MAK

Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Oberösterreich und Salzburg

546 
sparsam angebrachter Stucco-Ornamentik war offenbar auf die Mitwirkung eines reichen 
Sculptnren- und Farbenschmuckes berechnet, den man ihr schuldig blieb. Die kahlen Flächen 
seufzen förmlich nach Gemälden, die leeren Nischen nach den Statuen, für die der Architekt 
sie geschaffen hat. 
Auch die sonstige innere Ausstattung entspricht nicht der Größe und künstlerischen 
Bedeutung des Bauwerkes. Mit Ausnahme des Hochaltars sind sämmtliche Altäre aus 
Holz in kläglichstem Rococo mit ebenso werthloser decorativer wie figürlicher Schnitzarbeit 
aufgebaut. Von den Altarbildern darf man nur die zwei an den Altären des Querschiffes 
als schön, vielleicht sogar als den Hauptschmuck der Kirche bezeichnen. Sie sind Werke 
des seinerzeit berühmten kaiserlichen Hofmalers Johann Fr. Rottmayr von Rosen 
brunn (1660 bis 1727), eines gebornen Salzburgers, und dürften zu den besten 
Schöpfungen seines Pinsels zählen. Ihren Gegenstand bilden Scenen aus dem Leben des 
heiligen Benedict und Karl Borromäus, Schutzpatrone der einstigen Universität. Zeichnung 
wie Farbengebung, an die Weise des Rubens erinnernd, sind vorzüglich, die Composition 
voll Leben und Ausdruck. 
Bei dem Namen Rottmayr wollen wir nicht unterlassen, auf ein noch höher 
geschätztes Bild von seiner Hand aufmerksam zu machen. Dasselbe ziert den Altar einer 
Seitenkapelle in unserer Franciscanerkirche und stellt den heiligen Franciscus als Noth- 
helfer und Fürbitter der Bedrängten dar. Bekanntlich hat Rottmayr seine ungemein 
fruchtbare Thätigkeit hauptsächlich in Wien, Niederösterreich und Baiern entfaltet. Aber 
auch Salzburg besitzt von ihm in den Kirchen, in der Residenz und anderen Orten außer 
den obigen noch eine ansehnliche Zahl von Gemälden, die meisten freilich von bedeutend 
geringerem Werthe. 
In unserer Studienkirche erscheint noch das Presbyterium beachtenswerth durch ein 
in seiner Art interessantes Paradestück des übermüthigsten Rococo. Der Hochaltar daselbst 
besteht nur aus der Mensa mit einem kleinen in Marmor und Gold aufs reichste ausgeführten 
Aufsatze. Über ihm aber thürmt sich, die ganze Abschlnßwand des Chores bis zum Gewölbe 
ausfüllend, ein riesiges Stuccaturwerk, die Glorie der Immaculata darstellend, auf: ein 
augenverwirrendes Gemenge von Wolken, flatternden und jubilirenden Engeln, in deren 
Mitte die Gestalt der Heiligen auf der Weltkugel emporschwebt. Das Ganze voll sprudeln 
der Phantasie, künstlerischer und technischer Bravour; leider beeinträchtigt das fahle 
Colorit und der Lichtmangel die Wirkung. Der Meister dieses großartigen Werkes, 
vermuthlich ein Italiener, ist in Vergessenheit gerathen; hoffentlich bringt fortgesetzte 
Forschung seinen Namen wieder an das verdiente Licht. 
Von den übrigen kleineren Kirchengebäuden des Barockstiles in Salzburg seien 
hier nur noch jene kurz anfgeführt, welche mit der Studienkirche zugleich in der oben
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.