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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Oberösterreich und Salzburg

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geben, oder sie mischen von diesem Than unter die Hexensalbe. Wer vor Sonnenaufgang 
ungekreuzt und ungewaschen, mit einem Schuh, ohne ein Wort zu sprechen, auf's Feld 
geht, kann die Hexen bei ihrer Beschäftigung sehen. Redet man sie dabei an, so ist ihre 
Macht gebrochen. 
Noch besteht der Glaube, daß es Leute gebe, die allerlei Zauberkünste wissen und 
verstehen. Sie „bannen" den Dieb und den Fuhrmann, daß sie nicht mehr von der 
Stelle können, oder sie zwingen durch ihren Bannspruch den Dieb, die gestohlenen Sachen 
wieder zur Stelle zu bringen. Sie „wenden" die Krankheiten mit allerlei Ceremonien und 
Sprüchen, z. B. man wische gegen die Finger und Zehen hinaus und spreche dazu dreimal: 
„Schwund, Gicht und Gall, geh' weg von mein' Fleisch und Bluet, von mein' Mark und 
Bein und geh' auf einen harten Kieselstein". 
Man kannte „Segen", das sind Zauberformeln für schwere Geburten, für Feuers 
gefahr, für Hagel und Gewitter. Auch ließ man über das Vieh alljährlich den Haltersegen 
sprechen, den das Jesuskind selbst den Hirten gab, als sie kamen, um es anzubeten. Ein 
fremder Hirte ging von Haus zu Haus und sagte, wenn man ihn gewähren ließ, überall 
folgenden Spruch: 
„Glück herein und Unglück hinaus! 
Es ist ein fremder Halter im Haus. 
Im Namen Jesu tritt ich herein: 
Gott behüt' eure Rinder und Schwein'; 
Und alles, was ihr habt in Hans und Hof, 
Das soll gesegnet sein 
Als wie der heilig' Kelch und Wein 
Und das wahre Himmelsbrod, 
Das Jesus Christus aufgewandelt hat. 
Treibt euer Vieh durch Haus und Gart'n, 
Da kömmt Sanct Peter mit dem Himmels 
schlüssel, 
Sperrt den Thieren ihren Rüssel, 
Dem Fuchs, dem Luchs ihren Mund 
Und dem Wolf seinen Schlung 
Ans das ganze Jahr u. s. w. 
Keckes Wagen, frohe Laune, frommer Sinn kennzeichnen des Oberösterreichers 
weltliche und kirchliche Feste, einen reichen Schatz von altheiduischen Überlieferungen, 
Glauben und Meinungen birgt hierzulande noch unbewußt die Volksseele in stiller Tiefe 
und zeigt ihn ab und zu bei allerlei Bräuchen und Meinungen; man hat es aber nicht 
gerne, wenn jemand mit rauher Hand daran deutelt und rüttelt und krittelt. 
Der Oberösterreicher versteht und liebt die Arbeit. Wie viel Schweiß steckt in den 
wogenden Weizenfeldern des Inn- und Donauthales! Doppelt soviel kostet aber erst das 
mühsam bestellte Haferfeld des Mühlviertlers! 
Vom Donanstrand bis zum Gipfel des hohen Priel und hinein in die Schluchten 
des „todten Gebirges" und hinauf bis zum „Karls-Eisfeld" am Dachstein — überall Arbeit. 
In den Granitbrüchen des Mühlviertels, in den Bergwerken am Hausruck, in Ischl und 
Hallstatt, in den Sudhäusern zu Ebensee, in den Hammerwerken und Fabriken an der
	        
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