Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Oberösterreich und Salzburg

380

Doch  scheint  sich  die  Besiedlung  noch  nicht  weit  in  das  Gebirge  hinein  erstreckt  zu
haben.  Eine  ebenfalls  sehr  alte  Ausschreibung,  welche  wenige  Menschenalter  später
entstanden  ist,  erzählt  auch  hierüber  sehr  charakteristische  Einzelheiten.  Während  noch
Rupert  auf  dem  bischöflichen  Stuhle  von  Salzburg  saß,  begaben  sich  zwei  Kirchenleute,
von  denen  der  eine  dem  Namen  nach  ein  Romane  war,  in  die  „Einöde"  des  Gebirges
innerhalb  des  Passes  Lueg,  um  daselbst  zu  jagen  und  Gold  zu  waschen.  Da  wurden  sie
durch  eine  überirdische  Erscheinung,  wie  es  heißt,  aufmerksam  gemacht,  berichteten  darüber
dem  Bischof  und  dieser  erbaute  an  dem  von  den  Himmlischen  bezeichnten  Ort  eine  Zelle
und  ein  Gotteshaus.  Es  ist  das  heutige  Bischofshofeu  im  Pongau.  Aber  bald  wurde  dieser
Vorposten  der  christlichen  Cultur  durch  einen  Einfall  der  heidnischen  Slaven,  welche  wohl
aus  dem  Lungau  oder  dem  mittleren  Ennsthal  kamen,  zerstört.  Erst  ein  Menschenalter
später,  als  durch  die  Kriegszüge  der  Herzoge  Odilo  und  Thassilo  die  baierische  Herrschaft
weit  gegen  die  kärntnerischen  und  steirischen  Slaven  vorgeschoben  worden  war,  konnte  die
Stiftung  Ruperts  wieder  erneuert  werden.
Aus  diesen  und  ähnlichen  Nachrichten  wird  die  Stellung  Salzburgs  zur  Zeit  der
Gründung  des  Bisthums  als  Stützpunkt  der  fortschreitenden  Bekehrung  und  Cultur  klar.
Das  VIII.  Jahrhundert  brachte  die  Abrundung  und  den  Ausbau  des  Begonnenen.
Zwar  ist  infolge  der  Unsicherheit  der  Zeitrechnung  die  Bischofsreihe  nicht  zweifellos,  doch
treten  einzelne  Persönlichkeiten,  wie  der  energische  und  gelehrte  Irländer  Virgilius  deutlich
hervor.  In  seiner  Zeit  wurde  die  baierische  Kirche  durch  den  heiligen  Bvnifaeius  endgiltig
eingerichtet,  es  entstanden  in  der  Nähe  Salzburgs  die  Stifte  Mondsee,  Chiemsee  und  wahrscheinlich ­
  auch  Mattsee  und  die  Carautaner,  welche  durch  salzburgische  Priester  bekehrt
wurden,  kamen  zur  Diöcese.  Wir  vernehmen  von  einer  bischöflichen  Schule,  von  der
Errichtung  des  Domcapitels  und  der  Erbauung  eines  neuen  stattlichen  Münsters.  Auch
der  Besitz  des  Bisthums  mehrte  sich  in  der  damals  üblichen  Weise.  Sowohl  vou  den
Herzogen  als  von  Privatpersonen  erhielt  dasselbe  große  Schenkungen  an  Land  und
Leuten,  so  daß  sich  sein  Eigenthum  schon  damals  über  mehrere  Tausende  von  Bauerngütern, ­
  ausgedehnte  Forste,  Alpen,  Weide-  und  Jagdrechte  erstreckte.
Einen  wahrhaft  großartigen  Aufschwung  brachte  für  das  Salzburger  Bisthum  die
Einverleibung  Baierns  ins  Fraukeureich  durch  Karl  den  Großen  im  Jahre  788.  Schon
einige  Jahre  früher  war  ein  geborner  Franke,  Arno,  Bischof  geworden,  der  mit  dem
fränkischen  Hose  und  besonders  mit  Karls  berühmtem  Freunde  und  Rathgeber  Aleuin  in
engen  Beziehungen  stand.  Als  nun  die  baierischen  Angelegenheiten  neu  geordnet  wurden,
schien  es  nothwendig,  für  dieses  große  Gebiet  ein  Erzbisthum  zu  gründen,  und  Karls  und
des  Papstes  Wahl  fiel  aus  Salzburg.  Ob  hierbei  die  Rücksicht  aus  die  Person  Arnos  oder
auf  Salzburgs  bereits  erlangte  Stellung  in  den  Slavenländern  entscheidend  war,  wissen
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.