Zeittafel 1796 bis 2020
1796 Am 2. Juli wird Michael Thonet als zweites Kind
des Gerbermeisters Franz Anton Thonet und
seiner Ehefrau Margaretha, geb. Fischbach, in
Boppard am Rhein (Rheinland-Pfalz) geboren.
1810 Nach einer Schulausbildung, über die jedoch
nichts Näheres bekannt ist, beginnt Michael
Thonet eine Schreinerlehre.
1816 Er wird vom Dienst in der preußischen Landwehr
freigestellt.
1819 Michael Thonet macht sich als Bau- und Möbel
tischler selbstständig und übernimmt die Werkstatt
seines Vaters.
1820 Am 13. April heiratet er laut Familienbuch die
Metzgerstochter Anna Maria Grass (1799-1862). Aus dieser Ehe
gehen, wie ebenfalls dem Familienbuch zu entnehmen ist, 13 in
Boppard geborene und getaufte Kinder hervor. Die Familie wohnt
im sogenannten Balz, an einem kleinen Platz zwischen Stein- und
Pitzgasse. Die Kinder Michael und Anna Maria Thonets:
Franz 21.12.1820-1.8.1898, Anna Maria 18.4.1823-?, Michael 30.10.1824-
25.12.1902, Margaretha 12.8.1826-13.8.1826, Sophia 31.5.1827-16.1.1828,
August 28.3.1829-6.3.1910, Joseph 25.5.1830-20.8.1887 Gertrud 9.12.1831-
16.6.1832, Gertrud 16.3.1833-?, Johann 15.8.1834-13.2.1835, Heinrich
27.12.1836-25.8.1837, Catharina Josepha Theresia 22.11.1839-12.61840,
Jacob 30.10.1841-10.11.1929
um 1830 Michael Thonet beginnt mit den Versuchen, durch das Biegen
miteinander verleimter dünner Holzleisten Möbelteile herzustellen.
1830-1836 Nach mehrjährigem Experimentieren gelingt es Michael Thonet,
in einem Leimbad gekochtes Holz zu biegen; es entstehen die so
genannten „Bopparder Schichtholzstühle“. Alle Bemühungen, in
Preußen ein Patent zu erhalten, bleiben erfolglos. Michael Thonet
bewohnt ab 1832 mit seiner Familie ein Haus in der Franziskaner
gasse.
1837 Gemeinsam mit dem Apotheker Genius erwirbt Michael Thonet am
2. September die sogenannte Michelsmühle in Boppard, in der er
bis September 1841 eine Leimsiederei betreibt.
1840 Am 25. August reicht Michael Thonet einen Patentantrag „auf das
eigenthümliche Verfahren, vermittels einer Presse dem Holze an Mö
beln eine entsprechende Form zu geben“ bei der Bezirksregierung
Koblenz ein, der jedoch in Berlin mangels Neuheit abgelehnt wird.
1841 Michael Thonet beantragt in Frankreich, England und Russland
Patente. Im August stellt er seine Möbel auf der Herbstmesse in
Koblenz auf dem damaligen Paradeplatz, heutiger Görresplatz, aus.
Der österreichische Hof- und Staatskanzler Clemens Fürst von
Metternich wird auf Thonets Möbel aufmerksam gemacht. Der Apo
theker Genius und Michael Thonet verkaufen am 10. September
die Michelsmühle an einen Dr. Schmitz.
1842 Im April gibt Thonet in der Koblenzer Zeitung eine Anzeige auf, in
der er Gesellen sucht. Michael Thonet reist nach Wien, wo er am
7. Mai eintrifft. Zwischen dem 10. und dem 15. Mai stellt er seine
Möbel bei Hofe vor. Michael Thonet und Johann van Meerten be
antragen am 14. Mai das Privileg „jede, auch die sprödeste Gattung
Holz auf chemisch-mechanischem Wege in beliebige Formen und
Schweifungen zu bringen“. Dieses wird ihnen am 16. Juli von der
k.k. Hofkammer verliehen. In Boppard bedrängen die Gläubiger,
die Michael Thonets Projekte vorfinanziert hatten, nun jedoch nicht
mehr an den Erfolg seiner Arbeit glauben, seine Familie auf Rück-
I
Büste von Michael Thonet, nach 1869
Bust of Michael Thonet, after 1869
Zahlung des geliehenen Geldes. Am 1. Juli unterschreibt
Thonet in Wien eine Vollmacht, das Bopparder Ver
mögen betreffend, für seine Ehefrau und seinen Sohn
Franz. Im Herbst des Jahres übersiedelt auch die Fami
lie Michael Thonets nach Wien; Franz bleibt jedoch
in Boppard und versucht, sich dort selbstständig zu
machen. Im September bestückt Franz Thonet unter
großen Schwierigkeiten die Deutsche Industrieaus
stellung in Mainz mit den Möbeln seines Vaters, da sich
dieser bereits in Wien befindet.
1843 Am 24. Februar wird der Bopparder Besitz Michael
Thonets öffentlich versteigert; die Gläubiger werden
ausgezahlt.
1842- 1846 Gemeinsam mit seinen Söhnen arbeitet Michael Thonet bei
dem Möbelfabrikanten Franz List in der Mariahilfer Straße 42, von
1843/44 bis Mai 1849 in der „Fabrik für Maschinenparquetten“
Carl Leistier, in Gumpendorf 9 (heute Kaunitzgasse 2-6), da der
Einspruch der Wiener Zünfte sowie mangelndes Kapital ihn daran
hindern, sich selbstständig zu machen.
1843- 1846 Michael Thonet und seine Söhne arbeiten im Betrieb von Carl
Leistier ausschließlich an der Innenausstattung des Palais Liech
tenstein. Thonet stellt circa 900 Quadratmeter Parketttafeln und
eine Reihe von Laufsesseln für das Palais Liechtenstein her. Bei
letzteren erprobt er ein neues Herstellungsverfahren, die Stabver
leimung.
1849 Da Leistier ein Angebot für eine Partnerschaft ablehnt, beginnt
Thonet im Mai in Gumpendorf, Hauptstraße 396, selbstständig zu
arbeiten.
1849/50 Beginn der Fertigung des Schwarzenberg-Sessels, einer ver
einfachten Version des Sessels für Palais Liechtenstein. Der Schwar
zenberg-Sessel weist bereits alle formalen und konstruktiven Merk
male der späteren Serienmodelle auf und erscheint dann als Sessel
Nr. 1 mit Kapitellen an den Vorderbeinen auf den ersten Verkaufs
plakaten.
1850 Michael Thonet stellt seinen Sessel Nr. 4 auf einer Ausstellung des
Niederösterreichischen Gewerbevereins in Wien vor.
1851 In der ersten Jahreshälfte stattet Michael Thonet das Hotel „Zur
Königin von England“ in Budapest mit vier Dutzend Sesseln und
einem Dutzend Fauteuils des Modells Nr. 4 aus. Im Sommer des
Jahres erhält er einen Großauftrag des Kaffeehausbesitzers Daum,
der sein schweres Biedermeier-Mobiliar gegen die leichten Sessel
Nr. 4 austauscht. Herr Daum bestellt bei Thonet „vier dutzend Ses
sel, zwanzig Banketten (Sitzbänke an den Wänden), einen Kredenz
kasten und mehrere Etageren aus Mahagoni“. Im selben Jahr be
teiligt sich Thonet an der Londoner Weltausstellung. Dort zeigt er
vorwiegend Kunstschreinerarbeiten, aber auch erstmalig eine Gar
nitur, bestehend aus einem Stuhl, einem Armlehnstuhl und einem
Sofa (österr. Sessel, Fauteuil und Canape) und erhält die Bronze
medaille, die höchste Auszeichnung für Industrieprodukte.
1852 Michael Thonet erwirbt am 28. Juli auf den Namen seiner Söhne
ein neues Privileg, das sein verbessertes Biegeverfahren (Biegungen
nach allen Richtungen) schützt. Im Palais Montenuovo, in der heu
tigen Löwelstraße im Zentrum Wiens, eröffnet Michael Thonet seine
erste Verkaufsniederlassung. Der Betrieb wird im Frühjahr von Gum
pendorf in größere Räumlichkeiten in der Mollardgasse 153 (ehe
malige Mollardmühle) verlegt. Um sich gegen Kopisten seiner Möbel
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