MAK

Full text: Bugholz, vielschichtig : Thonet und das moderne Möbeldesign

Korbmöbel und Möbelkörbe 
Fauteuil Armchair B 1001 
Entwurf und Ausführung Design and execution: Thonet Mundus, um ca. 1935; 
Buche, massiv und gebogen, Geflecht, Polster Beech, solid and bent, cane, 
cushion; MAK H 3108/1989 
iS* 
Armlehnsessel Armchair 
Entwurf Design: Josef Zotti, Wien Vienna, nach after 1900 
Ausführung Execution: Prag-Rudniker Korbwaren-Fabrication, Wien Vienna, 
nach after 1900; Rattanrohr, Peddigrohrgeflecht Rattan cane, wickerwork; 
MAK H 2623/1981; Schenkung Donation Gino Wimmer 
Wie in der Bugholzmöbelproduktion kam es 
nach der Jahrhundertwende auch im Bereich 
der Korbmöbelfabrikation zu einer Zusam 
menarbeit mit namhaften Designern und Ar 
chitekten, darunter in Österreich Koloman 
Moser, Josef Zotti, Hans Vollmer und Wilhelm 
Schmidt, in Deutschland etwa Henry van de 
Velde, Peter Behrens und Richard Riemer- 
schmid. 1 Zu einem beliebten Typus bildete 
sich dabei eine tonnenartig geschlossene, nur 
nach vorne und oben hin offene Konstruktion 
aus, wie sie sich auch bei Armlehnsesseln aus 
der Zeit des Biedermeier findet, deren abge 
rundete Wände innen meist mit Stoff ausge 
kleidet waren. Bei den Korbmöbeln wurde da 
gegen das aus der Rattanpalme produzierte 
Peddigrohr verwendet, das auch als Spani 
sches Rohr bezeichnet wird: Die aus dickeren 
Stämmen - sogenannten Malakkastäben 2 - 
zusammengesetzten Gestelle wurden mit elas 
tischem Rohrgeflecht umhüllt oder verbunden. 
Auch das charakteristisch geflochtene soge 
nannte Wiener Geflecht, das als Bespannung 
der Sitzfläche und der Rückenlehne ab den 
1850er Jahren bei den Bugholzmöbeln zur An 
wendung kam, besteht aus zu Stuhlflechtrohr 
verarbeitetem Rattan. Das Mitte der 1930er 
Jahre entstandene und mit einer opulenten 
Polsterung versehene Thonet Mundus-Modell 
Nr. B 1001 verwendet das Wiener Geflecht 
dagegen rundum wie bei den Korbmöbeln, de 
nen dieser Armlehnsessel formal ähnelt. 3 Die 
behaglich umhüllende Konstruktion griff die 
Designerinnengruppe Front 2015 für ihren von 
den Gebrüdern Thonet Vienna produzierten 
„Hideout Lounge Chair“ auf, bei dem die Wän 
de rundherum weit nach oben gezogen wur 
den, um die Benutzerinnen nach außen abzu 
schirmen: Wie die Bezeichnung als „Schlupf 
winkel“ schon andeutet, ging es darum, dem 
Sitzen hier eine gewisse Privatsphäre zu ver 
leihen. 
1 Vgl. Eva B. Ottillinger, Korbmöbel, Salzburg/Wien 1990. 
2 Um 1930 entwickelten insbesondere der Designer Erich 
Dieckmann gewagte Korbmöbelkonstruktionen, bei denen die 
gekurvten Malakkastäbe den Biegungen der Stahlrohrmöbel kaum 
nachstand. Vgl. Erich Dieckmann, Möbelbau in Holz, Rohr und 
Stahl (= Die Baubücher, Bd. 11), Stuttgart 1931. 
3 In einem US-amerikanischen Katalog von Thonet aus den 1930er 
Jahren finden sich auch eine Reihe von Korbmöbeln, darunter 
Sessel ähnlich den Entwürfen von Josef Zotti und Hans Vollmer. 
As in the production of bentwood furniture, Co 
operation with well-known designers and ar- 
chitects took place with wicker furniture at the 
turn of the Century as well, among them in Aus 
tria were Koloman Moser, Josef Zotti, Hans 
Vollmer and Wilhelm Schmidt, and in Germany 
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