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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Oberösterreich und Salzburg

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Zähren.

Neben  dem  erotischen  Schnadahüpfl  kommt  auch,  obwohl  seltener,  das  mehrstrophige
Liebeslied  vor.  Die  rauhe  Hand  des  Schicksals  hat  die  Liebenden  für  immer  getrennt;  die
Geliebte  klagt  also:

B'hüet  di  Gott,  lieber  Bua,
Hast  ma  gnumma  mein  Ruah,
Was  d'ma  du  alls  bist  gwest,
Sag  i  heunt  erst,  weilst  gehst.

Wirst  ma  dös  schan  hast  gsagt,
Hat  mein  Herz  gwaldi  zagt,
Han  i  d'Augerl  zuadruckt,
Han  die  Zaaherl'  verschluckt.

Da  die  Schnadahüpfl,  die  im  Schwange  sind,  nach  Tausenden  zählen,  so  ist  es
ferner  selbstverständlich,  daß  nur  ein  geringer  Theil  derselben  auf  poetischen  Werth  Anspruch
erheben  kann.
Die  Liebe  ist  zwar  vorherrschend,  aber  nicht  ausschließlich  der  Gegenstand  der
Schnadahüpfl.  Das  Volk  hat  eine  satirische  Ader;  harmlose  Neckerei,  beißender  Spott
bilden  nicht  selten  den  Hauptinhalt  des  Gespräches  bei  Zusammenkünften  in  der  Stube
oder  im  Wirthshaus;  kein  Wunder,  daß  es  auf  allen  Tanzböden  von  Trntzliedern
ertönt.  Gar  oft  gibt  ein  solches  Lied  Anlaß  zu  blutigen  Reibereien,  die  ihren  Abschluß  vor
Gericht  finden.  Diese  Lieder  vertreten  auf  dem  Dorf  gewissermaßen  die  Journalistik:

Gibts  wo  a  Neuigkeit,  Dö  thoan  ma  glei  auslög'n.
Das  is  halt  unser  Freud,  Da  thuats  was  z'lacha  göb'n.
Pfarrer  und  Bürgermeister,  Lehrer  und  Gemeinderath  müssen  sich  die  Kritik  der
übermüthigen  Sänger  gefallen  lassen.  Wer  immer  durch  eine  Thorheit  sich  bloßstellt  odergar
  zu  Schaden  kommt,  thut  gut,  auf  einige  Zeit  die  Tanzböden  zu  meiden,  wenn  er  nicht
erfahren  will,  daß,  wer  den  Schaden  hat,  für  den  Spott  nicht  zu  sorgen  braucht.
Seitdem  das  politische  Leben  auch  das  Landvolk  in  seinen  Bann  gezogen  hat,  tritt
besonders  im  Flachlande,  in  der  Nähe  der  Städte  und  der  größeren  Verkehrscentren  auch
die  politische  Dichtung  auf.  Die  Stellung  der  Sänger,  durchaus  junge  Bursche,  die  an  der
Politik  keinen  Antheil  haben,  bringt  es  mit  sich,  daß  diese  Dichtung  nicht  Partei  nimmt,
sie  beobachtet  und  kritisirt.  Als  die  Gruudsteuerregulirung  im  Gang  war  und  Grund  und
Boden  classificirt  wurde,  sang  man:

Hiatzt  habn's  agschaatzt  ön  Grund,  Das  hoaßens  regulier'n,
Der  Bauer  is  aufn  Hund;  Wanns  d'Leut  recht  auschmiern.
Den  neugewählten  Reichsrath  begrüßten  die  Sänger  mit  Liedern  wie  folgendes:

Hiatzt  wer'n  ma  halt  Hern,
Was's  Guats  auskocha  wer'n;

Wir  glaub'n  halt  schan,
Sö  brennand  d'Snppen  wieder  an.
            
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