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Ist Kaiser Karl im Untersberg der weltentrückte Vvlksheld, wie das Alterthum viele
kannte, die „in den Berg gegangen sind", das heißt daselbst ihren Todtenschlaf halten,
so ist auch der reiche Bauer Vögerl unter den Kees des Wiesbachhorns in der Fusch
gebannt. Wenn unter der Wirkung der Sonncnwärme im Gletscher mit Krachen Spalten
und Risse entstehen, dann sucht Vögerl den ihn umgebenden Eispanzer zu sprengen, und ein
Senner sagt leise zum andern: heut spaltet Vögerl wieder Eis. Damit verwandt sind die
zahlreichen Versteinerungen, die sämmtlich, wie in der griechischen Sage, als Strafgerichte
angesehen werden. Vvran steht der hartherzige „König Wazman", der mit Frau und
Kindern im Berchtesgadenerland thrvnt. Zwischen den Thülern Rauris und Gastein erhebt
sich der von der Sage umwebte „Herzog Ernst", der vom Kaiser geächtet „ins Elend ging",
das heißt in ferne Länder zog und viele Abenteuer bestand. Zwischen Gastein und Großarl
liegt die kleine und große Elendscharte mit der Richtung nach Kärnten und dem Osten.
Der leichtfertige „Schuhflicker" weist nun den Weg über die Höhen zwischen Gastein und
Großarl. Der lockere Pinzgauer „Spielman", zur Seite der den Bergsteigern wohl-
bekannten Pfandlscharte, steht versteinert unter Schnee und Eis auf dem Tauern. Warum
hat er so verlockend gegeigt! Wenn der Wind über die Berge bläst, spielt er noch seine
alten Tänze auf und horchen die Älpler. Ilm den „Reichenspitz" zwischen Kriml und der
wilden Gerlos sieht man die langen, unheimlichen Reichenspitzer mit ihren Nebelstechern,
die ihre Schätze hüten und denen der Wanderer ausweicht. Die zwei „steinernen Jäger"
am Staufen büßen ihr vormittägiges Svnntagswaidwerk; die steinerne Agnes oder
„verwunschene Sendinn" auf dem Lattenberg dient als abschreckendes Beispiel für leicht
sinnige Liebe und Kindesmord, während die Sage von den. „drei steinernen Brüdern"
beim Hirschbühel erloschen ist.
Auch Geschlechtersagen fehlen nicht. Der baierische Herzog Diet hat auf der blutigen
und der Rosaninalpe im Lungau gegen die eingefallenen Wenden eine blutige Schlacht
verloren und liegt zu St. Michael mit seiner Frau Glaistrada begraben. Die Welfen-
sage, so alt wie die vom Herzog Ernst, heftete sich in einem Ableger an das Geschlecht der
Hund zu Dorfheim in Saatfeldern Die Rittersfrau gebar, wie die Gräfin ^rmentrant,
zwölf Knaben aus einmal. Beide, den strengen Sinn ihrer Eheherren fürchtend, die solcher.-
Ereigniß für unnatürlich halten würden, befahlen, elf davon zu ertränken. Die Magd, die
sie im Korbe forttrng, begegnete dort dem Grafen, hier dem Ritter. Befragt, antwortet
sie, es seien Welfen (junge Hunde). Da nun sowohl der Graf als der Ritter sahen, daß
die Kinder munter und frisch seien, ließen sie dieselben anferziehen. Davon stammen die
Geschlechtsnamen der Welfen und Hnnd.
Auch die Tannhäusersage wanderte mit diesem Geschlechte nach Lungau ein, denn
im Jahre 1275 ist Gotfried Taunhauser schon in erzbischöflichen Diensten. Aber der