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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Oberösterreich und Salzburg

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rechtfertigt sich selbst durch die Nvthwendigkeit, die oft aus weiter Ferne zur Leichenfeier 
beschickten Perwandten nicht nngespeist zu verabschieden. Die Inschriften der Kirchhof- 
denkmäler, mitunter höchst eigenthümlich, sowie die Grabdenkmäler der Hauptstadt sind 
längst Gegenstände der Anekdotenjagd oder kunstverständiger Beschreibung geworden. 
Der Neujahrstag heißt der „Ebenweihtag", weil er ebenso hoch geweiht ist als 
der Geburtstag Christi. Man soll an demselben mit Gutem ansangen, denn das setzt sich 
dann leicht das ganze Jahr fort, z. B. früh aufstehen; auch glaubt man an den schlechten 
„Angang". Der Dreikönigstag wird auf dem Land noch hier und da der „Perchttag" 
genannt, welche Bezeichnung vielleicht weniger an den Umzug der Perchta als an den 
Ruhmesstrahl der Erscheinung des Herrn erinnert. Zweifelsohne hat der Sternglanz, der 
den Weisen leuchtete und noch in den Krippendarstellnngen ganz eindrucksvoll zur 
Anschauung gebracht wird, diesem Festtag den Namen deS „Öbristen", das ist obersten 
Tages verschafft, unter dem er noch alten Gebirgsbauern bekannt ist. Am Vorabend vor 
Treikönig beginnt die letzte „Rauchnacht", Weihrauch durchzieht die Häuser, im Freien 
krachen Schüsse, einst wohl zur Berschenchung unheimlichen SpukeS, nach jetziger Meinung 
zur Vorfeier des Festes. In den vier „Lößelnächten" (St. Thomas, heiliger Abend, 
-Ltstvester, Dreilönigsnacht) wurden einst die Schicksalsgeheimnisse in mannigfaltigster 
Weise durch Bleigießen, Schnhwerfen, Behorchen der Thiersprache und dergleichen zu 
erkunden gesucht. 
An den Abenden zwischen Weihnacht und Treikönig ziehen die „Anglöckler" herum, 
mit kurzen Liedersprüchen milde Gaben heischend, wie man glaubt zur Erinnerung an 
Josef und Maria, wie sie Herberge suchten. Zwischen Treikönig und Lichtmeß erscheinen 
Abends die „Sternsinger", einen beleuchteten Stern auf einer Stange mit einer Schnur 
treibend. Ihre alten Lieder sind vergessen, sie helfen sich mit geist- und gemüthlvsen neueren. 
Aber es fügte sich gut, daß statt der strahlenden Frau Percht das himmlische Sternlicht 
aufgegangen ist. Die Dreikönigsnacht machte auch den Schluß der offenen Zeit für die 
wilde Jagd, das „wilde Gjoad", jenen einst gefürchteten lärmenden Umzug des Wodan, 
von dem man jetzt nichts mehr kennt als den sprichwörtlich gebliebenen Namen. Um Pauli 
Bekehrung, ohne genau die Zeit einzuhalten, lassen sich auch Knaben in den Häusern sehen, 
um Erlanbniß bittend, das „Sommer- und Winterspiel" anfsühren zu dürfen, der Sommer 
in Hemdärmeln, einen Fichtenzweig aus dem Strvhhut, der Winter in der Kapuze und 
mit einem rauhen Kotzen angethan. Sie singen und ringen abwechselnd, jeder seine Vorzüge 
lobend; nach dem dritten oder vierten Gange obsiegt der fröhliche Sommer. Um diese 
Zeit ist im Gebirge auch das „Lebzeltenhacken" im Gebrauche. Unter mancherlei Scherzen 
werden große, harte Lebkuchen, vom „heiligen Abend" herrührend, mit einer mächtigen 
Breithacke zerschnitten und unter die Hausgenossen vertheilt.
	        
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