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Full text: Bugholz, vielschichtig : Thonet und das moderne Möbeldesign

Biegen in Schichten 
Sitz und Rücken des Stuhls von Samuel Gragg 
bestehen aus massiv gebogenen Leisten aus 
Eschenholz. Über Graggs Verfahren, das Holz 
biegbar zu machen, ist kaum etwas bekannt, 
und sein Patent von 1808 hat sich leider 
nicht erhalten. 1 Der Fauteuil von Jean-Joseph 
Chapuis sowie der Sessel von Michael Thonet 
sind dagegen aus schichtverleimtem Holz 
gefertigt. Allerdings ist der Begriff „schicht 
verleimt“ als Beschreibung unspezifisch und 
subsumiert unterschiedliche Vorgehenswei 
sen, deren Gemeinsamkeit lediglich darin 
besteht, dass Holzleisten gebogen und in glei 
cher Faserrichtung miteinander verleimt wer 
den. Schon vor den Schichtholz-Experimenten 
Michael Thonets war es üblich, Furniere oder 
Leisten durch Einwirkung von Wasser oder 
Dampf zu erweichen, zu biegen, nach der 
Trocknung zu verleimen und in eine entspre 
chende Form eingelegt zu pressen. Dieses 
tradierte Verfahren, das auch Chapuis ver 
wendete, wurde von Thonet modifiziert und 
entscheidend verbessert, um die einzelnen 
Bauteile aus gebogenem Holz schneller und 
effizienter produzieren zu können. 2 
1 Vgl. Patricia Kane, „Samuel Gragg: ,His bentwood fancy chairs 1 “, 
in: Yale University Art Gallery Bulletin, Autumn 1971,26-37. 
2 So heißt es in dem französischen Patentantrag vom 1. Juli 1841: 
,,[L]e bois qu'on veut rendre mou et flexible est jetö dans un bain 
de colle forte [...].“ Und zusammenfassend ein wenig später: 
„Ainsi la forme est donnee en meme temps que le collage s’opere, 
avantage d’autant plus pröcieux que la mollesse qu’elles ont 
acquise par le bain facilite extraordinairement le travail.“ Diese neue 
Methode ermöglichte es, Bauteile aus gebogenem Holz schneller 
und rationeller als zuvor zu fertigen. „De cette Sorte le travail est 
extremement rapide, les chaises sons toutes identiques de formes 
et dimensions.“ Transkription der Patentschrift in: Robin Rehm / 
Christoph Wagner (Hg.), Designpatente der Moderne 1840-1970, 
Berlin 2019, 417-419. 
Einfacher Bopparder Sessel Simple Boppard Chair 
Entwurf Design: Michael Thonet, Wien Vienna, 1842-44 
Ausführung Execution: Michael Thonet, Wien Vienna, Werkstatt Workshop List, 1842-44; 
Buche, schichtverleimt, Kirschfurnier, Weichholz, Geflecht Beech, laminated, cherry veneer, 
softwood, cane; MAK H 2991/1988; Schenkung Donation Franz Wittmann K.G. 
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