421
Seit 1792 kämpfte das salzburgische Contingent in den Reichskriegen gegen Frankreich
unter österreichischer Oberanführung. Aber erst der Winterfeldzug des Jahres 1800
brachte den Krieg, den man seit Jahrhunderten in dem glücklichen Ländchen nur twm
Hörensagen kannte, in seiner ärgsten Gestalt ganz plötzlich mitten ins Land. Nachdem ein
Frühlingsfeldzug in Schwaben durch einen Waffenstillstand abgebrochen worden war,
begann Anfang Deeember ein neuer Kriegsabschnitt mit einem Angriffe des österreichischen
Heeres unter Erzherzog Johann auf die zwischen Isar und Inn stehenden Franzosen. Aber
deren Führer Moreau gelang es, den Angreifer in der linken Flanke zu fassen, und die
Schlacht von Hohenlinden (3. Deeember 1800) nöthigte den Erzherzog, über den Inn
zurückzugehen. Der Rückzug erfolgte in der Richtung auf Salzburg. Da die Franzosen
scharf nachdrängten, schien es angezeigt, durch einen Gegenstoß sich Luft zu weiterem
ungestörteren Rückzug zu verschaffen. Hierzu wurde die Gegend von Salzburg ausersehen.
Parallel der Saale, welche etwa eine Stunde westlich der Stadt von Süden nach Norden
läuft, nahm das österreichische Heer Aufstellung. Der rechte Flügel der Franzosen unter
der Anführung des ungestümen Lecvnrbe schritt zum Angriff, und obwohl die winterlich
seichte Saale rasch durchschritten war, sv gelang es doch nicht, die Österreicher aus ihren
Stellungen zu verdrängen. Den ganzen Tag, es war der 1-L Deeember, wurde gekämpft;
als aber die Dunkelheit hereinbrnch, setzten die Österreicher den Rückzug fort, indem sie die
Salzach theils ans der Stadtbrücke, theilS auf einer Pontonbrücke bei Mülln überschritten.
Der Zweck des Gefechtes, hier gewöhnlich die Schlacht ans dem Walserfelde genannt, der
Armee einen ruhigen Salzachübergang und weiteren Rückzug zu gewähren, war erreicht.
Schon am anderen Morgen näherten sich die Franzosen der Stadt, und zwar einerseits in
der Richtung von Wals, anderseits in der von Laufen, wo inzwischen ihr linker Flügel
die Salzach überschritten hatte. Und nun schlug Salzburgs Stunde. Niemand dachte daran,
die angeblich uneinnehmbare Festung, an deren Ausbau und Ausrüstung vieleGenerationen
Schütze und Mühen verschwendet hatten, auch nur zun, Scheine zu vertheidigen. Der
Erzbischof Hieronpinns hatte sich schon mehrere Tage früher geflüchtet und die Gemeindeverwaltung
derStadt kannte kein anderes Interesse, als durch möglichst rasche Unterwerfung
den Sieger günstig zu stimmen. Der Bürgermeister fuhr Moreau entgegen, ihm die
Schlüssel der Stadt zu überreichen; Mittags waren bereits Stadt und Festung von den
Franzosen besetzt. Die Kriegsbeute, welche die Franzosen an Waffen, besonders Kanonen,
wenn auch meist veralteten Systems machten, war ganz kolossal, die Räume der Festung
müssen damit vollkommen gefüllt gewesen sein. Als altes Metall wanderte nun Alles in die
Fremde. Zwei Kanonen, welche Moreau der Bürgergarde als Anerkennung ihrer Dienste
für die öffentliche Sicherheit schenkte und die nun im Museum stehen, sind der ganze Rest
der altsalzburgischeu Kriegsarmatur, der auf uns gekommen ist. Die Leistungen, welche