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Full text: Bugholz, vielschichtig : Thonet und das moderne Möbeldesign

Sitze aus Sperrholz 
Wannenstuhl Bowl Chair 667 
Entwurf Design: Edelhard „Eddi“ Harlis, um ca. 1957 
Ausführung Execution: Thonet Frankenberg, 1958-61; 
Buche, massiv, Sperrholz Beech, solid, plywood; Thonet Frankenberg 
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Sperr 
holz als Material für Stuhlsitze verwendet. Zu 
nächst wurden die Sperrholzbretter dafür noch 
in einen Rahmen eingebaut, später lediglich 
auf Querhölzer aufgelegt. Auch als es gelang, 
Sitz und Rücken aus einer einzigen Sperr 
holzplatte zu formen, musste der Rücken auf 
einer stützenden Unterkonstruktion befestigt 
werden. 1 Mitte des 20. Jahrhunderts wurden 
Stühle mit Sperrholzsitzen wieder modern: Vor 
allem aufgrund verbesserter Leimqualitäten, 
die entsprechend elastische Sperrhölzer er 
möglichten, war man nun dazu in der Lage, 
den Rücken gar nicht mehr unterstützen zu 
müssen, sondern die zweidimensional gebo 
genen „Sperrholzwannen“ gleichsam frei auf 
ihren Untergestellen schweben zu lassen. Die 
Verbindung der Sitzschalen mit dem Unterge 
stell sollte dabei möglichst unsichtbar sein: 
Um die Stahlbeine seiner Modelle nicht einzeln 
mit dem Sitz verschrauben zu müssen, entwi 
ckelte der Designer Arne Jacobsen spezielle 
Verbindungsstücke, in denen die drei oder vier 
Stäbe der Beine zusammenliefen. Aufgrund 
der geringen Materialstärke der Sperrholzsitze 
musste an der Unterseite allerdings noch eine 
zusätzliche Sperrholzplatte aufgeklebt werden, 
auf der die Verbindungselemente angeschraubt 
werden konnten. Der Kontrast der dünnen Me 
tallbeine und der darauf scheinbar schweben 
den Sperrholzschalen machte die ästhetische 
Wirkung dieser Stühle aus. Im Unterschied zu 
Jacobsens sogenannter „Ameise“ von 1952 
- oder auch dem „hasenohrigen“ Stuhl von 
SANAA aus den 2000er Jahren - wirken die 
entsprechenden Modelle mit Holzgestell kon 
ventioneller. Zudem blieben die Schraubköpfe 
deutlich sichtbar, wenn die Sperrholzschale - 
wie bei dem 1957 von Edelhard „Eddi“ Harlis 
entworfenen Thonet-Modell 667 - direkt mit 
dem Untergestell verschraubt wurden. 2 
1 Vgl. Thillmann, Schichten, München 2018. Vgl. auch Christopher 
Wilk, Plywood. A Material Story, London 2017. 
2 Das Modell konnte ebenfalls mit - wahlweise verchromten oder 
lackierten - Stahlrohrbeinen geliefert werden. 
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