Hermann Czechs Armlehnsessel für das MAK-Cafe
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Armlehnsessel für das MAK-Cafe in Wien Armchair for the MAK Cafö in Vienna
Entwurf Design: Hermann Czech, Wien Vienna, 1993
Ausführung Execution: Gebrüder Thonet Vienna, Friedberg, 1993;
Buche, massiv gebogen, Sperrholz Beech, solid bent, plywood;
MAK H 4005/2019
Armlehnsessel Armchair „Lusch“
Entwurf Design: Luigi Colani, Deutschland Germany, 1969
Ausführung Execution: Lusch GmbH, Bielefeld, 1969; Fiberglas,
lackiert Fiberglass, painted; Privatsammlung Private Collection
Wie schon bei Adolf Loos’ Sesselentwurf für
das Cafe Museum von 1898 ließe sich auch
bei Hermann Czechs weiß lackierter Möblie
rung für das MAK-Cafe in Wien, die 1993 von
Thonet Vienna ausgeführt wurde, von Sampling
sprechen: Während sich Czechs einfacher
Sessel ohne Armlehnen prinzipiell an der
Schlichtheit von Thonet-Klassikern wie der
Nr. 14 oder der Nr. 56 orientierte, dürften we
niger bekannte Modelle wie die Nr. A 851/1
oder Nr. A 383 aus den 1930er Jahren 1 zu den
konkreten Vorbildern der Armlehnsessel gehört
haben: unprätentiöse und robuste Sessel, wie
sie sich in vielen Gaststuben bis heute erhalten
haben, die in Czechs Version indes etwas leich
ter, schlanker und schwungvoller gestaltet
sind. 2 Der Armlehnsessel wirkt dagegen - ob
wohl ihm derselbe einfache Typus zugrunde
liegt - durch den ausholenden Schwung der
Armlehne und der damit zusammenhängenden
Variante der Vorderbeine geradezu manieris-
tisch: Mögen auch die ab 1903 hergestellten
Modelle Nr. 1010 und Nr. 1011 als unmittel
bare Vorlage plausibel erscheinen, 3 so erinnert
doch die wie ein Planetenring um die Rück
seite des Stuhls herumlaufende Armlehne an
die „schwebende Armlehne“ des von der Firma
Lusch produzierten Plastikstuhls von Luigi
Colani aus den frühen 1970er Jahren. 4
1 Vgl. Verkaufskatalog Nr. 31 (Juni 1931) der Gebrüder Thonet AG
Frankenberg.
2 Die Leichtigkeit resultiert dabei auch optisch daraus, dass das
untere Ende der Beine der ansonsten weiß lackierten
Bugholzmöbel holzsichtig belassen wurde.
3 Vgl. ZA Nr. 3 vom 24.10.1903, 3 bzw. 4, erstmals angeboten im
Verkaufskatalog der Gebrüder Thonet von 1904, 47.
4 Vgl. Ausst.-Kat. Ingolstadt 2002: Experiment 70. Designvisionen von
Luigi Colani und Günter Beltzig, 107.
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