Satztische
Mit seinem 2012 entstandenen Möbelobjekt
„Hoffmann“ hat sich der Künstler Ovidiu Anton
auf die in den unterschiedlichsten Ausführun
gen verbreiteten, klassisch-modernen Satzti
sche bezogen: Sets von mehreren ineinander
verschachtelbaren Beistelltischen, die um
1900 auch von verschiedenen Bugholzmöbel
herstellern produziert wurden. In ihrer formal
reduziertesten Version werden sie bis heute -
allerdings ohne konkreten Nachweis - Josef
Hoffmann zugeschrieben und als vermeintliche
„Designklassiker“ produziert. Für seine in sorg
fältiger Tischlerarbeit selbst ausgeführten Bei
stelltische verwendete Anton ausrangierte Ab
sperrbretter von Wiener Baustellen - Material
von der Straße, das als erlesenes Wohnacces-
soire wieder „in Form“ gebracht wurde. Ent
scheidend waren für den Künstler dabei die
Transformationsprozesse: Wertloses Abfallholz
wird durch handwerkliche Arbeit aufgewertet
und in Form eines teuren Designklassikers in
distinguierte Wohnräume - beziehungsweise
museale Möbelsammlungen - eingeschleust,
das Verbot der Absperrung wird in eine Auf
forderung zur Verwendung umfunktioniert. 1
1 Vgl. Sebastian Hackenschmidt, „Die Moderne im Rückspiegel.
Möbelhafte Reminiszenzen an .Wien 1900‘“, in: Ausst.-Kat.
Wien/Basel 2018: Koloman Moser, 264-281.