MAK

Full text: Bugholz, vielschichtig : Thonet und das moderne Möbeldesign

Formsperrholzstühle 
Sessel Nr. 1311 Chair No. 1311 
Entwurf Design: Bruno Weill, New York, 1951 
Ausführung Execution: Thonet Industries, New York, um ca. 1955; Amerikanische 
Wildkirsche, massiv gebogen und schichtverleimt American wild cherry, 
solid bent and laminated; MAK H 3980/2019 
Sessel Chair DCW (Dining Chair Wood) 
Entwurf Design: Charles & Ray Eames, 1945 
Ausführung Execution: Molded Plywood Division derof the Evans Products 
Company, Venice, California für for Herman Miller Furniture Company, Michigan, 
um ca. 1950; Schichtholz, gebogen, Sperrholz, Hartgummi Laminated wood, bent, 
plywood, rubber; Lippisches Landesmuseum, Detmold 
Nach dem Einmarsch der Deutschen Wehr 
macht in Österreich floh der jüdisch-stämmige 
Leopold Pilzer, Mehrheitseigentümer von Tho 
net Mundus und Inhaber der internationalen 
Markenrechte, 1 938 in die USA, wo er drei 
bestehende Möbelfabriken in Statesville (NC), 
York (PA) und Sheboygan (Wl) erwarb, die teil 
weise für die Bugholzproduktion umgerüstet 
wurden. 1 Unter der Leitung von Pilzers Stief 
sohn Bruno Weill, der auch eigene Modelle 
entwarf, begann das amerikanische Thonet- 
Unternehmen noch während des Krieges mit 
der Erzeugung von Stühlen aus Schichtholz. 
Sehr erfolgreich war man mit der 1950 einge 
führten Serie „Bentply Collection“, zu der 
neben den Entwürfen von Bruno Weill auch 
solche von Walter Gropius und Joe Atkinson 
gehörten. „In a short time the distinguished 
Thonet Bentply Collection became the pre 
ferred source for the College, university and 
health care markets.“ 2 Die Modelle orientier 
ten sich an den zeitgenössischen Möbel 
entwürfen des Architekten- und Designer 
ehepaars Charles und Ray Eames, erreichten 
die Qualität dieser Vorbilder aber weder in 
formaler noch in technologischer Hinsicht. 
Nach dem großen internationalen Durchbruch, 
den die Eames' mit ihren organisch geformten 
Sperrholzmöbeln Mitte der 1940er Jahre er 
lebten, näherte sich um 1950 in Deutschland 
auch der Architekt Egon Eiermann mit seinen 
Formsperrholzstühlen diesen Formen an. 2007 
nahm der Designer Stefan Diez das Thema der 
körpergerecht geformten Sitzfläche nochmals 
für sein aus Formsperrholz und Schichtholz 
hergestelltes Thonet-Modell 404 auf, bei dem 
die gebogenen Stuhlbeine und die beiden 
Hölzer zur Befestigung der Rückenlehne in 
einem sogenannten Knotenpunkt unter dem 
mit CNC-Fräsen bearbeiteten Sitz zusammen 
laufen. 
1 Vgl. Nina Stritzler, „Thonet: Modern Furniture since 1922“, in: 
Ausst.- Kat. Washington 1993: Against The Grain, 101-111: 106 f. 
2 Thonet Industries, Thonet an historical overview, Faltblatt um 1987. 
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