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Theaterraum im Palais Schwarzenberg, Lithografie von Wilhelm Gause,
aus: Deutsche lllustrirte Zeitung, ll/ll, 1886, 276 Theater room in Palais
Schwarzenberg, Lithography by Wilhelm Gause, in: Deutsche lllustrirte
Zeitung, ll/ll, 1886, 276
repräsentative Möblierung ergänzten. 14 Desvignes
nahm entscheidenden Einfluss auf Form und Ge
staltung dieser Sitzmöbel. Er entwarf die gesamte
von Leistier ausgeführte Innendekoration und
Möblierung, doch konnte Michael Thonet zeigen,
dass der Typus des Laufsessels sich eleganter in
der Form und leichter, somit als wirklicher „Lauf
sessel“ hersteilen ließ. 16 Durch das neuartige
Verfahren der Stabverleimung - es werden keine
Furnierstreifen mehr miteinander verleimt, son
dern feinste Stäbchen zu Stabbündeln verbun
den - war man nun in der Lage, dreidimensionale
Bauteile aus einem einzigen Stück zu fertigen.
Lediglich die konstruktiv bedingte Öffnung am
Übergang der Vorderbeine in den Sitzring und
der Hinterbein/Rücklehnkonstruktion wurde mit
einem geschnitzten Massivholzteil gefüllt.
Die Umgestaltung des Liechtensteinpalais zeigte
in Wien eine überaus große Wirkung und es gab
eine Reihe von Umgestaltungen anderer Palais.
So ließ auch Johann Adolf Fürst Schwarzenberg
um 1850 das Schwarzenbergische Gartenpalais
mit Mobiliar im Stil des Neorokoko einrichten.
Michael Thonet wurde, möglicherweise noch
durch die Vermittlung Desvignes’, mit der Produktion eines leichten Bei
stellsessels beauftragt, der unter dem Namen „Schwarzenberg-Sessel“
bekannt werden sollte. Vorbild war der „geknotete“ Liechtensteiner, in
den Handwerkerrechnungen auch treffend als „Schlangen-Sessel“
bezeichnet. 16
Der Sessel für das Palais Schwarzenberg ist eine formal und konstruktiv
vereinfachte Version dieses Liechtensteinischen Sesseltyps. Die Vorder
beine sind nun massiv und werden in den Sitzrahmen eingeschraubt.
Der Knoten wird als eigenständiges Motiv in den Rücken eingesetzt.
Ähnlich wie beim Bopparder Stuhl können Einzelteile kombiniert werden.
Der Schwarzenberg-Sessel fand mit noch einigen Veränderungen seinen
Weg in die Serienproduktion, wurde schließlich ab 1856 zu Modell Nr. 1.
1849 lehnte Carl Leistier ein Angebot Michael Thonets für eine Partner
schaft ab. Thonet begann daher im Mai 1849 im II. Stock des Hauses
in Gumpendorf, Hauptstraße Nr. 396, Ecke Kasernengasse, selbstständig
zu arbeiten. 17 Bisher ging man in der Literatur davon aus, dass die Söhne
tatkräftig in der Werkstatt des Vaters mitarbeiteten, doch dem war nicht
so. August arbeitete - zumindest zeitweise - „bei einem Herrn Erlach in
Währing“ 18 , Sohn Franz hatte seine eigene Werkstatt: „[...] er arbeitet
jetzt für sich und hat schon 2 Gesellen, er macht eingelegte Tischplat-
14 Michael Thonet fertigte vor seiner Bekanntschaft mit Desvignes bereits einen „Laufsessel“ in der Art
der Bopparder.
15 Eine umfassende Darstellung der Neumöblierung des Palais Liechtenstein findet sich bei Michael
Huey, Peter Hubert Desvignes und die Neo-Rokoko-Gestaltung des Stadtpalais Liechtenstein
1837-1849, Wien 1999.
16 Vorbild für die Schwarzenberg-Sessel war der holzsichtige „Schlangen-Sessel“, bei dem Hinterbeine
und Rückenlehne bereits in einer einzigen Linie durchlaufen. Dass es sich bei diesem um das letzte
für Liechtenstein gefertigte Modell handelt, belegt die Tatsache, dass diese Ausführung noch bis
mindestens Ende 1857 hergestellt wurde. In einem Brief von Joseph Thonet am 21.12.1857 an die
Brüder heißt es: „die Mahagoni Sessel für Liechtenstein werden sehr schön wenn sie aber schon
fertig wären [...]“.
17 Der früheste Stempel, der sich auf den Thonet’schen Sitzmöbeln findet, verweist auf diese Adresse:
„Thonet Wien Gump. 396". Ob er allerdings bereits ab 1849 verwendet wurde, ist eher fraglich.
Das Jahr 1852 scheint wahrscheinlicher. Vgl. Wolfgang Thillmann, Perfektes Design Thonet Nr. 14,
Bielefeld 2015, 27.
18 Vgl. Brief von Michael Thonet jr. an seinen Freund Jakob Henrich in Boppard vom 15.8.1851, zitiert
nach: Ulrich Löber, „Jakob Henrich, Schreinermeister aus Boppard“, in: Ausst.-Kat. Koblenz 1996
(wie Anm. 1), 35-49: 40.
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