Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Oberösterreich und Salzburg

280

stetig  fortschreitenden  Abbau  der  Salzlager  ist  man  nun  vielfach  wieder  ans  die  verwachsenen
Stollen  und  Schachte  der  Alten  gestoßen  und  in  die  Lage  gekommen,  die  Spuren  ihrer
Betriebsamkeit  wieder  aufzudecken.  Wie  in  den  Kupfergruben  auf  der  Mitterbergalpe  fanden
sich  auch  hier  die  angebrannten  Reste  von  unzähligen  Spänen,  welche  zur  Beleuchtung
bei  der  unterirdischen  Arbeit  gedient  haben,  ferner  Klopfsteine,  Schäfte  von  Beilen,
Lederstücke,  den  Opanken  ähnliche  lederne  Schuhe,  eine  mit  Schleudersteinen  gefüllte  Ledertasche, ­
  eine  Pelzhanbe  und  ähnliche  Dinge  mehr.  Außerdem  wurden,  bisher  allerdings
immer  nur  durch  Zufall  und  nicht  in  jener  Anzahl  wie  im  benachbarten  Hallstatt,  Gräber
mit  theilweise  reichem  Inhalte  bloßgelegt,  in  welchen  ohne  Zweifel  Leute  begraben  worden
sind,  welche  zu  dem  Salzbergbaue  in  Beziehung  gestanden  waren.  Sowohl  die  Reste  aus
den  verlassenen  Stollen  als  die  Beigaben  aus  den  Gräbern  verweisen  auf  ein  vor  Beginn
unserer  Zeitrechnung  liegendes  Alter  und  lassen  darauf  schließen,  daß  die  Salzgruben  schon
in  der  Mitte  des  Jahrtausends  v.  Chr.  in  umfassendem  Betriebe  gewesen  sind.
Kein  Mineral  ist  so  von  der  Sage  umsponnen  wie  das  Gold;  was  Wunder?  ist  es
doch  der  Schlüssel  zur  irdischen  Glückseligkeit!  In  unserem  Alpenlande  ist  es  nicht  anders;
wer  die  Thäler  der  Gasteiner  oder  Rauriser  Ache  betritt,  hört  von  dem  reichen  Bergsegen,
der  aus  den  Goldadern  der  obersten  Thalstufen  floß;  nicht  so  sehr  die  vergilbten  Acten  in
den  Archiven,  als  vielmehr  allerlei  Spuren  in  der  Nähe  der  verlassenen  Gruben  halten
den  Glauben  daran  im  Volke  lebendig;  ja  schon  im  Pongau  kann  man  erzählen  hören,
daß  eigenthümliche  Hügel  und  Unebenheiten  an  den  Ufern  der  Salzach  von  alten
Goldwäschereien  herrühren.
Wenn  die  märchenhaften  Vorstellungen  des  Volkes  von  der  Vergangenheit  meist
weit  hinter  der  Wirklichkeit  Zurückbleiben,  so  ist  diesesmal  das  Umgekehrte  der  Fall:  die  sicher
beglaubigten  Thatsachcn  überbieten  alle  Erzählungen  von  dem  Alter  und  der  Ergiebigkeit
der  Goldgruben  in  den  Tauern.  Griechische  und  römische  Schriftsteller  wissen  nämlich  von
einem  besonderen  Ereignisse  zu  berichten,  das  sich  zweifellos  an  diese  Örtlichkeiten  knüpft.
Im  II.  Jahrhundert  v.  Chr.  beuteten  in  den  norischen  Alpen,  nördlich  von  Aquileja,  die
Bewohner  ihre  Golderzlager  mit  außerordentlichem  Erfolge  aus,  so  daß  sich  der  Ruf
hievon  bis  Italien  ausbreitete  und  die  Italer  veranlaßte,  sich  an  der  Goldgewinnung  zu
betheiligen.  Nach  kurzer  Zeit  war  eine  solche  Menge  Goldes  gewonnen,  daß  dessen  Werth
in  ganz  Italien  auf  den  dritten  Theil  herabsank.  Infolge  dessen  wurden  die  Italer  von
den  Einheimischen  verjagt,  um  nicht  ferner  den  Gewinn  in  dieser  Weise  geschmälert  zu
sehen.  Erwägt  man,  daß  damals  schon  große  Reichthümer  in  Italien  znsammengetragen
waren,  so  wird  man  daraus  die  Ergiebigkeit  dieser  Golderzlager  ermessen  können.
Überblicken  wir  die  vorstehenden  Mittheilungen,  so  sehen  wir,  daß  unser  verhültnißmäßig
  kleines  Land  in  der  Geschichte  des  Bergwesens  eine  so  hervorragende  Rolle  spielt
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.