zu schützen, kennzeichnet Michael Thonet die für den allgemeinen
Verkauf hergestellten Sitzmöbel mit dem Prägestempel „Thonet
Wien Gump. 396“ auf der Unterseite des Sitzringes.
1853 Die Firma Gebrüder Thonet wird am 1. November gegründet; Ge
sellschafter sind die fünf Söhne. Michael Thonet behält sich jedoch
die Gesamtleitung und die Vertretung der jüngsten, noch nicht voll
jährigen Söhne vor. Es wird eine Dampfmaschine für den Betrieb
angeschafft, in dem circa 40 Arbeiter beschäftigt sind.
1854 Die Firma Gebrüder Thonet nimmt an der Münchener Gewerbe
ausstellung teil, auf der die Modelle Nr. 2, 3 und ein Modell ähnlich
der späteren Nr. 21 gezeigt werden.
1855 Die Firma Gebrüder Thonet beantragt im April und erhält am
8. Juli die „einfache Fabrikbefugnis“ und ist nun von der Tischler
zunft unabhängig. Das Unternehmen wird auf der Pariser Weltaus
stellung mit einer Silbermedaille ausgezeichnet.
1856 Michael Thonet und die Söhne Michael und Joseph erhalten am
16. August, Franz und August am 27. Dezember, die anderen Söhne
vermutlich im folgenden Jahr die österreichische Staatsbürgerschaft.
Am 10. Juli erhalten die Thonets das sogenannte Massivholz-Privileg
„zur Anfertigung von Sesseln, Fauteuils, Canapes und Tischfüßen
aus mittels Dampf und siedenten Flüssigkeiten gebogenem Holze“.
Das Privileg wird 1869 auf Druck der Konkurrenten gezwungener
maßen „freiwillig zurückgegeben“. In diesem Jahr nimmt die erste
Möbelfabrik, nach Plänen Michael Thonets in Koritschan (Korycany,
Mähren) errichtet, die Produktion auf. Die dort massiv gebogenen
Einzelteile werden anfangs noch in Wien montiert.
1857 Am 9. November wird die einfache Fabrikbefugnis auf eine Landes
fabrikbefugnis „zur Erzeugung von Möbeln, Parquetten und anderen
Holzwaren" erweitert.
1858 In Koritschan können die Möbel nun vollständig montiert werden.
Der Betrieb in der Mollardmühle wird aufgegeben, stattdessen ent
steht eine zweite Verkaufsniederlassung in Wien, Leopoldstadt. Am
14. September wird die Landesfabrikbefugnis von Wien auf Mähren
übertragen.
1859 In Koritschan beginnt die Fabrikation des Sessels Nr. 14.
1860 Am 8. Januar erhält die Firma Thonet ein Patent auf eine neuartige
Naben-Konstruktion für die Räder von schweren Fuhrwerken und
Kanonenlafetten, welches bis zum 8. Januar 1865 verlängert wird.
um 1860 Vermutlich erstes Verkaufsplakat aller lieferbaren Möbel.
1860/61 Errichtung einer Fabrikationsanlage in Bistritz am Hostein (Bystrice
pod Hostynem, Mähren), die 1861 mit der Produktion beginnt.
1861 Im Oktober Errichtung der ersten Verkaufsniederlassung außer
halb Wiens in Pest (Budapest), Lika’sches Haus Nr. 303/3 in der
Dorotheergasse (Dorottya utca).
1862 Anna Maria Thonet, Ehefrau Michael Thonets, stirbt am 10. Januar
im Thonet’schen Wohnhaus in der Kaiser-Josef-Straße 40 (heute
Heinestraße) in Wien-Leopoldstadt. Die Gebrüder Thonet nehmen
an der 2. Londoner Weltausstellung teil und eröffnen ihre erste
Verkaufsniederlassung in London, 16 Ludgate Hill.
1865 Errichtung der Fabrik in Groß-Ugröcz (Nagy Ugröcz / Velke Uherce,
Slowakei), die 1866 den Betrieb aufnimmt.
1867 Die Gebrüder Thonet schließen in Galizien und Mähren Holzliefer
verträge ab. Buchenholz wird dort in eigenen Sägewerken zu Latten
gesägt, an Drechselmaschinen bearbeitet und nach Koritschan und
Bistritz weitergeleitet. In der Herrschaft Wsetin (Vsetln, Mähren)
verfahren die Gebrüder Thonet nach demselben Prinzip. Das dortige
Sägewerk Hallenkau (Halenkov, Mähren) wird in den nächsten
Jahren zu einer vollständigen Fabrik ausgebaut. Die Gebrüder Thonet
beteiligen sich erfolgreich an der 2. Pariser Weltausstellung.
1869 Nachdem das Patent zum Biegen massiven Holzes zurückgegeben
werden musste, entstehen die ersten Konkurrenzfirmen, allen voran
die Firma Jacob & Josef Kohn.
1871 Am 3. März stirbt Michael Thonet in Wien.
1872 Die Fabrik in Wsetin wird gebaut.
1873 Beteiligung der Gebrüder Thonet an der Weltausstellung in Wien.
1876 Beteiligung der Gebrüder Thonet an der Weltausstellung in Phila
delphia.
1880 Errichtung der Fabrik in Nowo-Radomsk, im heutigen Polen
(Radomsko).
um 1881 Neugestaltung der Schutzmarke, die nur noch den Namen
„THONET“ und „WIEN“ aufweist. Der „Frästeller“ mit dem Schriftzug
„THONET“, später „THONET Austria“ wird zum ersten Mal ver
wendet.
1888 Die Gebrüder Thonet entwickeln den ersten Theater-Klappstuhl der
Welt.
1889 Errichtung der Fabrik in Frankenberg (Hessen).
1893 Pro Jahr werden über eine Million Möbelstücke in den Thonet-
Fabriken gefertigt.
1898 Franz Thonet, ältester Sohn Michael Thonets, stirbt in Boppard.
Adolf Loos entwirft einen Bugholzsessel für das Cafe Museum in
Wien (1899) und gibt damit den Auftakt für moderne Architekten
möbel aus Bugholz (Produktion durch J. & J. Kohn).
1905 Die Firma Thonet bekommt Kontakt zur Wiener Avantgarde. Sie er
hält gemeinsam mit der Firma Jacob & Josef Kohn den Auftrag, die
Wiener Postsparkasse von Otto Wagner einzurichten. Es ergibt
sich eine Zusammenarbeit mit dem Wagner-Schüler Marcel Käm
merer, die für die folgenden Jahre prägend wird.
1914 Auf der Kölner Werkbundausstellung zeigen die Gebrüder Thonet
ein Möbelensemble von Otto Prutscher, dem die Firma bis in die
Zwischenkriegszeit zahlreiche Entwürfe verdankt.
1914-1918 Da mehr als die Hälfte der Arbeiter aus den Fabriken zum Mi
litärdienst eingezogen sind, kann nur noch an zwei Tagen produziert
werden. Die Arbeiter stellen vorwiegend Munitionskisten her.
1917 Die Firma J.& J. Kohn wird vollständig von Mundus übernommen.
1919 Nach der Auflösung der Österreichisch-Ungarischen Monarchie
befinden sich die Besitzungen der Thonets in Ungarn, Polen und
der Tschechoslowakei. Aus politischen und steuerlichen Gründen
werden selbstständige Firmen gegründet. Die Firma Thonet muss
durch verlorene Kriegsanleihen und harte Preiskämpfe große Ver
luste hinnehmen.
1924 Die Gebrüder Thonet fusionieren mit der Mundus Aktiengesellschaft
und bilden fortan die Firma Thonet Mundus. Der Sitz der Geschäfts
leitung befindet sich in Wien, der offizielle Firmensitz ist aus steu
erlichen Gründen in Zug in der Schweiz. Generaldirektor wird
Leopold Pilzer. Nach immensen Verlusten im Weltkrieg gelingt es
diesem, mit einer starken Einschränkung der Produktionspalette,
innerhalb von zwei Jahren 75 Prozent der vor dem Krieg erzielten
Umsätze zu erreichen. Schließlich öffnen sich dem Großunterneh
men wieder die Exportmärkte Amerika, Afrika und Indien.
1927 Als Beispiele für zeitgemäße Einrichtungen stehen auf der Werk
bund-Ausstellung in der Stuttgarter Weißenhof-Siedlung Bug
holzstühle von Thonet. Erstmalig sind auf dieser Ausstellung auch
hinterbeinlose Stahlrohrstühle („Freischwinger“) von Mart Stam
und Ludwig Mies van der Rohe zu sehen. Thonet sichert sich in
den folgenden Jahren die Rechte an den besten Stahlrohrentwürfen,
u. a. auch von Marcel Breuer.
1929 Am 11. April geht Standard Möbel in Konkurs und Thonet erwirbt
den Betrieb samt den Rechten an allen Modellen.
1930 Es erscheint der erste Stahlrohrkatalog der Firma Thonet, der so
genannte Steckkartenkatalog. Im Betrieb Frankenberg richtet Thonet
eine neue Abteilung zur Herstellung von Stahlrohrmöbeln ein. Die
Produktion wird um die Modelle von Thonet France erweitert.
1931/32 Durch einen Lizenzvertrag mit Ludwig Mies van der Rohe sichert
sich die Thonet Mundus AG die Rechte an allen bisher von ihm ent
worfenen Modellen.
1933 Anton Lorenz, ehemaliger Geschäftsführer von Standard gewinnt
nach einer dreijährigen Auseinandersetzung um die Rechte an dem