Postmundus
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Bei einem Besuch in der kroatischen Mundus-
Fabrik, in der unter anderem die Bugholzmöbel
für das englische Einrichtungshaus Conran
hergestellt werden, ließ sich der Designer
Martino Gamper 2008 zu einigen ungewöhn
lichen Bugholzkreationen mit dem Titel „Post
mundus“ inspirieren. Eines dieser für den
Conran Shop entstandenen Möbelobjekte
wurde 2012 von der Mailänder Galerie Nilufar
nochmals als Kleinserie aufgelegt und auf der
Mailänder Möbelmesse neu präsentiert. Der
Designer hatte für seinen Entwurf fünf Bug
holzteile verwendet, die üblicherweise die als
Haarnadel bezeichnete Rückenlehne des
Stuhls Nr. 18 bilden, aber zwei von diesen Ele
menten auch als Hinterbeine verwendet: Als
Hommage an die klassischen Thonet-Stühle
erinnert Gampers Konstruktion zunächst an
das Ende der 1870er Jahre eingeführte Modell
Nr. 24, das zwei der für den „Postmundus“-
Stuhl verwendeten Bugholzelemente als Zier
motiv für die Rückenlehne einsetzt. Allerdings
besitzt das Technische Museum in Wien ein
nicht in die Kataloge aufgenommenes Modell,
vermutlich von J. & J. Kohn, aus den 1890er
Jahren, das eine noch größere formale Ähn
lichkeit mit Gampers Entwurf besitzt, da auch
hier auf die Einfassung des Motivs durch einen
separaten Rücklehnbogen verzichtet wird.
Allerdings ist dieses historische Modell kon
struktiv völlig unterschiedlich gelöst: Die äu
ßeren beiden Haarnadeln sind aus den Hinter
beinen entwickelt und nur die mittlere ist als
rein ornamentales Motiv appliziert, wodurch
aber letztlich die Ähnlichkeit mit Gampers
Modell resultiert.
Sessel Chair „Postmundus“
Entwurf Design: Martino Gamper, London, 2008
Ausführung Execution: Thonet Mundus, 2012; Buche, massiv und gebogen,
Sperrholz Beech, solid and bent, plywood; MAK H 3619/201 2