leben, mit dem er als Seelsorger wohl vertraut war. Diese Gedichte, überquellend von
Humor, haben seinerzeit dem jungen Dichter rasch allgemeine Beliebtheit verschafft. Bald
trat jedoch Purschka aus diesem allzu engen Rahmen heraus und zog das ganze Dorf, die
ganze Gemeinde in den Bereich seiner Beobachtung. Seine zahlreichen Bilder aus dem
Dorfleben sind mit behaglicher Breite ausgeführt und man rühmt an ihnen mit Recht
neben der Porträtähnlichkeit der Gestalten die edle Gesinnung, die aus jeder Zeile
spricht, so daß seine Dichtungen einen wohlthuenden Gegensatz bilden zu gewissen einseitigen
Schilderungen des Banernlebens, die zur Belustigung eines städtischen Publicums am
Bauer nur Rohheit und tölpelhafte Bornirtheit zeigen. Doch ist Purschka nicht blind
gegen die Schwächen des Bauers; er sieht sie und verschweigt sie auch nicht, aber sein
versöhnliches Gemüth kennt keine Bitterkeit, seine Weltanschauung ist durch reiche
Erfahrung abgeklärt, nichts, was menschlich ist, scheint ihm fremd oder unbegreiflich; findet
er aber schon einmal, daß das Thun und Denken seiner Helden an die Grenze des ethisch
Erlaubten streife, so weiß er mit feinem Humor seinen Geschichten eine solche Wendung zu
geben, daß wir uns zum Schluß mit seinem Helden aussöhnen. In der Handhabung der
Form mag vielleicht Purschka seines Gleichen haben, im Bau der singbaren Strophe wird
er gewiß von Zöhrer übertroffen, doch ist außer ihm keiner von allen den zahlreichen
Dialectdichtern ini Besitz der Wünschelrnthe, welche die Macht verleiht, unter allen
Ilmständen auch beim Bauer die Goldkörner edler Menschlichkeit zu entdecken, und wenn
überhaupt Dialectdichtung auf die breite Masse berechnet sein kann, so sind Pnrschkas
Dichtungen in erster Linie geeignet, ein Laienbrevier für das Volk abzugeben.
Eduard Zöhrer (1810 bis 1885) ist mit Purschka geistesverwandt, so verschieden auch
ihre Stilart sein mag. Er liebt knappe Darstellung, und da er ein Meister der Reimknnst
ist, da ihm überdies eine zarte Empfindung und hohe musikalische Begabung eigen sind,
so gelingt ihm das kleine singbare Lied wie kaum Einem; ab und zu kann er bei allem
Wohlwollen für seine Sujets auch bitter werden. Zöhrer hat viele seiner Lieder alten
Volksweisen angepaßt, zu anderen hat er volksmüßige Weisen selbst erfunden. Er pflegte
überdies eine besondere Gattung; er lieferte nämlich zu der Sammlung volksthümlicher
Weihnachtslieder, die Sigmund Fellöcker seit 1880 unter dem Titel „Kripplgsängl und
Kripplspiel" herausgibt, bis zu seinem Lebensende unermüdlich Beiträge.
Das obere Mühlviertel, das sowohl geographisch als auch ethnographisch eine
Individualität für sich bildet, hat in Cajetan Koglgruber (geboren 1817) und Norbert
Hanrieder (geboren 1842) seine zwei besonderen Dichter. Koglgruber ist ein anmuthiger
Erzähler und versteht es, in knappen Reimen eine gesunde Lebensweisheit vorzutragen.
Hanrieder hat ein besonders warmes Herz für das Volk, dem er entstammt. In seinen
Mußestunden dichtet er „Mühlviertler Maarl" (Märchen), Cultnr- und Landschaftsbilder