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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Oberösterreich und Salzburg

leben, mit dem er als Seelsorger wohl vertraut war. Diese Gedichte, überquellend von 
Humor, haben seinerzeit dem jungen Dichter rasch allgemeine Beliebtheit verschafft. Bald 
trat jedoch Purschka aus diesem allzu engen Rahmen heraus und zog das ganze Dorf, die 
ganze Gemeinde in den Bereich seiner Beobachtung. Seine zahlreichen Bilder aus dem 
Dorfleben sind mit behaglicher Breite ausgeführt und man rühmt an ihnen mit Recht 
neben der Porträtähnlichkeit der Gestalten die edle Gesinnung, die aus jeder Zeile 
spricht, so daß seine Dichtungen einen wohlthuenden Gegensatz bilden zu gewissen einseitigen 
Schilderungen des Banernlebens, die zur Belustigung eines städtischen Publicums am 
Bauer nur Rohheit und tölpelhafte Bornirtheit zeigen. Doch ist Purschka nicht blind 
gegen die Schwächen des Bauers; er sieht sie und verschweigt sie auch nicht, aber sein 
versöhnliches Gemüth kennt keine Bitterkeit, seine Weltanschauung ist durch reiche 
Erfahrung abgeklärt, nichts, was menschlich ist, scheint ihm fremd oder unbegreiflich; findet 
er aber schon einmal, daß das Thun und Denken seiner Helden an die Grenze des ethisch 
Erlaubten streife, so weiß er mit feinem Humor seinen Geschichten eine solche Wendung zu 
geben, daß wir uns zum Schluß mit seinem Helden aussöhnen. In der Handhabung der 
Form mag vielleicht Purschka seines Gleichen haben, im Bau der singbaren Strophe wird 
er gewiß von Zöhrer übertroffen, doch ist außer ihm keiner von allen den zahlreichen 
Dialectdichtern ini Besitz der Wünschelrnthe, welche die Macht verleiht, unter allen 
Ilmständen auch beim Bauer die Goldkörner edler Menschlichkeit zu entdecken, und wenn 
überhaupt Dialectdichtung auf die breite Masse berechnet sein kann, so sind Pnrschkas 
Dichtungen in erster Linie geeignet, ein Laienbrevier für das Volk abzugeben. 
Eduard Zöhrer (1810 bis 1885) ist mit Purschka geistesverwandt, so verschieden auch 
ihre Stilart sein mag. Er liebt knappe Darstellung, und da er ein Meister der Reimknnst 
ist, da ihm überdies eine zarte Empfindung und hohe musikalische Begabung eigen sind, 
so gelingt ihm das kleine singbare Lied wie kaum Einem; ab und zu kann er bei allem 
Wohlwollen für seine Sujets auch bitter werden. Zöhrer hat viele seiner Lieder alten 
Volksweisen angepaßt, zu anderen hat er volksmüßige Weisen selbst erfunden. Er pflegte 
überdies eine besondere Gattung; er lieferte nämlich zu der Sammlung volksthümlicher 
Weihnachtslieder, die Sigmund Fellöcker seit 1880 unter dem Titel „Kripplgsängl und 
Kripplspiel" herausgibt, bis zu seinem Lebensende unermüdlich Beiträge. 
Das obere Mühlviertel, das sowohl geographisch als auch ethnographisch eine 
Individualität für sich bildet, hat in Cajetan Koglgruber (geboren 1817) und Norbert 
Hanrieder (geboren 1842) seine zwei besonderen Dichter. Koglgruber ist ein anmuthiger 
Erzähler und versteht es, in knappen Reimen eine gesunde Lebensweisheit vorzutragen. 
Hanrieder hat ein besonders warmes Herz für das Volk, dem er entstammt. In seinen 
Mußestunden dichtet er „Mühlviertler Maarl" (Märchen), Cultnr- und Landschaftsbilder
	        
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