Möbeldesign

Das Möbel aus einem Stück 
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Sessel Chair 
Entwurf Design: Gebrüder Thonet / August Thonet, um ca. 1880 
Ausführung Execution: Gebrüder Thonet, Bistritz Bystrice, um ca. 1880; Esche, 
massiv gebogen Ash, solid bent; Firmensammlung Company Collection TON 
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Kinderschaukelsessel Children’s Rocking Chair 
Entwurf Design: Gebrüder Thonet / August Thonet, um ca. 1880 
Ausführung Execution: Gebrüder Thonet, Bistritz Bystrice, um ca. 1880; Esche, 
massiv gebogen Ash, solid bent; Firmensammlung Company Collection TON 
Im Zuge der Industrialisierung der Möbelpro 
duktion ist immer wieder versucht worden, die 
verschiedenen Bauteile der Möbel auf ein ein 
ziges zu reduzieren: Dieser Versuch, ein Möbel 
aus einem homogenen Werkstoff und aus nur 
einem Stück zu formen, kann geradezu als 
Phantasma des modernen Designs betrachtet 
werden. Wenn diese Bemühungen auch selten 
von Erfolg gekrönt waren, so führten sie doch 
oft dazu, dass sich die Anzahl der notwendigen 
Einzelteile deutlich verringerte - wie bei den 
klassischen Bugholzmöbeln, bei denen Rücken 
und Hinterbeine aus einem einzigen Stab ge 
fertigt wurden. In den 1880er Jahren experi 
mentierte das Unternehmen Thonet - diese 
Versuche werden August Thonet zugeschrie 
ben - damit, Stühle aus eingeschnittenen und 
massiv gebogenen Eschenholzplatten herzu 
stellen. Doch erst mit der Erfindung von Sperr 
holz - und der Möglichkeit, dieses in entspre 
chend großen Formaten herzustellen - waren 
die Grundlagen gelegt, flächige Bauteile in in 
dustriellem Maßstab zu biegen und für das Mö 
beldesign produktiv zu machen. Es sollte indes 
noch bis 1934 dauern, bis es dem Designer 
Gerald Summers als erstem gelang, ein Möbel 
aus nur einem einzigen Teil und ohne weitere 
Verbindungen zu bauen: Für seinen ikonischen 
Sessel „BPAC“ (Bent Plywood Arm Chair) 
mussten sieben Lagen aus 3-schichtigem Flug 
zeugsperrholz übereinandergelegt, passend 
zugeschnitten, mit einem Kunstharzleim bestri 
chen, wieder zusammengepackt, in eine Form 
eingelegt und gepresst werden. Erstaunlicher 
weise waren für Summers’ Methode weder 
Hitze noch Feuchtigkeit nötig, wie bei den an 
deren Herstellungsverfahren, bei denen Holz 
oder Sperrholz gebogen wird. 1 Auch ästhetisch 
war Summers’ Entwurf gelungen: So mutet et 
wa Han Piecks „Bambi Chair“ von 1948, der 
ebenfalls aus nur einem Bauteil angefertigt 
wurde, im Vergleich fast konventionell an, ob 
wohl zu seiner Herstellung das damals tech 
nologisch fortschrittliche Verfahren der Hoch 
frequenztechnik verwendet wurde. 2 
1 Vgl. Thillmann, Schichten, München 2018, 116-127. 
2 Zu den unterschiedlichen Verfahren Holz zu biegen vgl.: Uwe 
Heise / Otto Eggert, „Plastifizierung von Bugholz mit Hochfrequenz 
oder Wasserdampf“, in: Die Holzbearbeitung (HOB) 9/1990, 
18-26. 
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