architektonifche Moment. Die Mythe, die der Menfcb um alte
Bäume oder um freie Kultftätten dichtet, wird Bauform. Das
Geheimnis der Quelle der Hrethufa in Syrakus ift durch das
Mauerwerk um die Quelle lokalifiert, Böcklin errichtet um die
Bäume und das Standbild des Herakles ein prachtvolles Gemäuer,
das die Heiligkeit des Ortes ausdrücken foll; im heiligen Hain
oder im Gang nach dem Bacchustempel bewegt fich die myftifcbe
Handlung in den ftrengen Linien einer idealen vorfchwebenden
Architektur, und im allgemeinen deutet jedes Naturfeft, jeder
feierliche Umzug von Menfchen und jeder Reigen einen unkörper»
liehen Grundriß an. Huch in Maeterlincks myftifchen Spielen
find die imaginären Linien von künftigen Werken der fchönen
Hausbau* und Gartenkunft enthalten, die ficherlich einmal in
körperlicher Sichtbarkeit erftehen werden. Nicht die organifche
Einheit des Gartens mit dem Hausbau allein macht es aus; was
entfeheidet, ift vielmehr das autokratifche Walten des künftlerifchen
Geiftes mit den Naturelementen, denen er Form geben will.
Der Gedanke ift, daß in keinem Teile des Gartens das Gefühl
der architektonifchen Einheit fchwinden foll. Treppen, Fontänen,
plaftifche Gruppen geben eine immerwährende Orientierung.
Nicht nur daß Hecken und Bäume gefchnitten als Wände und
Hrcbitekturformen erfcheinen, fie eröffnen ftets die Perfpektive
auf einen fpezififchen Hrchitekturteil, der nicht vergeffen läßt, daß
der Garten ein Kunftgebilde ift. Die Barodezeit tat fich darauf
Unendliches zugute. Sie ftellte Plaftiken in langen Reihen auf,
aber die Plaftiken batten, abgefeben von ihrer allegorifcben Be
deutung, die dem Zeitgeift entfpracb, eine architektonifche Funk
tion. Sie waren fkulptierte Architektur. Sie taten als weiße
Stützpunkte für das Auge ihre Schuldigkeit, indem fie die raum-
künftlerifche Zufammenfaffung berftellten. Es hätte eine kaum
geringere Gefamtwirkung ergeben, wenn die Plaftiken durdi
andere tektonifche Elemente vertreten wären, durch weiße Pfeiler,
weiße Bänke neben den regelmäßig gezogenen, weißbekieften
Wegen, die auch eine künftlerifche Aufgabe nebft ihrer prak-
tifchen Beftimmung zu erfüllen haben. Konftantin Somoff, der
feine Nachempfinder des hochkultivierten 18. Jahrhunderts, bat
diefes Gefühl gehabt. Die weißen Bänke in feinen Gartenbildern
wirken als Träger des Architekturgedankens. Untere Zeit bat
keinen folcben Reichtum an plaftifchen Allegorien und Ornamenten
aufzuweifen, wie das Barock, fie empfindet anders und ift nicht
in der Lage, mit folchen Requifiten, die einft aus leichtem künft-
lerifcben Schaffen hervorgingen, Gartenarchitekturen zu bilden.
Das Sacblicbkeitsmoment fteht im Vordergrund, und die Ent-
Wicklung der Gartenkunft wird das tektonifche Prinzip klarer
betonen. Aber die Verpflichtung wird für den Gartenkünftler
niemals aufbören, auch mit den fachlichen Mitteln diebterifeb zu
verfahren. D
DIE PLASTISCHEN UND MALERISCHEN ELEMENTE DES
GARTENS. Aber die Architektur ift auch im Garten eine bloß
räumlihe Abftraktion, die auf die Mitwirkung der anderen
Künfte angewiefen ift. Pflanzenwucbs, die Blumen mit ihren
Farben, Waffer, Stein, Erde, find Material, die ihr künftlerifhes
Leben durch die formalen Ideen empfangen, deren Verkörperung
fie dienen. Die Arhitektur bat die Aufgabe, auch im Garten
alle künftlerifchen Elemente auf das Befte und Wirkungsvollfte
anzuwenden. Sie ftellt die räumlihe Beziehung zwifhen den
körperlihen Größen, als Plaftiken, Ruhebänken, Wafferfpielen,
gefhnittenen Vegetationsformen einerfeits und den Flähen-
größen, als Raten, Blumenbeeten, Wafferfpiegeln andererfeits her.
Die Gartenkunft wird ihren Triumph darin fuhen, auf fahlihe
Weife und mit den einfahften Mitteln eine künftlerifhe Auf-
faffung mahtvoll zu geftalten; aber fie bringt die Forderung
mit, daß die plaftifhen Werke, mit denen fie einen garten-
arhitektonifhen Zufammenbang febafft, einwandfreie Kunftwerke