Das Loch-Ornament der Rückenlehne
Sessel Chair A 811, für das Cafe der Werkbundausstellung in Wien
for the cafe at the Werkbund exhibition in Vienna, 1930
Entwurf Design: Josef Hoffmann, Wien Vienna, 1930
Ausführung Execution: Thonet Mundus, nach after 1930; Buche, massiv
und gebogen, Eisen, Sperrholz Beech, solid and bent, iron, plywood;
MAK H 3564/2011
Sperrholzbretter mit durchstoßenen ornamen
tal-stilisierten Jugendstilmotiven waren bei Bug
holzmöbeln als Füllung von Rückenlehnen be
reits vor der Jahrhundertwende verwendet wor
den. Im Zuge der Erneuerung der Bugholzmö
bel im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts
wurde die ornamentale Verzierung gelochter
Sperrholzbretter zeitgemäß adaptiert: Als ers
tes modernes Modell erhielt der im Katalog
der Firma Jacob & Joseph Kohn von 1904 auf
gelistete Fauteuil Nr. 721 - eine Variante von
Otto Wagners Armlehnsessel für das Depe
schenbüro „Die Zeit“ - ein mit gleichmäßig
großen, rhythmisch angeordneten Löchern ver
sehenes Sperrholzbrett zur Verzierung der Rü
ckenlehne. 1 1930 aktualisierte Josef Hoffmann
dieses Motiv noch einmal zum hervorstechen
den Merkmal des Sessels, den er für das ge
meinsam mit Oswald Haerdtl gestaltete Cafe
der Werkbundausstellung in Wien entwarf und
der von Thonet Mundus ausgeführt wurde. Es
scheint, als sei dieses Möbel von Hoffmann
auch das Vorbild für zwei weitere ikonische Va
riationen der gelochten Rückenlehne in der
Zwischenkriegs- bzw. der frühen Nachkriegszeit
gewesen: Ende der 1930er Jahre verwendete
der Entwerfer Hans Coray das Motiv für seinen
anlässlich der Schweizer Landesausstellung
1939 in Zürich konzipierten Aluminium-Stuhl
„Landi“. Bei der durchgehend als Sitz und Rü
ckenlehne gebogenen Aluminiumblechplatte
hatte sich bei diesem Möbel auch die Perfo
rierung der Sitzfläche angeboten, da auf diese
Weise das Regenwasser bei einer Nutzung im
Freien besser abfließen konnte. 1952 war es
dann der Architekt Roland Rainer, der im Zuge
der Ausstattung seiner Wiener Stadthalle den
sogenannten „Stadthallensessel“ entwarf, des
sen schwungvoll gebogene Sitz- und Rückflä
che im oberen Bereich durch das Lochmuster
charakterisiert wird. Wie Corays „Landi“, der
bis heute mehrere Neuauflagen erlebt hat, wur
de auch Rainers „Stadthallensessel“ auf Be
treiben des Architekten Gregor Eichinger Mitte
der 1990er Jahre noch einmal neu aufgelegt
und mit leichten konstruktiven Verbesserungen
kurzzeitig wieder in Produktion genommen.
1 Vgl. Sebastian Hackenschmidt, „Zwischen den Stühlen. Zu den
Möbeln von Adolf Krischanitz“, in: Edelbert Köb (Hg.), Adolf
Krischanitz, Wien 2016, 51-90: 70.
Plywood boards with perforated ornamental-
stylized Art Nouveau motifs had been used as
backrest decoration in bentwood furniture as
early as the turn of the Century. As part of the
renewal of bentwood furniture in the first
decade of the 20th Century, the ornamental
decoration of perforated plywood boards was
adapted in a Contemporary way: As the first
modern model, the No. 721 armchair listed in
the 1904 J. & J. Kohn catalog-a Variation of
Otto Wagner’s armchair for the dispatch office
of Die Ze/f-was given a backrest made of a
plywood board with evenly spaced, rhythmically
arranged holes as decoration. 1 In 1930, Josef
Hoffmann once again upgraded this motif to
the salient feature of the chair which he de-
signed for the cafe of the Werkbund exhibition
in Vienna. The furnishings of this cafe-which
was designed in collaboration with Oswald
Haerdtl-were executed by Thonet Mundus. It
seems that this Hoffmann piece was also the
model for two other iconic variations of the cir
cular perforated backrest in the Interwar and
early Post-War years: At the end of the 1930s,
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