MAK

Full text: Bugholz, vielschichtig : Thonet und das moderne Möbeldesign

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Stahlrohr und Bugholz 
Freischwinger Cantilever Chair MR 10 (MR 533) 
Entwurf Design: Ludwig Mies van der Rohe, Deutschland Germany, 1927 
Ausführung Execution: Gebr. Thonet AG, Frankenberg, um ca. 1931; 
Stahlrohr, Eisengarn Tubulär Steel, eisengarn; MAK H 3089/1990 
Bei einem vorbereitenden Treffen für die Stutt 
garter Werkbundausstellung präsentierte der 
Architekt Mart Stam 1926 den Entwurf für ei 
nen freitragenden Stahlrohrstuhl ohne Hinter 
beine. Ludwig Mies van der Rohe griff die Idee 
sofort auf und stellte in der Weißenhofsiedlung 
1927 ein eigenes Modell vor - das erste, das 
die elastisch federnden Eigenschaften des Ma 
terials zum Tragen brachte und den Namen 
„Freischwinger“ verdiente. 1 Für die avantgar 
distischen Architekten der 1920er Jahre war 
Stahlrohr das geeignete Material, um eine neue 
Raumauffassung im Interieur zum Ausdruck zu 
bringen. Mit ihrer konstruktivistischen Linien 
führung und funktionalistisch reduzierten For 
mensprache schienen Stahlrohrmöbel dem 
Ideal von Sachlichkeit und Transparenz, von 
technischer Innovation und maschineller Pro 
duktion zu entsprechen. Diese Vorstellungen 
wirkten sich in den 1920er Jahren auch auf 
die Gestaltung der Bugholzmöbel aus. Weil 
die gewagten Konstruktionen der Stahlrohr 
möbel mit Bugholz nicht umzusetzen waren, 
mussten sich die Designer und Architekten 
dabei mit weniger spektakulären Lösungen zu 
friedengeben. In ihrer Reduktion und Zweck 
mäßigkeit waren Entwürfe wie der für die Be 
rufspädagogische Akademie im Neuen Frank 
furt entstandene Stuhl von Ferdinand Kramer 
allerdings nicht weniger überzeugend - und 
für die industrielle Serienherstellung meist so 
gar geeigneter. 2 
1 Vgl. Werner Möller / Otakar Mäöel, Ein Stuhl macht Geschichte, 
München/Dessau 1992, 9ff. 
2 Vgl. Ferdinand Kramer, „Funktionelles Wohnen“, in: Amt für 
industrielle Formgestaltung (Hg.), Das Schicksal der Dinge. 
Beiträge zur Designgeschichte, Dresden 1989, 74-80. 
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