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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Oberösterreich und Salzburg

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Nach  den  Sechswochen,  ja  nicht  früher,  wird  die  Wöchnerin  kirchlich  „hervorgesegnet". ­
  Auf  den  Weg  zur  Kirche  nimmt  sie  etwa  ein  Semmelzipflein,  das  sie  mit  Muttermilch ­
  befeuchtet  hat,  zu  sich.  Wer  ihr  zuerst  begegnet,  ruft:  „'s  Zipfl  her!",  „'s  Zipfl  her!".
Je  nach  dem  Geschlechte  des  Rufenden  wird  das  nächste  Kind  ein  Knabe  oder  ein  Mädchen
siül.  —  Meint  man  daheim,  die  Mutter  werde  bald  nach  Hause  kommen,  so  verbirgt  man
das  Kind  in  einem  nahen  Haselbusch  und  die  Mutter  muß  es  suchen.
Innerhalb  der  folgenden  sechs  Wochen  stattet  die  Mutter  bei  den  Gevattcrslenten
persönlich  ihren  Dank  ab  und  ladet  dieselben  zum  eigentlichen  „Weiset",  das  ist  zu  einer
Mahlzeit  ein.  Auch  hierbei  setzt  es  wieder  Gaben  und  Gegengaben  ab.
Von  nun  an  suchen  Eltern  und  Kinder  die  „Göd'nleute"  jährlich  regelmäßig  auf
und  der  kleine  „Göd"  und  die  kleine  „Godl"  erhält  dabei  zuverlässig  am  Ostermontag
die  „God'neier"  und  zu  Allerheiligen  den  „Heiligenstritzel",  an  manchen  Orten  auch  noch
zu  Neujahr  einen  „Wecken"  und  Lebkuchen.  —  Ist  aber  das  „God'nkind"  sechs  Jahre  alt
geworden,  so  erhält  es  das  „mittlere  G'wand'l",  und  hat  es  endlich  das  zwölfte  Jahr
zurückgelegt,  bekommt  es  seine  „Abfertigung",  beides  in  einigen  Kleidungsstücken  bestehend.
Bei  der  Abfertigung  ist  immer  ein  größeres  Hemd  mit  inbegriffen,  bestimmt  zum  Todtenhemd
  des  God'nkindes.
Damit  enden  die  Gaben,  welche  die  „Göd'nleute"  ihren  „Göd'nkindern"  verabfolgen,
aber  ein  pietätvolles  Verhaltniß  zwischen  ihnen,  ähnlich  dem  zwischen  Eltern  und  Kindern,
bleibt  fortbestehen.  Fast  dieselben  Beziehungen  entstehen  zwischen  „Firmgöd'n"  und
„Firmgodeln"  und  deren  Pathen.
Jährlich  kommt  zu  den  Kindern  der  heilige  Nikolaus,  bald  zur  Freude,  bald  zum
Schrecken,  bald  lohnend,  bald  strafend.  Am  feierlichsten  hält  er  seinen  Umzug  in  der
Gegend  vvn  Windischgarsten.  Am  Vorabend  des  Nikolaustages  (6.  Teeember),  wenn  es
bereits  ganz  finster  geworden  ist,  kommt  es  an  das  Haus  heran.  Alan  hört  vor  der  Thüre
Kettenklirren  und  Schellenklingen.  Drei  laute  Schläge  an  die  Thüre,  und  hereinkommt  ein
Zug  seltsamer  Gestalten.  Voran  schreitet,  die  Insul  auf  dem  Haupte,  angethan  mit  Chorhemd ­
  und  Vespcrmantel,  den  Bischofsstab  in  der  Hand,  der  Niklaherr,  der  Allwissende,
den:  sein  kleiner  Finger  Alles  offenbart.  Ihn  begleitet,  mit  allerlei  Flitter  behängen,  die
Nikläsrau,  freundlich  und  hold,  die  Mädchen  zu  fleißiger  Handarbeit  mahnend.  Hinter  dem
Nikläherrn  und  der  Niklasran  kommt  deren  Gefolge  mit  Gaben  für  die  guten,  aber  auch
mit  Birkenreisern  für  die  bösen  Kinder  beladen.  Die  letzteren  bedroht  der  Krampus,  eine
Schreckgestalt  mit  Hörnern  aus  dem  Kopse  und  mit  heraushängender  rother  Zunge,  in
dichten  Pelz  vermummt  und  mit  rasselnder  Kette.  In  deren  Gerassel  mischt  sich  das
Meckern  der  Habergeiß,  einer  weißnmhüllten  Gestalt,  die  bald,  grausig  genug,  ihren  langen
Hals  hoch  emporreckt,  bald  in  sich  selbst  zu  versinken  scheint.
            
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