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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Oberösterreich und Salzburg

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ein  Hemd  und  ein  Halstuch  für  den  Bräutigam  liegen  hat.  Ist  der  übersiedelnde  Theil
der  Bräutigam,  so  hat  er  im  Korbe  verschiedene  Tüchel  für  die  Dienstleute  in  seiner
neuen  Heimat.
So  setzt  sich  der  Zug  unter  Büchsen-  und  Peitschenknall  in  Bewegung,  im  Mühlviertel ­
  auch  von  Musik  begleitet.  Aus  den  Häusern  herbeieilende  Zuschauer  ziehen  vor  dem
Zuge  eine  Schnur  oder  eine  Stange  quer  über  den  Weg  oder  schließen  ein  offenstehendes
Gitterthor  vor  demselben  zu,  als  wollten  sie  ihn  aufhalten,  und  Braut  oder  Bräutigam
muß  für  Gewährung  der  Weiterfahrt  eine  kleine  Gabe  reichen.  Im  Mühlviertel  wird  der
Weg  manchmal  förmlich  verbarricadirt.  Dort  sucht  man  auch  in  den  Häusern,  an  denen
der  Zug  vorbeigeht,  irgend  etwas  zu  erhaschen,  was  man  dann  der  Braut  gleichsam  für
ihren  Hansrath  bringt.  Besonders  ist  es  auf  eine  Wiege  abgesehen,  wenn  nicht  ohnehin
schon  eine  solche  unter  den  Brautgütern  sich  befindet,  oder  auf  Hühner.  Kann  man  eine
Henne  erwischen,  so  wird  sie  in  einen  bereitgehaltenen  Sack  gesteckt,  und  so  vieler  man
deren  auch  habhaft  wird,  sie  folgen  alle  der  ersten  in  die  Tiefe  des  Sackes.
Führt  der  Weg  an  einem  Wirthshause  vorüber,  so  Pflegt  man  dort  etwas  Halt  zu
machen;  die  Wirthe  sehen  es  nicht  gerne,  wenn  man  so  ohne  Gruß  bei  ihnen  vorbeiführt.
Kommt  der  Zug  endlich  bei  dem  Hochzeitshause  an,  so  findet  man  dasselbe  versperrt.
Nichts  rührt  sich  in  demselben,  es  ist  wie  ausgestorben.  Man  muß  sich  erst  anmelden  und
sagen,  daß  man  etwas  hergebracht  habe.  Erst  dann  öffnen  sich  den  übrigens  sehnsüchtig
Erwarteten  die  Thvre;  die  Siebensachen  werden  in  das  Haus  geschafft  und  darauf  ein
Mahl  gehalten,  dem  wohl  auch  ein  Tänzchen  folgt,  —  oft  bis  tief  in  die  Nacht  hinein.
Das  Salzkammergut  kennt  noch  einen  anderen  Brauch,  der  der  Hochzeit  vorhergeht.
Tritt  ein  Holzarbeiter  in  den  Ehestand,  so  wird  er  von  seinen  Kameraden  am  Samstag-Feierabend
  vor  seinem  „Ehrentag"  gekreuziget.  Zieht  man  vom  Arbeitsplatz  nach  einer
Woche  voll  Mühe  und  Arbeit  heim  zu  Weib  und  Kind,  um  mit  ihnen  Sonntag  zu  halten,
so  wird  deni  Ehemann  in  8po  ein  aus  Stangen  zusammengefügtes  Kreuz,  ein  Symbol  des
anzuhoffenden  Ehekreuzes,  auf  die  Schulter  gelegt,  daß  er  es  mit  Heimschleppe,  wobei  es
an  Riemen-  und  Peitschenhieben  nicht  fehlt.  Geht  der  Weg  an  einem  Wirthshause  vorbei,
so  kann  sich  der  kreuztragende  Bräutigam  gegen  Bezahlung  „eines  Trunkes"  von  dem
Kreuze  loskaufen,  —  könnte  er  es  nur  oft  auch  von  dem  nachfolgenden  Ehekreuze!
Indem  wir  nun  an  allem  Hochzeits-Ceremoniel,  wie  es  im  „Landl"  Brauch  ist,  und
an  aller  damit  verbundenen  volksthümlichen  Etikette  Vorbeigehen,  können  wir  doch  nicht
auch  das  Gleiche  von  der  Nachhochzeit  thun.
Am  Tage  nach  der  Hochzeit  treffen  wir  die  neuen  Eheleute  und  deren  Hochzeitsgäste
abermals  beisammen.  Schon  am  Vormittag  ziehen  die  Burschen,  abenteuerlich  gekleidet,
umher,  necken  Jung  und  Alt  und  setzen  besonders  die  weibliche  Jugend  in  Schrecken.
            
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