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Full text: Bugholz, vielschichtig : Thonet und das moderne Möbeldesign

THONET 
ab und man orientierte sich wieder an der eigenen, 
erfolgreichen Vergangenheit. 
Wurde nach dem Krieg nur maschinell, also zweidi 
mensional gebogen, so war man ab 1960 in der Lage, 
wieder dreidimensionale Teile aus gebogenem Holz 
zu erzeugen. Der Betriebsleiter Paul Stanoßek entwi 
ckelte ein Nachfolgemodell für den Sessel Nr. 14, der 
die Modellbezeichnung 214 erhielt. 5 Technisch und 
formal betrachtet ist der Abstand zum Original sicher 
mehr als nur ein „Facelifting“. Das Familienprogramm 
rund um dieses Modell (Polsterausführungen, Arm 
lehnmodelle etc.) war sehr funktionell konzipiert und 
wurde mit nachfolgenden anderen, neu aufgelegten 
Bugholzklassikern zu einem verlässlichen Standbein 
der Kollektion, wobei die in den 1970er Jahren ein 
setzende Nostalgiewelle noch das Ihre zur Steigerung 
der Umsatzzahlen beitrug. 
Mit der Errichtung einer neuen Stahlmöbelproduktion 
ab 1970 sind die Voraussetzungen gegeben, auch auf 
diesem Sektor an die eigene Vergangenheit anzu 
schließen. 6 In den 1930er Jahren war Thonet mit den 
innovativen Entwürfen des Bauhauses vielleicht der 
größte Stahlmöbelerzeuger. 7 Die Urheberrechte des 
Freischwingers verteidigte man, wo immer es möglich 
war. Die historischen Entwürfe eines Marcel Breuer, 
Mart Stam, Mies van der Rohe gelangten wieder in 
das Verkaufsprogramm. Auch neue Modelle in Rund 
stahlrohr, wie die Freischwingerserie S 46 von Rudolf 
Glatzel oder der S 41 von Hanno von Gustedt konnten 
da durchaus anschließen. 
Stühle aus der Serie S 800, Entwurf Hanno von Gustedt, 1961; 
Thonet-Katalog 1961 Chairs from the S 800 series, design 
Hanno von Gustedt, 1961; Thonet catalog 1961 
161 
International fand Thonet große Beachtung durch die 
- wenn auch nicht allzu lang dauernde - Zusammen 
arbeit mit dem dänischen Designer Verner Panton. 
Dessen Standgestaltung auf der Kölner Möbelmesse 
1969 war außergewöhnlich und in aller Munde. Es 
gelangte eine Reihe von Pantons Entwürfen ins 
Thonet-Programm, gut für die PR, aber leider ohne wahrnehmbare Aus 
wirkung auf die Verkaufszahlen. Ein durchschlagender Erfolg hingegen 
war das 1976 vorgestellte Programm FLEX. Gerd Lange, der Entwerfer, 
kombinierte eine flexible Kunststoffwanne aus Polypropylen mit runden 
Holzfüßen, womit Thonet nun auch beim Material Kunststoff angekommen 
war. Das Programm bestand aus einem Stapelstuhl mit und ohne Arm 
lehnen, Wartezonensesseln und einem Drehstuhl, war somit vorwiegend 
für den Objektbereich gedacht. FLEX war ein Trendsetter, der von den 
Mitbewerbern eifrig „nachempfunden“ wurde; für Thonet Frankenberg 
blieb FLEX über zwei Jahrzehnte der Umsatzbringer. 
Auf der Möbelmesse Köln 1985 wurde das neue Stapelstuhlprogramm 
CUT von Gerd Lange und den Armlehnstapelstuhl S 320 von Wulf 
Schneider/Ulrich Böhme vorgestellt. Im Gegensatz zum Programm 
FLEX, war CUT nicht erfolgreich, der S 320 hingegen wurde trotz vieler 
funktionaler Einwände ein großer wirtschaftlicher Erfolg. Materialkom- 
5 Fritz Werner Haver, 100 Jahre Thonet Frankenberg 1889-1989, Festschrift, Frankenberg 1989, 27. 
6 Bereits 1948 hatte man mit einer kleinen Produktion von Stahlmöbeln in Düsseldorf begonnen, die 
1954 nach Frankenberg verlegt wurde. Dort errichtete man dann 1970 jenseits der Bahn ein 
„Zweitwerk“ mit einer Grundfläche von 7200 m 2 .1978 erfolgte ein weiterer Ausbau. 
7 Alexander von Vegesack, Deutsche Stahlrohrmöbel. 650 Modelle aus Katalogen von 1927-1958, 
München 1986, 68ff. 
68
	        
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