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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Oberösterreich und Salzburg

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Colloredo (1772 bis 1803), dessen wenige Bauten bereits den dürren Ausläufer der 
Renaissance, den eigentlichen Zopfstil, bekunden. 
Aus dieser langen Jahresreihe verdient ein Zeitraum noch besonders hervorgehoben 
zu werden: die Zeit des Überganges vom Barock zum Rococo, beiläufig 1690 bis 1720. 
Man darf sie unbedenklich eine zweite Blütezeit der Architektur, ja der Kunst überhaupt 
in Salzburg nennen, der ersten gegen Ansgang des Mittelalters an Gehalt und Frucht 
barkeit kaum nachstehend und doch von ihr gar sehr verschieden. Jene hatte im Volksthum 
bis hinab zu dessen untersten Schichten gewurzelt, fast ausschließlich religiösen Zwecken 
gedient und ihr Wirken über das ganze Land ausgebreitet; diese zweite war dagegen 
fürstlich-vornehmen Ursprunges und Charakters, neben der kirchlichen auch der profanen 
Kunstrichtung in gleichem, ja stärkerem Maße zugewendet und mit ihren Schöpfungen fast 
einzig auf die Verschönerung der Hauptstadt und ihrer Umgegend bedacht. Der leuchtende 
Stern dieser Periode war Erzbischof Johann Ernest Thun (1687 bis 1709), der hoch 
sinnige Stifter, der auch als prachtliebender Bauherr und Kunstmäcen seinen Namen in 
Salzburg unsterblich machte. Die Zahl seiner kirchlichen wie profanen Bauwerke von 
künstlerischem Range ist wahrhaft erstaunlich. Wir werden in der Folge Gelegenheit haben 
die bedeutendsten derselben vorzuführen; hier sei nur noch einer kunstgeschichtlich nicht 
uninteressanten Wendung, welche jene Periode für Salzburg brachte, kurz gedacht. Während 
des ganzen Mittelalters, besonders aber von Beginn der Gothik an, da die Kunstübung aus 
den geistlichen in bürgerliche Hände, aus den Klosterzellen in die Bauhütten und Werk 
stätten übergegangen war, stand Salzburg in Bezug auf Kunst und Künstler mit B aiern in 
engster Verbindung. Zwischen hier und den baierischen Kunststätten Regensbnrg, Landshut, 
Passau, München fand ein steter und reger Wechselverkehr statt, der zeitweise noch weiter 
bis Nürnberg und Augsburg sich erstreckte. Der geistliche Verband allein schon hatte 
Salzburg als Metropole Baierns auf diese Richtung gewiesen. Mit der Renaissance über 
ließen sich beide — Salzburg und Baiern — für lange Zeit der künstlerischen Führung 
Italiens; von dorther verschrieb man sich fast ausschließlich die Architekten, aber auch 
Künstler anderer Art, namentlich Maler, Bildhauer und Stuccatorer in großer Zahl. Sie 
kamen theils direct, theils auf dem Wege über München hierher. Erzbischof Johann Ernest 
Thun und sein Nachfolger Franz Anton Harrach waren die Ersten, die für ihre Ban- 
nnternehmungen Meister der Kunst aus Wien beriefen, und zwar keine geringeren als die 
berühmten kaiserlichen Hofarchitekten Johann Bernhard Fischer von Erlach und Johann 
Lukas Hildebrandt. Damit war für Salzburg die künstlerische Herrschaft der Wälschen 
auf immer gebrochen und auch der Einfluß Baierns zurückgedrüngt; an deren Stelle trat 
eine bis dahin völlig unbekannte Fühlung und Verbindung mit dem Kunstleben der 
österreichischen Lande und vor Allem Wiens, die auch in der Folge niemals mehr gänzlich
	        
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