Mäandernde Linienführung
Die Möblierung der zwischen 1928 und 1935
von Peter Behrens errichtetenTabakfabrik in
Linz war in ihrer Materialität und Gestaltung
ganz auf den Gesamtkunstwerkcharakter der
Anlage ausgerichtet: Durch verschiedene Sitz
höhen waren die Stahlrohrsessel funktional an
die unterschiedlichen Arbeitsplätze des Be
triebs angepasst. 1 Das Material Stahlrohr ver
mittelte dabei zwar eine kühle Sachlichkeit und
technische Modernität, mutete wie viele extra
vagante Stahlrohrmöbel der 1930er Jahre aber
eher formalistisch an - „mit der Folge, daß das
Rohr am liebsten kein Ende nimmt [...], daß
es - wenn nötig - in mäanderhaften Wendun
gen sich das ganze Gebilde oder einen mög
lichst großen Anteil davon in einem Stück er-
schlängelt, daß es lieber einmal hin- und her
geht oder eine Schlaufe schlägt, als daß Ecken
geschweißt werden müssen“. 2 Abweichend
von dem strengen funktionalistischen Stil ra
tioneller Sachlichkeit und schmuckloser Zweck
mäßigkeit erscheint Behrens’ Stahlrohrsessel
geradezu manieristisch. 3 Der 1993 von der fin
nischen Möbelfirma Asko produzierte Schicht
holz-Sessel „Draco“ des Designers Stefan
Lindfors scheint einer vergleichbaren Entwurfs
haltung entsprungen zu sein.
1 Vgl. Ausst.-Kat. Linz/Salzburg 2010: Tabakfabrik Linz.
2 Schuldt: Zur Einführung, in: Jan van Geest / Otakar Mäcel:
Stühle aus Stahl, Köln 1980, 7-52, 21.
3 Vgl. Ausst.-Kat. Wien 2011: Industriemöbel.
Sessel für die Tabakfabrik in Linz Chair for the tobacco factory in Linz
Entwurf Design: Peter Behrens, Linz, um ca. 1930
Ausführung Execution: unbekannt unknown, um ca. 1930; Stahlrohr,
Metall, Buche Tubulär Steel, metal, beech; Nordico Museum Linz
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