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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Oberösterreich und Salzburg

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Traunstein  am  Eingänge  ins  paradiesische  Salzkammergut,  das  weiße  Gemäuer  der  Prielgruppe, ­
  die  Berge  des  Krems-  und  Steirthales,  das  Gewimmel  der  Berge  an  der  Enns,
endlich  der  schimmernde  Ötscher  liegen  vor  uns.  Eine  weite  Senke  trennt  unseren  Standort
vvn  ihren  grünen  Vvrbergen,  ein  herrliches  Gartenland,  aus  dem  unzählige  Dörfer  und
Städte  heraufblicken.
Drüben,  wo  die  Berge  coulissenartig  zurücktreten,  liegt  Vöcklabruck,  dort  Attnang,
von  welchem  sich  ein  breites  Thal  zum  Hausrnck  heraufzieht,  dessen  Kohlenlager  hier  am
leichtesten  zugänglich  sind  und  zu  Thomasrvith  und  Kohlgrub  ansgebentet  werden.  Da
unten  an  der  Ager  liegt  das  wohlhabende  Schwanenstadt,  Puchheim  mit  seinem  alten
Schlosse  und  viele  andere  Orte  auf  der  grünen  Schotterterrasse,  durch  welche  Ager  und
Vöckla  in  launigen  Windungen  ihrer  Vereinigung  zufließen.
Im  Schatten  üppiger  Linden,  an  Kapellen  und  altersgrauen  Kirchlein  vorbei
wandern  wir  der  Traun  zu,  die  sich  ein  tiefes  Thalgerinne  in  die  Schottcrmassen  eingerissen
hat,  welche  die  Gewässer  früherer  Erdepochen  aus  den  Alpen  hierher  wälzten.
Zn  beiden  Seiten  begleiten  waldige  Ufer  eine  Strecke  weit  den  schäumenden  Fluß,
dessen  krystallklares  grünes  Wasser,  in  manchem  Seebecken  geläutert,  endlich  hinabstürzt
über  ein  schräges,  das  Bett  durchziehendes  Felsenriff,  hier  im  breiten  Strome,  dort  in
feinen  Wasseradern,  schäumend  und  donnernd,  daß  der  Gischt  emporwallt  und  ein  Schleier
von  Wasserstau!)  über  die  Felsen  sich  lagert,  welcher  bei  Hellem  Sonnenschein  in  prächtigen
Regenbogenfarben  erglänzt.  Ein  alter  Kanal  führt  die  Salzschiffe  pfeilschnell  am  wilden
Fall  vorbei  hinab  gegen  Kloster  Lambach,  wo  die  durch  die  Ager  verstärkte  Traun  in
eine  kleine  Alluvialebene  tritt,  welche  den  Namen  Welser  Heide  führt.  Hier  war  vom
uralten  Wels  abwärts  noch  vor  hundert  Jahren  ein  ödes  Steinfeld,  Alpenschntt,  den  die
Traun  hier  ausbreitete.  Rastloser  Fleiß  hat  es  jedoch  in  Kulturland  umgewandelt,
Föhrengehölz,  Felder  mit  Buchweizen  und  Kartoffeln  trügt  die  dünne  Erdkrume.  Oberhalb
Hörsching  geht  die  Heide  in  das  fruchtbare  Linzer  Becken  über,  südlich  der  Traun  lugen
über  die  Terrasse,  welche  es  abschließt,  die  Thürme  von  St.  Florian.  Unfern  mündet  die
Krems  in  die  grüne  Traun,  ihr  folgend,  zieht  sich  das  anmnthige  Kremsthal  hinauf,
anfänglich  nur  wenig  in  die  reiche  Fruchtlandschaft  eingesenkt,  bald  enge  zusammengedrängt
durch  großschollige  Saatfelder  und  bunte  Wiesen,  bald  erlen-  und  haselgesänint  sich
erweiternd.  Hier  hebt  sich  ein  Hügel  und  ladet  ein  weißes  Gehöft  mit  umgebendem  Obstgarten ­
  zum  Besuche,  dort  führt  eine  Straße  in  flacher  Mulde  dem  Dorfe  zu,  ein  nettes
Schloß,  mit  breiten  Wassergräben  umgeben,  ein  alter  Kirchthurm  zeigt  sich  da  und  dort,
bis,  ohne  daß  man  es  merkt,  die  Höhe  erstiegen  ist  und  der  stolze  Bau  des  Stiftes
Kremsmünster  erscheint,  das  wie  eine  Warte  hineinblickt  zu  den  grünen  Vorbergen  und
den  schroffen  Felsmauern  der  Alpen.
            
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