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Full text: Bugholz, vielschichtig : Thonet und das moderne Möbeldesign

Vom Morrisfauteuil zur Sitzmaschine 
* 
Liegefauteuil Nr. 670 Lounge Armchair No. 670 „Sitzmaschine“ [Sitting Machine] 
Entwurf Design: Josef Hoffmann, Wien Vienna, um ca. 1905 
Ausführung Execution: J. & J. Kohn, Wien Vienna, um ca. 1906; Buche, massiv gebogen, 
Sperrholz, Messing Beech, solid bent, plywood, brass; MAK H 3927/2017 
Der häufig - aber bislang ohne konkreten 
Nachweis - Otto Prutscher zugeschriebene 
„Morrisfauteuil“ wurde von den Gebrüdern 
Thonet ab 1 904 in verschiedenen Varianten 
angeboten: Neben der hier gezeigten Version 
mit glatten runden Stäben gab es auch eine 
mit gekehlten eckigen Stäben, einen opulent 
ausgeführten Salonfauteuil sowie zwei Kinder 
varianten. 1 Wie der Name schon andeutet, wur 
de dieser Typus eines bequemen Armlehnses 
sels mit verstellbarer Rückenlehne mit William 
Morris verbunden, der mit seiner Firma Morris 
& Company bereits in den 1880er Jahren ei 
nen Entwurf von William Watt produziert hatte, 
der heute allgemein als „Morris Chair“ bekannt 
ist. 2 Auf dieses Modell lässt sich auch der be 
rühmte Bugholz-Fauteuil Nr. 670 von Josef 
Hoffmann zurückführen, der ab 1906 von der 
Firma J. & J. Kohn produziert und unter ande 
rem auf der Kunstschau von 1908 präsentiert 
wurde. Aufgrund seiner nahezu rechtwinkelig 
gebogenen und geometrisch angeordneten 
Bugholzelemente sowie der dekorativ ausge 
schnittenen Sperrholz-Rücken- und Seitenteile 
zählt dieses Möbel, das zumeist ohne die ur 
sprünglich vorgesehenen Sitzpolster gezeigt 
wird, heute zu den bekanntesten Entwürfen 
der Wiener Moderne. 3 Seine Bezeichnung als 
„Sitzmaschine“ wurde allerdings erst später 
durch den Kunstmarkt durchgesetzt und ent 
stammt nicht der Zeit der Jahrhundertwende. 
Einen „Morrisfauteuil“ nahm als weiterer Bug 
holzproduzent um 1910 auch die Firma D. G. 
Fischei in ihr Programm; in den Firmenkatalo 
gen wurde er als „Ruhefauteuil mit verstellbarer 
Rückenlehne“ angeboten. 
1 Vgl. Thonet Katalog von 1904 und die entsprechenden 
Supplement-Hefte von 1905/06 und 1907 und Katalog von 
1911/15. 
2 Vgl. David A. Hanks, Innovative Furniture in America from 1800 to 
the Present, New York, 1981. 
3 Vgl. Giovanni Renzi, II Mobile Moderno: Gebrüder Thonet Vienna; 
Jacob & Josef Kohn, Mailand 2008, 160 sowie Giovanni e Chiara 
Renzi, Curve e Biondi Riccioli Viennesi. Mobili in Faggio curvato 
da Michael Thonet ad Antonia \folge, Mailand 2000 (vgl. darin: 
J. & J. Kohn Katalog von 1906, 41). 
192
	        
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