MAK

Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Oberösterreich und Salzburg

450 
besteht in der richtigen Betonung, in dem Bemerklichmachen von Anspielungen. Der 
Jägerbrief erhebt sich zu strenger Ahndung begangener Sünden, wechselt mit väterlichen 
Ermahnungen und entschuldigt sich mit der getreuen Pflichterfüllung des Chronisten. 
St. Leonhard ist noch immer Viehpatron. An diesem Tage wird der große Vieh 
markt zu St. Leonhard an der Berchtesgadener Grenze gehalten. Die Kirche daselbst barg 
auf dem Chor vor noch nicht langer Zeit eine Unzahl von Opfergaben für die Genesung 
kranker Hausthiere: in rothes Wachs getriebene Pferde von alten geschmackvollen Formen, 
weißwachserne Milchkühe u. s. w. Die Leonhardskirche in Leogang ist, wie andere desselben 
Namens, mit einer Kette umgeben, von der wie anderwärts die Sage geht, sie sei aus den 
Kinnketten der genesenen Rosse geschmiedet worden. 
Das Jahr neigt sich zum Ende. Schon geht der Bischof Nikolaus, der „Niglä" 
mit dem „Klaubauf" um; elfterer in freundlicher Gestalt stellt öfter eine Frage aus dem 
Katechismus an die Kinder und schenkt Äpfel, Nüsse und gedörrte Zwetschken, letzterer mit 
Birkenruthe und Sack ausgerüstet, in der rauhen „Wildschur" und mit Ketten rasselnd, 
droht die Schlimmen in den Sack zu schieben. Aber beide treten in Städten und Märkten 
bereits vor der herzerfreuenden Erscheinung des Christkindes zurück. Man begnügt sich 
öfter, wohlgerathene Kinder einen niederen Schuh vors Fenster legen zu lassen, ob nicht 
der heilige Bischof denselben in der Nacht mit einer Bescherung füllt oder etwas „einlegt". 
Mit Anfang der Adventzeit beginnt die Sorge für Beschaffung des „Kletzenbrotes", 
dieses allgemein verbreiteten, bei Hoch und Nieder geschätzten Leckerbissens, dessen Genuß 
durch Sparsamkeit bis zum Beginne der Fastenzeit zu erstrecken gesucht wird. Der Einkauf 
der erforderlichen Bestandtheile, als kleine Weinbeeren, Zibeben, Pinoli, Gewürze, soweit 
sie nicht der eigene Haushalt liefert, wie gedörrte Zwetschken und Birnschnitze, Wall- und 
Zirmnüsse, setzt Kaufleute und Krämer, die Zubereitung aber die Hausgenossen und Bäcker 
in Bewegung. Einzelne „Anglöckler" lassen sich sehen. 
Am „heiligen Abend" wird „kollazt", das ist ein kaltes Abendmahl genossen, aus 
Käse, Brot, Eier, für Kinder aus Äpfeln, Birnen, Nüssen, Brot bestehend. Die Sitte 
des Christbaumes ist in die Städte erst seit Anfang der Fünfziger-Jahre eingedrungen, hat 
sich aber rasch ausgebreitet und zu den großen Christbaumfesten für arme Kinder erweitert, 
die aber mehrere Tage früher stattfinden und durch Erbauungsreden gewürzt werden. Am 
„heiligen Tag" wird der „Kletzenlaib" oder das Kletzenbrot angeschnitten; der „Kletzen 
scherz" oder der Anschnitt des Laibes ist unter Liebenden noch gebräuchlich. Das Opfer 
an die Elemente, indem man von jeder Speise einen Bissen auf das Dach trug, auch 
„Windfüttern" genannt, sowie die Sitte, daß sich Bauer und Bäuerin am „Bacheltag", 
Weihnachtstag, unter dem „Bachelboschen" (Tannenbanm) zum Gedächtniß an die 
Erwiederung des Herrn in der Krippe, in der Stube ans Stroh lagerten, sind abgekvmmen.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.