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Nach der letzten Zählung (1880) besitzt Oberösterreich 56.758 Pferde, 555.155
Rinder, 80.139 Schafe, 24.250 Ziegen und 197.414 Schweine, und diese absolut reiche
Viehhaltung entwickelt sich auch größtentheils zu züchterisch werthvollen oder productiv
nutzbringenden Beständen. Insbesondere ist es die Pferde- und Rinderhaltung, welche
zum Wohlstand des Landes in hervorragendem Maße beiträgt.
Das Gebiet zwischen der Traun und der Enns zeigt uns das mächtige, schwere
Pinzgauer Pferd, welches, der norischen oder Alpenrace angehörend, in seinen massigen
Formen ein unübertreffliches Zugthier liefert, das, wenn auch langsam und bedächtig, doch
verläßlich und gutmüthig die ungeheuersten Lasten zu befördern im Stande ist; der Stolz
aller Besitzer von schwerem Fuhrwerk ist ein Viergespann von Pinzgauer Hengsten, scheckig
oder getigert und mit blank geputzten messingenen Zieraten reich geschmücktem Geschirr.
Ein derartiges Gespann kostet nicht selten 3.000 bis 4.000 Gulden. Das elegante Kutschenpferd,
auch der flinke Traber findet seine Zucht und Pflege im Jnnviertel, woselbst meist
englisches Halbblut, sogenannte Anglo-Normanen als Vaterpferde thätig sind. Beide
Zuchtrichtungen werden von Seite des Staates auf das kräftigste unterstützt und liefern
werthvolle Producte, für welche das benachbarte Baiern in ausgedehntestem Maße als
Abnehmer von Jungpferden auftritt.
Zahlreicher als die Pferdeschläge sind die Rinderracen Oberösterreichs, deren
verschiedenartige Typen zur Herbstzeit, wenn ein Theil des Viehstandes auf den Stoppeln
oder Wiesen sichtbar wird, ein gar wechselndes Bild gewähren. Obwohl in kleinen
Gruppen zerstreut, wie sie eben der einzelne Besitz liefert, da eine Gesammt- oder gemeindeweise
Weide durchaus nicht üblich ist, erkennt man doch an den weidenden Thieren sofort
den Racencharakter des betreffenden Landstriches. — Da sieht man in den südlich gegen
Steiermark gelegenen Bezirken Weyer, Steyr und zum Theile Windischgarsten das graue
Mürzthaler Vieh und in den an Salzburg grenzenden Gebieten Ischl, Mondsee,
Gmunden und weiter in Frankenmarkt, Vöklabruck, Schwanenstadt und Lambach das
braunrothe, mit weißen Abzeichen am Rücken und Ellbogen versehene, durch seinen Milchreichthum
rühmlichst bekannte und gesuchte Pinzgauer Vieh — beide Typen direct mit
ihrer Heimat in Verbindung stehend. Ein Theil des Traunviertels, hauptsächlich in den
Bezirken Neuhofen, St. Florian und Kremsmünster, erfreut sich an der Haltung und Zucht
der tief aus dem südlichen Steiermark und Kärnten stammenden zart lichtgelben, seidenhaarigen
Mariahofer oder Lavantthaler Thiere mit feiner geschmeidiger Haut und
wachsfarbenen, fast durchscheinenden Hörnern und Klauen. Im Mühlviertel fesselt das
Auge das hellroth und weißscheckige „Kampete"-Vieh, das aus dem oberen Ennsthale
in Steiermark stammend frisch und munter die neue Heimat belebt und sich im Jnnviertel
mit den von Süden heraufdrängenden Pinzgauern zu den Innviertler Schecken verkrenzt.