Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Oberösterreich und Salzburg

194

Einzelnhofes,  geographisch  eine  abgeschlossene  Einheit  und  die  Parcellen  sind  mit  einer
gewissen  Regelmäßigkeit  vertheilt.  Tie  Häuser  des  Dorfes  sind  nicht  allzu  nahe  aneinander
gerückt  und  der  niemals  fehlende  Hausgarten  gestattet  jeder  einzelnen  Familie  eine  gewisse
Freiheit  der  Bewegung.  Jeder  Hof  hat,  wenn  sich  das  Thor  nicht  auf  die  Gasse  öffnet,
seine  eigene  Zufahrtsstraße,  die  auf  die  Dorfgasse  mündet.  Diese  verzweigt  sich  nach  zwei
oder  mehreren  Richtungen  hin  durch  den  Grund  und  trifft  an  der  Grenze  mit  der  Straße
des  Nachbardorfes  zusammen.
Die  geschilderten  Anlagen  finden  sich  im  ganzen  Lande,  doch  so,  daß  mit  der
Verflachung  des  Terrains  der  Einzelnhof  seltener  wird.
An  der  Grenze  von  Salzburg  ist  das  Alpenhaus  bis  zum  linken  Ufer  der  Mattig
vorgedrungen,  wird  aber  in  neuerer  Zeit  von  der  im  nördlichen  Jnnviertel  seit  Alters  her
üblichen  Hofanlage  zurückgedrängt.  In  das  nördliche  und  nordöstliche  Mühlviertel  ist  aus
den  benachbarten  Bezirken  von  Böhmen  und  Niederösterreich  das  Gassendorf  eingedrungen, ­
  welches  der  Landschaft  in  dem  Grade  einen  eigenartigen  Charakter  verleiht,
daß  der  Bewohner  der  südlichen  Bezirke,  wenn  er  in  die  Gegend  von  Mönichdorf  oder
Zwettl  kommt,  in  einem  fremden  Lande  zu  sein  wähnt.  Die  Gasse  geht  geradlinig  mitten
durch  den  Dorfgrund;  rechts  und  links  von  der  Gasse  laufen  die  langgestreckten,  verhältnißmäßig
  schmalen  Parcellen  auseinander.  Wo  diese  mit  der  Schmalseite  an  die  Gasse  stoßen,
liegen  die  Höfe  so  angeordnet,  daß  das  Wohnhaus  mit  der  Giebelseite  auf  die  Gasse  schaut;
eine  Holzplanke  verbindet  je  zwei  Nachbarhöfe.  Häufig  erweitert  sich  die  Gasse  zu  einem
ringförmigen  Platz,  Pregarten  genannt,  der  umfriedet  ist  und  als  Tummelplatz  für  das
Kleinvieh  oder  als  Weideplatz  für  den  Dorfstier  dient.  Mitunter  erscheint  auch  die  einseitige
Dorfanlage,  in  welchem  Falle  sich  die  nicht  immer  geschlossene  Häuserzeile  eine  halbe
Wegstunde  und  darüber  an  der  Straße  hinzieht.  Mit  dem  Gassendorf  ist  stets  auch  die
in  den  angrenzenden  Bezirken  von  Böhmen  und  Niederösterreich  herrschende  Hausform
verbunden.  Im  Wesentlichen  bestehen  die  ziemlich  gleichförmig  angelegten  Höfe  aus  zwei
parallelen  Tratten,  die  durch  eine  Bretterwand  oder  eine  dünne  Mauer  verbunden  sind;
ein  Thor  gewährt  dem  Fuhrwerk,  die  daneben  angebrachte  Thür  dem  Fußgänger  Zutritt
zu  dem  rechteckigen  Hofraum,  der  nach  rückwärts  durch  die  quergestellte  Scheune
abgeschlossen  wird.  Sowohl  die  beiden  Seitenflügel  als  auch  die  Scheune  stehen  unter
einem  besonderen  Dache.  Von  der  „Gred",  die  an  den  beiden  Flügeln  hinläuft,  tritt  man
in  das  Vorhaus,  von  dem  aus  besondere  Eingänge  in  die  kleine,  fensterlose  Küche  und  in
die  geräumigere  Wohnstube  führen.  Diese  empfängt  ihr  Licht  durch  je  zwei  Fenster  von
der  Gasse  und  vom  Hof  her.  An  die  Stube  lehnt  sich  eine  kleine  Kammer,  deren  einziges
Fenster  auf  die  Gasse  schaut.  Der  Kochherd  steht  hinter  dem  großen  Stubenofen.  Der
offene  Sommerherd  der  Küche  dient  fast  ausschließlich  zum  Backen  der  beliebten  „Krapfen".
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.