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Zaunkönig, achtsam, daß er den feinen Kragen vom weichsten Schwanenflaum, der den
Hag bekleidet, nicht streife, Spatz und Ammer Hüpfen lustig an der Straße, nur die Krähe
krächzt verdrießlich, weil all die schimmernde Herrlichkeit sie nicht sättigt. Eine wundervolle
Klarheit der Luft läßt das Fernste nahe erscheinen. Über Kirchschlag und die Warte hin
flimmert die Schneepyramide des Ötscher, hoch ragen die Felsenthrone des Priel und des
Dachstein, die ganze lange Kette der Alpen bis zum Watzmann reiht sich an, deutlich hebt
sich das strahlende Weiß ihrer Schneefelder von dem Röthlichgrau der schroffen Kalkwände,
ans denen der Wind den Schnee nicht liegen läßt.
Die warmen Strahlen der Mittagssonne setzen die Nebelmassen über dem Flachlande
in Bewegung. Wie ein sturmgepeitschtes Meer aus geschmolzenem Edelmetall wogt und
schäumt der obere Rand der Nebelschichte, die breiten Wolkenschatten mildern hier und
dort das grelle Licht. Jetzt taucht für einen Augenblick der Kürnberg, der lange Rücken
des Hausruck inselförmig heraus, — da kriecht ein Nebelball das Donauthal herauf und
hüllt ihn wieder ein. Nun steigen säulengleich Nebelmassen empor, vom Winde ansgebreitet
wie Palmenkronen. Wenn endlich die Sonne fern über dem Baierlande zur Rüste
geht, dann zieht ein rosenrotster Schimmer von den Bergen her über die wogende See,
deren Wellen wie feurige Zungen an die Uferberge schlagen, bis die sinkende Nacht Alles
in ihren bleigrauen Mantel hüllt.
Kaiser Max I., der sich gerne in Oberösterreich aufhielt, hatte Recht, als er das
Mühlviertel mit einem zusammengefalteten Reitermantel verglich. Eine dieser tiefen Falten
ist das romantische große Rvttelthal, das sich von den fruchtbaren Donangeländen bei
Ottensheim als felsige ruinengeschmückte Schlucht hinaufzieht, vorüber am hochgelegenen
Grammastetten, „mit der hohen Schule", wie deßhalb der Volkswitz sagt, bis Zwettl, von
wo an es sich als breiteres Wiesenthal darstellt. Am waldigen Sternstein, nach dem
Blöckensteingebirge der höchste Punkt des Mühlviertels, entspringt die große Rottel in breiter
Mulde. Durch luftigen Wald, dessen dunkles Tannengrün freundlich durch eingestreute
Buchen und Bergahorne gemildert wird, führt der Pfad znm Gipfel. Laut rauscht bei
jedem Schritte das dürre Laub am Boden auf, Polster von Heidel- und Preiselbeeren,
Alpenhexenkraut und die breitblättrige Hainsimse, eine artenarme Flora von nordischem
Typus erfüllt die Schläge und Waldränder, schwellende Mooskissen sind über die Steine
am Quell gebreitet, die Trümmer der einstigen Gesteindecke, die als gewaltige Blöcke den
Kamm bedecken, sind mit bunten Flechten überkrustet. Der Sternstein selbst ragt als ein
imposanter Felsthurm über die Kronen der umgebenden Fichten empor, eine Balzhütte,
dem Fürsten Starhemberg wie auch die umliegenden Forste gehörig, schmiegt sich an ihn.
Eine weite Rundschau in den Böhmerwald nach Böhmen hinein, über den größten
Theil des Mühlviertels und die Tiefenregion südlich der Donau bis zur fernen Alpenkette