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Full text: Bugholz, vielschichtig : Thonet und das moderne Möbeldesign

ein Möbel geschaffen, welches in 
dieser Form und Herstellungstechnik 
ideal geeignet für die industrielle 
Fertigung war und auch nur so zu 
dem konkurrenzlos billigen Preis von 
3 Gulden angeboten werden konnte. 
Nicht umsonst baute man schon kurz 
nach Einführung dieses Modells eine 
zweite Fabrik in Bistritz am Hostein, 
Mähren. 
Wie wichtig die Nr. 14 und auch alle 
nachfolgenden Sitzmöbel mit rundem 
Sitzrahmen für den wirtschaftlichen 
Erfolg der Gebrüder Thonet waren, 
lässt sich leicht an deren Verkaufs 
zahlen für die Jahre 1859 bis 1886 
ablesen. Mit der Erfindung der für das 
Biegen vollständig massiver Einzel 
teile notwendigen Verfahren und Pro 
duktionsmittel waren die grundsätz- 
„Möbel aus gebogenem Holz“; Illustration aus lllustrirtes Familien-Journal, 
Leipzig und Dresden 1865, 204 “Bentwood furniture”; illustration from 
lllustrirtes Familien-Journal, Leipzig and Dresden 1865, 204 
liehen Schwierigkeiten zwar gelöst und die Herstellung für eine fabrik 
mäßige Erzeugung optimiert, doch es gab - wie bereits erwähnt - Pro 
bleme mit der Stabilität der Sessel. Die Möglichkeit, die Stärke der zu 
biegenden Teile durch eine Verbesserung des Biegeverfahrens zu ver 
größern, war sicher geeignet, hier Abhilfe zu schaffen. Doch finden wir 
bis zum Ende der 1870er Jahre eine ganze Reihe weiterer Maßnahmen, 
die Sessel stabiler und haltbarer zu machen. 
Durch die Einführung der vollständig massiv gebogenen Sitzrahmen hatte 
sich ein Problem verschärft: das der Verbindung des Vorderbeins mit 
dem Sitzrahmen. Immer wieder kam es zu ab- oder ausbrechenden Vor 
derbeinen; immer wieder brachten Kunden deswegen verärgert ihre Ses 
sel in die Niederlagen zurück. Der entscheidende Durchbruch, mit dem 
alle diese Probleme grundsätzlich gelöst werden konnten, war die Erfin 
dung des Fußrings im Herbst 1861. Wie wichtig die Einführung dieses 
für die Stabilität des Sessel entscheidenden Bauteils war und wie sehr 
sich die Firma mit Verbesserungen in der Produktion desselben beschäf 
tigte, zeigt die Tatsache, dass die Thonets bereits im Februar 1862 über 
Pressformen verfügten, mit denen zwei Fußverbindungen in einem Ar 
beitsgang gebogen werden konnten: „Die Fußverbindungen werden hier 
zunächst durchgeschnitten und dann 2 auf einmal gebogen, welches ge 
schwinder geht.“ 30 Im Juli des gleichen Jahres hatten die Fußreifen bereits 
einen stärkeren Querschnitt als die früheren. Es wurde immer wieder ge 
fordert: „alle Sessel nur mit Reifen“. Sogar bereits ausgelieferte sollten 
nachträglich noch mit Fußreifen ausgestattet werden, was insofern große 
Probleme mit sich brachte, als sie nicht unbedingt immer genau passten 
und aufwendig einzeln eingepasst werden mussten. 
Die Einführung des Fußrings und das damit erreichte Mehr an Stabilität 
erlaubte es, konstruktive Details zu vereinfachen, ja, teilweise auch weg 
zulassen, was die Produktion vereinfachte und die Sessel billiger werden 
ließ. Die Preisermäßigung, welche am 19. März 1862 in den Neuesten 
Nachrichten angezeigt wurde, ist eine direkte Folge dieser technischen 
Neuerungen: „[...] erlauben wir uns zugleich anzuzeigen, daß seit 13. Au 
gust 1861 eine bedeutende Preisermäßigung in allen unseren Erzeug 
nissen eingetreten ist“. 
Für die Vorderbeine brauchte man nun keine Schraubgewinde mehr, um 
sie fester mit dem Rahmen zu verbinden, sondern steckte sie einfach nur 
30 Franz Thonet, Brief vom 16.2.1862 nach Wien; Kopie Archiv Thillmann. 
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