Falle 50000 Pferdeftärken wurde gegenüber Donat angelet)! und hier
nach die Senkungshöhe des Sees bemeffen. Huf diele Art ift die
ominöle Senkungshöhe von 16 Meter entftanden. D
Durch Anlage von Taltperren entftehen Seen, und unter Umftänden
können dadurch ganze Talgebiete verlcbönert werden, und wenn hier
bei, wie die Denklcbrift verfichert, ganze Ortlcbaften vom Erdboden
»verlcbwinden«, lo fragt es fich nur, wo dies der Fall ift. Was, wie ich
zugebe, in anderen, von der Natur weniger begünftigten Gegenden
bei armen Gebirgsdörfem gerechtfertigt oder entfchuldigt werden mag,
könnte im bayerilchen Hochland mit feinen behäbigen, reizenden Ge
birgsdörfem in der großartigen Alpennatur zum reinen Vandalismus
werden. a
Talfperren zum Zwecke der Kraftgewinnung könnten überdies im
bayerilchen Hochland in genügender Zahl angelegt werden, ohne
zu diefem radikalen Mittel der Verfemung von Wohnftätten greifen zu
müffen. Daß aber ein See vom Range des Walcbenfees mit 16 Meter
Senkung zur Talfperre degradiert werden follte, ohne im minderten
an den Zwecken für »Wafferverforgung, Landeskultur und Hochwaffer-
fchut)« beteiligt zu fein, blieb dem Verfaffer der Denkfcbrift und der
Staatsbehörde Vorbehalten. D
Das verunglücktefte Beifpiel aber, welches die Denkfchrift anführt,
um ihre radikalen Grundlage zu rechtfertigen und verdauungsfähig
zu machen, ift die große Staufeeanlage von Affuan in Ägypten. Was
dort der hervorragende, aber erbarmungs- und rüde lieb tslos die Zwecke
feiner finanziellen Maßnahmen verfolgende Lord Cromer, der Sproffe
einer durch mehrere Generationen in London angefeffenen deutfehen
Bankiersfamilie, den armen, unter die englifche Herrfchaft gezwungenen
Fellachen zumuten darf, ift auf untere bayerifche Bevölkerung glück-
licherweife nicht anwendbar. Und mag Lord Cromer feine Zwecke er
reichen, fo ift und bleibt die Unterwafferfet)ung eines uralten Kultur
denkmales ein Akt des Vandalismus allererften Ranges. In feinem
Heimatlande Großbritannien, welches nach der Denkfchrift überhaupt
keine Talfperren bisher kennt, würde Lord Cromer ein folches fkrupel-
lofes Vorgehen wohlweislich unterlaffen. D
In Bayern, dem Lande, welches heute noch im deutfehen Volke den
wohlverdienten Ruf genießt, der fiebere Hort der Pflege alles Schönen
und Idealen im Leben zu fein, das im beneidenswerten Befit) der Natur-
febönbeiten von herrlicher Majeftät ift, follte mit den Vorfchlägen für
Kraftgewinnung nicht im Sinne der Denkfcbrift fo radikal und einfeitig
vorgegangen werden. Die neuzeitigen, und wie ich ausdrücklich an
erkenne und bervorbeben möchte, notwendigen Projekte zur Kraftge-
gewinnung, tollten nur aus der Diagonale des Parallelogramms der
Kräfte, hie Kraftgewinnung, hie möglicbfte Schonung und Erhaltung
der Naturfchönheiten refultieren. Daß diefen vermittelnden, unerläß
lichen Standpunkt auch eine fachmännifcbe Autorität erften Ranges,
welche fich in ihrem Beruf ein gut Teil idealer Lebensanfchauung bin-
übergerettet zu haben fcheint, einnimmt, beweift das Projekt von Ober
baurat Schmick in Darmftadt, welches einen vermittelnden akzeptablen
Standpunkt einnimmt, den Walcbenfee erhalten wiffen will und nur
die Ifar ohne Riß in Anfprucb nimmt. 20000 Pferdeftärken, welche das
Schmickfcbe Projekt gewinnt, find doch eine bedeutende Ziffer, welche der
Walcbenfee liefert; ift es denn gerechtfertigt, aus ihm 50000 Pferdeftärken
förmlich berauszufchinden, indem er auf drei Vierteljahre im Turnus
ruiniert wird? D
Von einem Verkebrsparoxismus augenblicklich befallen, fcheint fich
der Blick des Volkes und der maßgebenden Faktoren im Lande wie
bypnotifiert auf die enormen Zahlen der vorgezauberten goldenen,
immer aber noch fehr problematifcben Berge zu richten. □
BREMER MEISTERKURSE IN EINHEIMISCHER
BAUWEISE
veranftaltet die Gewerbekammer Bremen unter Mitwirkung des Ver
eins für niederfäcbfifches Volkstum. Dem niederen Bauhandwerk vor
wärts zu helfen, fcheint diele der perfönlicben Initiative der treibenden
künftlerifcben Kräfte in Bremen entfprungene Einrichtung fehr ge
eignet. Direktor HÖGG vom Gewerbemufeum, Architekt WAGNER und
D R - SCHÄFER haben fich in diefer Aufgabe vereinigt. Der erfte Kurfus
folt im Frühjahr 1908 abgebalten werden und umfaßt acht Wochen.
DER BERLINER WHLDSCHUTZVEREIN
batte im Januar eine Verfammlung alter Intereffenten an der Erhal
tung des Waldes in der Umgebung von Berlin einberufen. Auf Einzel
heiten diefer Verfammlung, auf die Referate über die klimatifebe und
bygienifebe Bedeutung der Wälder fowie über deren botanifebe, zoolo-
gifebe und geologifche Wichtigkeit einzugeben, erfcheint überflüffig; die
Kreife der »Hoben Warte« mögen fich von der Förderung, welche diefer
wichtige Verein von feiten der Öffentlichkeit erfährt, einen Begriff
machen, wenn ich mitteile, daß die Stadt Berlin hundert Mark im
Jahre beifteuert, während die Vororte Weftend, Cbarlottenburg und
Wilmersdorf überhaupt keine Beihilfe leiften. Nur der Forftbeamte in
Oberfchöneweide bat kräftig mitgewirkt, indem er 1000 Ortsarmentage
für die Zwecke des Vereines zur Verfügung ftellte. Man follte doch
glauben, daß die Reicbsbauptftadt für einen fie felbft derart interef-
fierenden Verband größere Mittel übrig hat! Mit der Entfendung von
Vertretern in eine Verfammlung ift eben noch nicht alles getan, was
gefcheben kann und folt. Oder zieht fie es vor, moderne Beftrebungen,
die auf das allgemeine Wohl abzielen, fpekutationsluftigen Unter
nehmern naebzufetjen? Wir wünfehen dem Waldfchut)verein einen guten
Erfolg mit feiner Denkfchrift an den Landtag, der Stadt Berlin jedoch,
an das Beifpiel des Wiener Wald- und Wiefengürtels zu denken, w.s.
MITTEILUNGEN
MITTEILUNGEN DES BUNDES
DEUTSCHER ARCHITEKTEN
D en Mitgliedern des Bundes, befonders den Orts-
gruppenvorftänden, zeige ich hierdurch an, daß
fich der Bund Deutfcher Architekten zur freiwilligen
Hilfeleiftung bei der Durchführung der Maßnahmen
gegen die bauliche Verunftaltung von Stadt und Land, Gefet) vom
15. Juli 1907, den hohen Behörden unter gleichzeitiger Einreichung der
Bundesfatyung und der Mitgliederlifte angeboten hat. Ich bitte die
Mitglieder, falls fie zur Mitarbeit als Sacbverftändige aufgefordert
werden, um bereitwillige, tatkräftige Unterftüt)ung der Beftrebungen
der hohen Behörden. MARTIN DÜLFER, VORSITZENDER
•1903-
BUNDH51
DEUTSCHER
ARCHITEKTEN
BDH
ORTSGRUPPE BERLIN DES BUNDES DEUT
SCHER ARCHITEKTEN
Auf der Generalverfammlung der hiefigen Ortsgruppe wurden auf
die Dauer von zwei Jahren gewählt:
Zum 1. Vorfreuden: Profeffor Dr. ing. BRUNO SCHMITZ.
„ ftellvertr. 1. Vorfit)enden: Prof. Dr. phil. FRIEDRICH SEESSELBERG.
„ Schriftführer und Kaffierer: Architekt OTTO MICHAELSEN.
ftellvertr. Schriftführer: Architekt OTTO LIESHEIM. D
R. Voigtländer 5 Verlag, Leipzig □ Druck von Otto Regel, Leipzig
Für die Redaktion: Jofepb Aug. Lux, Dresden-Blafewit)
□ Gefcbäftsftelle für Öfterreicb: □
Buchhandlung Carl von Hölzl, Wien 1/1, Opemgaffe 2
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