MAK

Full text: Bugholz, vielschichtig : Thonet und das moderne Möbeldesign

Umhüllende Armlehnsessel 
Armlehnsessel Nr. 729/F Armchair No. 729/F 
Entwurf Design: Josef Hoffmann, Wien Vienna, 1907/08 
Ausführung Execution: J .& J. Kohn, um ca. 191 0; Buche, massiv und gebogen, 
Leder, gepolstert Beech, solid and bent, leather, upholstered; MAK H 3101/1989 
Armlehnsessel Nr. 728/F Armchair No. 728/F 
Entwurf Design: Josef Hoffmann, Wien Vienna, 1905/06 
Ausführung Execution: J. & J. Kohn, um ca. 1910; Buche, massiv und gebogen, 
gepolstert Beech, solid and bent, upholstered; MAK H 3640/ 2013 
Zu einem beliebten Möbeltypus bildete sich 
nach der Jahrhundertwende eine Form des 
Armlehnsessels aus, die von dem Fauteuil der 
vermutlich von Josef Hoffmann 1905/06 für 
die Firma J. & J. Kohn entworfenen sogenann 
ten „Fledermaus“-Garnitur abgeleitet zu sein 
scheint: Publiziert und ausgestellt wurde diese 
Garnitur bereits 1906, doch erst 1907 ver 
wendete Hoffmann das Sessel-Modell Nr. 728 
für die Einrichtung des Cabarets „Fledermaus“, 
von der die Garnitur Nr. 728, die später auch 
von Thonet ins Programm genommen wurde, 
ihren Namen erhielt. 1 Bei dem Armlehnsessel 
Nr. 728/F entsprechen einander der U-förmige, 
horizontale obere Bogen, der die Arm- und Rü 
ckenlehne bildet, und der untere, auf dem Bo 
den aufliegende Bogen, der die vier vertikalen 
Beinstäbe miteinander verbindet. Knapp ober 
halb der Mitte ist ein formal entsprechender 
Sitzrahmen eingehängt, der mit vier Kugeln un 
ter der Sitzfläche stabilisiert wird. Zu den aus 
diesem Modell abgeleiteten Varianten zählt das 
Modell Nr. 729/F, das Hoffmann im Salon sei 
nes Kleinen Landhauses auf der Wiener Kunst 
schau 1908 verwendete, wobei das Möbel an 
statt durch vier Beine von rhythmisch einge 
setzten Sprossen getragen wird; eine Kon 
struktion, die dann auch von Marcel Kämmerer 
bei seinem Fauteuil Nr. 761 aufgegriffen 
wurde. 2 Neben solchen „Sprossenfauteuils“ 
entstanden um 1910 auch tonnenartig ge 
schlossene Armlehnsessel, bei denen - ent 
sprechend einem Patent von Hans Günther 
Reinstein - lackierte Wellpappe an die Stelle 
der Holzsprossen trat. 3 
1 Vgl. Giovanni Renzi, II mobile moderno. Gebrüder Thonet Vienna, 
Jacob & Josef Kohn, Mailand 2008, 164-171. Renzi schreibt die 
Garnitur Gustav Siegel zu, aber die Indizien scheinen uns - wie 
auch bei einigen anderen Zuweisungen der Autorschaft in diesem 
Buch - nicht zwingend genug, um die bisherigen Zuschreibungen 
grundsätzlich in Frage zu stellen. 
2 Vgl. ZA Nr. 27, 19. Juli 1910, 16. 
3 Vgl. Vera J. Behal, Möbel des Jugendstils, München 1981,232 u. 
346. 
188
	        
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