III.
(Nach K e m p n e r) A.
100 Teile eines
Gemenges aus Feldspat 50-80
Flußspat 20-50
verschmolzen mit: Soda 15-50
oder: Pottasche 30 - 65
und Sand 50 -100
IV.
(Nach Kempner) B.
100 Teile eines
Gemenges aus Feldspat 85 - 71
Flußspat 17-50
Schwerspat 12-40
verschmolzen mit: Soda 15-50
oder: Pottasche 20 - 65
und Sand 70 -120
VI.
Französische Vorschrift.
(Flußspat-Opalglas.)
Sand 100
Mennige 32-25
Pottasche 27-28
Flußspat 14-16
VII.
Englische Vorschrift.
Sand 188
Mennige 94
Pottasche 61
Kalisalpeter 11
Feldspat 29
Flußspat 29
V.
(Nach Knapp.)
Verschmelzen von norwegischem Feldspat
unter fortwährend erhöhtem Zusatz von Kalk,
es ergibt sich zuerst ein farbloses, glänzen
des, gutes Glas, bei mehr Kalk ein sehr schö
nes Opalglas, bei noch höherem Kalkgehalt
ein rein weißes Milchglas.
Die Kryolithgläser.
Das Mineral Kryolith (Eisstein), welches in seinen reinen Varietäten einem Stücke weißen Eises
sehr ähnlich sieht, war durch lange Zeit eine mineralogische Seltenheit, bis man in Grönland und
später auch in anderen Teilen von Nordamerika mächtige Lager dieses Minerales entdeckte. Sei
ner chemischen Beschaffenheit nach besteht der Kryolith aus einem Doppelfluoride: Aluminium
fluorid und Natriumfluorid. Diese Zusammensetzung ließ schon vermuten, daß sich dieses Mine
ral zur Fabrikation von Glas eignen werde, denn mit Kieselsäure verschmolzen mußte es ein To
nerdenatriumglas ergeben.
Die ersten Versuche, dieses Mineral in der angegebenen Weise zu verwenden, wurde in böhmi
schen Glashütten gemacht und fielen insofern befriedigend aus, als man mit dem Kryolithe und
Quarzsand ein eigentümliches weißes Glas erzielte. In den amerikanischen Glashütten, in welchen
man dem Kryolithe ebenfalls große Aufmerksamkeit zuwendete, wurden mit demselben auch
weiße Gläser erzielt, welche in ihrem Aussehen eine große Ähnlichkeit mit weißem Porzellan zeig
ten und deshalb von den amerikanischen Fabrikanten unter dem Namen „Heißgußporzellan“
(„Hot-cast China“) in den Handel gebracht wurde.
Wenn man Kryolith und Quarzsand zusammenschmilzt, so wird das in dem Minerale enthaltene
Fluor in Verbindung mit Silizium als Fluorsilizium ausgeschieden, welches beim Zusammentreffen
mit Wasserdampf Fluorwasserstoff bildet. Nachdem aber der Fluorwasserstoff eine Verbindung
ist, welche fast alle Körper ungemein heftig angreift und auch beim Einatmen höchst nachteilig
wirken kann, so zeigt die Fabrikation der Kryolithgläser insoferne eine Schattenseite, als bei der
selben die Schmelzgefäße und die Öfen stark angegriffen werden und sich die Arbeiter sehr hü
ten müssen, etwas von den sich entwickelnden Dämpfen einzuatmen. Es sei übrigens bemerkt,
daß die Arbeiter während der Entwickelung des Fluorwasserstoffes nichts mit dem Glase zu tun
haben, indem das Glas erst dann in Arbeit genommen werden kann, wenn diese Entwickelung
schon beendet ist.
Man erhält unmittelbar aus dem Kryolithe ein Glas, wenn man einen Gewichtsteil desselben mit
zwei Gewichtsteilen Quarzsand zusammenschmilzt. Es ergibt sich hierbei ein Glas, welches,
wenn es rasch abgekühlt wird, vollkommen farblos und durchsichtig aussieht; läßt man hingegen
das Glas langsam auskühlen, so trübt es sich immer mehr und mehr und bildet dann eine voll
kommen weiße Masse.
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