Dreidimensionale Sperrholzschalen
Neben Stühlen, bei denen der Sitz und die
Rückenlehne aus einer einzigen zweidimen
sional gebogenen Sperrholzplatte besteht,
kamen in den späten 1940er Jahren auch
Sitzmöbel auf, die - wie der um 1950 ent
standene Stuhl „Jason“ des Designers Carl
Jacobs für das britische Unternehmen Kandya
oder das von Günther Eberle 1953 für Thonet
entworfene Modell 661 - dreidimensional ge
bogene Sitzschalen verwendeten. Charakte
ristisch erscheint für diese Möbel, dass sie
allesamt Löcher, Spalten oder andere Ausspa
rungen in der Sperrholzwanne haben, wobei
es sich weniger um eine formalästhetische Ent
scheidung als vielmehr um eine materialtech
nologische Notwendigkeit handelt. Ohne sol
che Ausnehmungen konnte eine Sperrholz
platte nämlich nicht in eine dreidimensionale
Wannenform gebogen oder gefaltet werden.
Entsprechend resultierten daraus nicht immer
die elegantesten Konstruktionen: Bei all diesen
Schalen findet sich seitlich oder in der Sitzmitte
eine Überplattung und meist blieb auch die
Verschraubung mit dem Untergestell oben auf
der Sitzfläche sichtbar. Die ästhetischen Pro
bleme der dreidimensional gebogenen Sitz
schalen wurden in dieser Zeit am besten in
Amerika gelöst - allerdings in einem anderen
Material: Neben Eero Saarinen entwickelten
vor allem Charles und Ray Eames zu Beginn
der 1950er Jahre selbsttragende, organisch
dreidimensional verformte Schalen aus mit
Fiberglas verstärktem Kunststoff, die mit Gum
mischeiben 1 - sogenannten shock mounts -
fest auf die verschiedenen Untergestell-Kon
struktionen aus Holz oder Stahl montiert wer
den konnten und die für die Entwicklung der
Plastikmöbel wegweisend wurden. 2
1 Auch bei den Thonet'schen Schalensesseln und Modellen von Arne
Jacobsen finden sich häufig diese Gummipuffer, welche das
Oberteil des Stuhls von dem Untergestell „entkoppeln“. Nur so war
es möglich, die Sperrholzwanne oder -schale elastisch zu lagern,
um zu verhindern, dass sie bei einseitiger Belastung oder
punktuellem Druck reißt.
2 Vgl. John Neuhart / Marilyn Neuhart / Ray Eames, Eames Design.
The Work of the Office of Charles and Ray Eames, London 1989,
139 ff.
DAX - Dining Armchair with X-Base
Entwurf Design: Charles & Ray Eames, UCLA, 1948
Ausführung Execution: Herman Miller Furniture Company, Michigan, um ca. 1960
Fiberglas, Rundstahl, Hartgummi Fiberglass, round Steel, rubber; Privatsammlung
Private Collection, Wien Vienna
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