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Full text: Bugholz, vielschichtig : Thonet und das moderne Möbeldesign

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Niederlage der Gebrüder Thonet in Budapest; Foto aus einem Album 
„Thonet Mundus“, Mitte der 1920er Jahre Gebrüder Thonet sales branch 
in Budapest; photo from a “Thonet Mundus” album, mid-1920s 
Pest [das heutige Budapest] war die erste Stadt außerhalb 
Wiens, in der eine eigene Filiale eingerichtet wird. Im Sommer 
1861 reiste Franz Thonet dorthin und kümmerte sich um den 
Erwerb entsprechender Räumlichkeiten und die Einrichtung 
des Verkaufshauses. Man fand passende Räume im Lika’schen 
Hause Nr. 303/3 in der Dorotheergasse. Mitte Oktober wurde 
die Filiale eröffnet. 
Die Einrichtung der Niederlassung in London ist im Zusam 
menhang mit der dort stattfindenden „International Exhibition“ 
von 1862 zu sehen. Es war offensichtlich geplant, dass die 
Teilnahme an der Ausstellung und die gleichzeitige Eröffnung 
einer eigenen Niederlage die Gebrüder Thonet in England 
noch bekannter machen sollten. 32 Im Frühjahr reiste Franz 
nach London und mietete in einer der besten Lagen von Lon 
don, 16 Ludgate Hill, günstig Räume für vorerst drei Jahre. 
Neben der Präsentation der Möbel auf der Weltausstellung 
lieferten die Thonets auch die Bestuhlung für die Ausstellungs 
restauration, weil man sich davon einen noch größeren Werbe 
effekt versprach als von der Ausstellung selbst. „Wir haben 8 Dutzend 
von jeder dieser Nummern [Sessel Nr. 3, Nr. 11 und 14 fein geflochten 
und Nr. 11 und 14 grob geflochten] in die 4 besten Zimmer der Ausstel 
lungsrestauration zu liefern. [...] Dieses ist mehr Werth [sic] wie die 
ganze übrige Ausstellung und Niederlage zusammen. Jeder sieht die 
selben und findet daß dieselben stark sind und wird dadurch unserer 
7i iki inft hiAr und in Paris wesentlich Vorschub aeleistet.“ 33 
Es folgt die Gründung weiterer Filialen in Brünn, Berlin, Hamburg, Ams 
terdam und Paris. Bereits im Jahr 1873 ging man über den großen Teich: 
In New York wird am Broadway 808 ein eigenes Verkaufshaus eröffnet; 
Mailand folgt 1876, Moskau 1884, Marseille und Barcelona 1887 bzw. 
1888. Bis 1890 entstanden weitere 26 eigene Verkaufshäuser in allen 
wichtigen Städten in bester Lage. Da man in den Filialen nicht alle Möbel 
Vorhalten konnte, begann man ab dem Ende der 1850er Jahre Plakate 
zu drucken, auf denen ein Großteil der Modelle abgebildet war. Sie dienten 
nicht einer kompletten Übersicht, sondern präsentierten einen Teil des 
Modellprogramms der Gebrüder Thonet. 
Wurden in den ersten Jahren vor allem Möbel zur Ausstattung öffentlicher 
Räume wie Cafes, Restaurants, später auch Büros angeboten, so wurde 
das Sortiment in den folgenden Jahrzehnten auf den Bereich der Wohn 
möbel erweitert. Der begrenzte Umfang eines Plakats konnte die Vielzahl 
der verschiedenen Möbeltypen allerdings nicht mehr aufnehmen und um 
dem Kunden eine nahezu komplette Übersicht über die Produktion zu 
geben, erschien nun erstmals ein Musteralbum. Die Anzahl der dort vor 
gestellten Möbel beträgt 155 Stück. Später folgten immer umfangreichere, 
teilweise mehrsprachige Kataloge, nach denen der Kunde seine Möbel 
aussuchen, Farbe und Formvarianten selbst bestimmen konnte. Neben 
einer zunehmend größer werdenden Modellvielfalt versuchten die Ge 
brüder Thonet nun, Bugholzmöbel in alle Lebensbereiche einzuführen. 
Es erschienen Sonderkataloge mit Möbeln für Theater, Gaststätten, Kran 
kenhäuser, Garten und Veranda. In einem Katalog Lawn-Tennis wurde 
alles für dieses Spiel Notwendige angeboten. Der Gesamtkatalog von 
1911 mit dem Supplementeon 1915 schließlich enthielt mehr als 2000 
verschiedene Bugholzmöbel bzw. Varianten von Grundmodellen. 
32 Möbel der Gebrüder Thonet wurden in London bereits ab 1860 angeboten. In Briefen aus den 
Jahren 1860 bis 1862 ist von Lieferungen an eine Firma Ingelbach & Wolffgang, 6 Lilypot Lane, 
Gresham Street die Rede. Auch in Paris hatte diese Firma Anfang der 1860er Jahre ein Laden 
geschäft - 66, rue de Bondy in welchem man Möbel der Gebrüder Thonet erwerben konnte. 
33 Franz Thonet, Brief vom 18.4.1862 nach Koritschan; Kopie Archiv Thillmann. 
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