MAK

Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Oberösterreich und Salzburg

456 
Es «innert an uralten Göttcrdienst, wenn ursprünglich der Frau Percht zu Ehren Umzüge 
stattfanden und noch aufgeführt werden, wobei der doppelten Gestalt der alten Göttin 
entsprechend der Unterschied zwischen „schönen" und „schiechen" oder „wilden Perchten" 
aufrechterhalten blieb. Erstere halten hüpfend und springend, mit frohen, lebhaften 
Geberden, in Hemdärmeln, Blumen auf den Strohhüten oder phantastische Mützen mit 
kleinen Schellen und Spiegelchen geziert auf dem Kopfe, in weißen und rothen Strümpfen, 
mit blumigen Schürzen, Drischeln, Heugabeln und Rechen in der Hand, ihren Einzug. 
Letztere, meist Männer, stürzen in den Winternächten unter dem betäubenden Getöse von 
Kuhglocken, Schellenkrünzen, Stierhörnern, Klappern, Kupferkesseln, im Laufschritt, an 
Bergstöcken einherspringend, in das schlafende Dorf. In Felle oder in die Tracht von 
Wegelagerern, Räubern gekleidet, rumoren sie hin und her, gesträubte Federkrvnen auf 
den Hüten oder schmale hohe, mit Federn und Papierzieraten geschmückte Spitzhüte 
tragend, abscheulich bebartet, die Gesichter durch zahlreiche lange, bunte, von dem Hute 
herabhüngende Bänder verhüllt, immer an den langen Bergstöcken hernmspringend. Das 
ist der Perchtenlauf. Sie halten wohl vor einem Hanse still, um es auszuzeichnen oder 
wo sie des Entgegenkommens gewiß sind, und führen dann öfter in Begleitung von Hack 
brett und Pfeife jenen strampfenden, hüpfenden Tanz ans, der als „Trestern" bekannt 
ist, den Perchtentanz. 
Die Riesen des Untersberges, von denen ebenfalls das Volksbuch erzählt, gehören 
einer früheren Zeit an und es verlautete in diesem Jahrhundert von ihnen nichts mehr. 
An die Kirche von Gretig lehnten sie ihre Bergstöcke an, die wie Wiesbäume groß waren, 
und redeten mit den Männern des Dorfes, und das Haus des Reiterbanern im Kötschach- 
thale Gasteiiw zitterte von Grund aus, als ein Riese mit seinem Stabe, der aus einer 
jungen Tanne bestand, auf dasselbe zusprang. 
Manche Senninnen und auch einige Hvlzknechte wollen noch mit eigenen Augen die 
Zwerge des Untersberges gesehen haben. Die „Untersbergmandeln" erschienen nicht blos 
an den verschiedensten Orten des Berges oder hinterließen ihre Spuren im Schnee, sondern 
begegneten auch auf Straßen unter Tags und bei Nacht Wanderern, Fuhrleuten, Zoll 
beamten, auch auf Hochzeiten. Sie führten ihre neuen Bekanntschaften in den Berg, zeigten 
einem oder dem anderen derselben den Kaiser Karl, die verschiedenen burgartigen Räume, 
den Weinkeller. Begegnenden, mit denen sie Worte wechselten, schenkten sie Sand, Birken- 
reiser, Holzkohlen, Schatzsteine. Wer selbe nicht verachtete, sondern heimtrug, dem wurden 
sie über Nacht zu Gold. Auch in großen Zügen, wie Kriegsscharen mit Spielleuten, oder 
paarweise in langen Reihen, wie Leichenzüge schweigend und schattenhaft, wurden sie 
erblickt. In den Ostalpen ist der Zwergenglaube seit dein XIV. Jahrhundert schriftlich 
beurkundet und man gewahrt bereits die Einwirkung der christlichen Zeit, wenn es heißt,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.