Von der Palais-Ausstattung zum Serienmöbel: Schwarzenberg
„Schlangensessel“ “Snake Chair” für for Palais Liechtenstein
Entwurf Design: Peter Hubert Desvignes / Michael Thonet, Wien Vienna, 1 844-49
Ausführung Execution: Michael Thonet, Wien Vienna, 1844-58; Palisander,
stab-/schichtverleimt und massiv, geschnitzt, gepolstert Rosewood, rod bundles/
laminated and solid, carved, upholstered; Fürstliche Sammlungen The Princely
Collections Liechtenstein
Sessel Chair für for Palais Schwarzenberg
Entwurf Design: Michael Thonet, Wien Vienna, um ca, 1850
Ausführung Execution: Michael Thonet, Wien Vienna, Werkstatt Workshop
Gumpendorf, um ca. 1850; Buche, schichtverleimt und massiv, Geflecht Beech,
laninated and solid, cane; Firmensammlung Company Collection TON
Die Neugestaltung des Palais Liechtenstein
Mitte der 1840er Jahre erregte in Wien großes
Aufsehen: Auch andere Fürsten ließen ihre Re
sidenzen nun entsprechend umbauen und neu
einrichten. Zur standardmäßigen Ausstattung
eines repräsentativen Wohnsitzes gehörten
damals die sogenannten Laufsessel, wobei die
Modelle, die Michael Thonet für das Palais
Liechtenstein gefertigt hatte, fraglos die avan
ciertesten ihrer Zeit waren: Das hier gezeigte
holzsichtige Modell, bei dem Hinterbeine,
Lehnholme und das Schlangenmotiv im Rü
cken bereits eine kontinuierliche Linie bilden, 1
ist ein wichtiger Ausgangspunkt für die Ent
wicklung der Thonet-Stühle zu massentaug
lichen Serienprodukten: Noch ist die Rücken
lehne nicht aus einem einzigen Teil gebogen;
vielmehr besteht sie aus zwei vertikal spiegel
symmetrischen Teilen, welche im unteren Be
reich des Schlangenmotivs miteinander ver
bunden sind. Der um 1850 erstmals nachge
wiesene Sessel für das Gartenpalais Schwar
zenberg stellt nun eine entscheidende Weiter
entwicklung dar: Das Liechtenstein'sche
Rückenmotiv wurde hier als eigenständiges
Element in die Lehne eingebaut und der
schichtverleimte Rücklehnbogen an die mas
siven Holme angeschäftet. Das vom Schwar-
zenberg’schen Sessel abgeleitete und ab der
zweiten Hälfte der 1850er Jahre angebotene
Modell Nr. 1 wurde für die Serienfertigung
noch optimiert: Hinterbeine, Rücklehnholme
und Rückenscheitel sind erstmals aus einem
einzigen, massiv gebogenen Stab gefertigt.
Dabei wurde im Bereich des Rücklehnbogens
eine innenliegende Schicht zur Verstärkung
eingesetzt. Erst ab 1861/62 konnte dieses
Bauteil, wie bei allen Serienmodellen, vollstän
dig massiv gebogen werden. 2
1 Ein ebensolches Schlangenmotiv findet sich bei einem Sessel aus
der Danhauser’schen Möbelfabrik. Vgl. Musterkatalog der
Danhauser'schen Möbelfabrik in Wien, Wien o.J M Modell Nr. 32.
Auf ein englisches Vorbild verweist Michael Huey, Peter Hubert
Desvignes und die Neo-Rokoko-Gestaltung des Stadtpalais
Liechtenstein 1837-1849, Wien 1999, 247, Abb. 186.
2 Zur Übergangszeit von 1856 bis 1861 vgl. Thillmann, Perfektes
Design Thonet Nr. 14, Bielefeld 2015, 37-44.