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Full text: Bugholz, vielschichtig : Thonet und das moderne Möbeldesign

Leichte Stühle 
Dieser Typ des sogenannten Schlangensessels 
war das leichteste Möbelstück, das Michael 
Thonet für das Palais Liechtenstein anfertigte. 
Wenn dieser Sessel auch nicht - wie verschie 
dentlich in der Forschungsliteratur zu lesen - 
mit einem Bleiband beschwert werden musste, 
damit er nicht bei der geringsten Berührung 
umstürzte, so zeigt der nachträglich und unge 
wöhnlich weit unten angebrachte Fußring, dass 
man glaubte, dieses äußerst grazile Möbel zu 
sätzlich stabilisieren zu müssen. 1 Zwar waren 
nicht alle später massiv gebogenen Stühle so 
leicht wie dieser, doch entwickelten sich die 
Bugholzmöbel von Thonet mehr und mehr zu 
einer Konkurrenz für die gleichfalls grazilen und 
eleganten italienischen Chiavari-Stühle. 2 Zur 
Reduzierung des Gewichts wurden diese vor 
wiegend aus regionalen Hölzern hergestellten 
Stühle mit einem Rohrsitz versehen und ihre 
Holzquerschnitte so weit wie möglich verklei 
nert. Trotz ihrer kostengünstigen Fabrikation - 
die Einzelteile wurden in bäuerlicher Heimarbeit 
gefertigt, zentral gesammelt und dann zusam 
mengebaut 3 - konnten die Chiavari-Stühle auf 
dem Markt nicht mit den zunehmend industriell 
produzierten Bugholzmöbeln mithalten. Beim 
Entwurf seines klassizistischen Laufsessels für 
die Ausstattung von Schloss Hernstein orien 
tierte sich der Architekt Theophil Hansen um 
1870 zwar noch an den leichten Chiavari-Stüh- 
len, doch ging es ihm nicht darum, das Ge 
wicht so weit wie möglich zu reduzieren: Sein 
Stuhl hat eine konventionelle Zarge, auf welche 
ein mit Wiener Geflecht versehenes, massives 
Sitzbrett aufgelegt ist. Bei den Chiavari Stühlen 
verwendete man für die Bespannung der Sitze 
ebenfalls Rohr, doch wurde dieses mit soge 
nannter Köperbindung um vier dünne seitliche 
Stäbe gelegt, um eine sehr leichte, aber den 
noch feste Sitzfläche zu bilden. 
1 „Wegen ihrer Leichtigkeit beschwerte man einige Stühle unter der 
vorderen Sitzkante mit einem eingeschraubten Bleiband." Alexander 
von Vegesack, Das Thonet Buch, München 1987, 38. Bei keinem 
der von uns untersuchten Sessel fand sich ein Bleiband o.ä. unter 
dem Sitz. 
2 Der Name dieser Stühle leitet sich von der italienischen Ortschaft 
Chiavari ab, die das Zentrum ihrer Herstellung war. Vgl. Franco 
Casoni / Jacopo Casoni, Le Sedie Leggere di Chiavari, Genua 
2011. 
3 Freundlicher Hinweis von Achim Werner. 
„Schlangensessel“ “Snake Chair” für for Palais Liechtenstein 
Entwurf Design: Peter Hubert Desvignes / Michael Thonet, Wien Vienna, 1844-49 
Ausführung Execution: Michael Thonet, Wien Vienna, 1844-58; Palisander, stab-/schicht- 
verleimt und massiv, geschnitzt, Geflecht Rosewood, rod bundles/laminated and solid, 
carved, cane; Fürstliche Sammlungen Princely Collections Liechtenstein 
„Chiavari“ Sessel Chair 
Entwurf und Ausführung Design and execution: Chiavari, Italien Italy, 1850-60 
Linde, Geflecht Linden, rush weave; MAK H 2267-3/1974 
Sessel für Schloss Hernstein Chair for Hernstein Palace 
Entwurf Design: Theophil Hansen, Wien Vienna, um ca. 1870 
Ausführung Execution: Heinrich Dübell, Wien Vienna, um ca. 1870; Buche, Ahorn, massiv 
und furniert, Geflecht Beech, maple, solid and veneered, cane; MAK H 2756-1/1984
	        
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