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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Oberösterreich und Salzburg

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Das unterste Fähnchen hat deren am wenigsten, je weiter nach oben, desto reicher sind sie 
bedacht, aber das Nonplusultra ist der Wipfel. So steht der Baum auf dem Platze vor 
dem Wirthshause schon am Sonntagmorgen. 
Ist der Nachmittag gekommen und der „Segen" in der Kirche, in der sich heute 
ungewöhnlich viele Andächtige eingefunden haben, aus, so versammeln sich alle Leute ans 
der Pfarre und der Nachbarschaft um den Kletterbaum. 
Mittlerweile haben sich auch jene eingefnnden, welche den Versuch machen wollen, 
sich eines von den lockenden „Besten" herabzuholen. Es sind lauter junge Bürschchen von 
fünfzehn oder sechzehn Jahren, die sich jetzt im Dienst bei verschiedenen Bauern befinden, 
frisch und gesund und wohl auch schon keck genug, einen verwegenen Streich auszuführen. 
Sie haben sich aller unnöthigen Kleider entledigt, nur Hemd und Hose haben sie an. Auch 
die genagelten Schuhe haben sie ablegen müssen, denn diese würden ihnen das Klettern zu 
sehr erleichtern. Jeder hat aber ein Säckchen mit Asche um den Leib gebunden, um beim 
Klettern den allzu glatten Baum damit zu bestreuen. Nun macht einer von ihnen den 
ersten Versuch. Fest klemmt er den Baum zwischen die Schenkel und hebt mit der Kraft 
der Arme den Körper an demselben empor, während er zugleich fleißig von der mit 
genommenen Asche Gebrauch macht, aber er kommt nicht weit; vier bis fünf Meter hoch hat 
er sich hinaufgearbeitet; jetzt geht es nicht mehr; der Baum ist allzu glatt, — im Nu 
ist er unten, empfangen vom schallenden Gelächter aller Anwesenden. Ein Zweiter, ein 
Dritter macht den Versuch. Höher und höher klimmen sie am Stamme empor; aber keiner 
vermag es, auch nur das unterste Fähnchen zu erreichen; immer rutschen sie, noch ehe sie 
am Ziele sind, wieder urplötzlich herab. Aber jetzt der Vierte ringt sich rasch empor; schon 
hat er die halbe Höhe des Baumes unter sich; laute Zurufe ermuthigen den kühnen Steiger, 
da — zerreißt ein Hosenträger. Doch das hindert ihn nicht; rasch nestelt er denselben los 
und wirft ihn auf das laut lachende Publicum hinab. Vorwärts arbeitet er wieder; schon 
ist er nur mehr ein Meter von den Fähnchen; da — zerreißt auch der zweite Hosenträger, 
er muß den Versuch aufgeben und das Lachen und Spotten der Zuschauer statt des 
„Bestes" hinnehmen. Rasch verschwindet er aus der Menge. Dem Fünften gelingt es 
endlich, das erste Fähnchen zu erreichen; mit raschem Griff hat er es losgemacht; schon 
streckt er die Hand nach dem zweiten; da verlassen ihn die Kräfte; er muß sich mit dem 
einen Fähnchen begnügen und am Stamme herunterfahren. Lauter Beifall begrüßt ihn. 
Dieser Erfolg steigert den Eifer der übrigen Kletterer zu unaufhaltbarem Feuer an; sie 
holen das zweite, dritte und vierte Fähnchen herab. 
Aber noch ist das Hanptbeste, der Wipfel, oben am Baum; die Kräfte der meisten 
Kletterer sind derartig erschöpft, daß sie sich gegenseitig kleinlaut anblicken. Auch ist der 
Baum dort oben so dünn, daß er bedenklich hin und herschwankt, wenn einer sich dem
	        
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