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Nr. 23
Internationale Sammler-Zeitung.
Die Einrichtung der Burg Vöttau.
Die alte historische Burg Vöttau in Mähren, die
einst dem berühmten österreichischen Heerführer Grafen
Daun gehörte, hat in jüngster Zeit ihren Besitzer ge
wechselt und es ist eine für den Kunsthandel wohl nicht
bedauerliche Folge, daß deren kostbare Einrichtung
jetzt im Wiener D o r o t h e u m zur Versteigerung ge
langt.
Die einstigen Schätze Dauns sind längst in aller
Welt zerstreut — das interessanteste Stück, der Helm
Zrinyis befindet sich im Budapester Nationalmuseum
— was aber der letzte Besitzer von Vöttau, Graf
Johann St. Z a m o y s k i auf seinen Reisen zum Schmuck
Untersatztisch, schwarz politiertes Holz mit Füllungen in
Marmor, hauptsächlich Lapislazuli, in den Nischen und
auf der Galerie Bronzefigürchcn klassischer Gottheiten.
Florentinisch, XIX. Jahrhundert. Höhe 200 cm, Breite
138 cm, Tiefe 50 cm.«
Hat Graf Zamoyski, worauf schon dieses Stück hin
weist, im allgemeinen Arbeiten der Renaissancezeit be
vorzugt, so fanden sich auf Vöttau auch Möbel anderer
Stilgattungen, besonders Empire und Biedermeier.
Neben einem Bicdermcierflügel von Konrad Graf in
Wien aus Kirschholzflader mit Pedalen für Pauken- und
Tschinellenbegleitung finden wir aber auch ein pracht-
Fig. 11. Velazquez, Kardinal Infant Ferdinand.
seines Heims zusammengetragen hat, dürfte sich auch
sehen lassen und machte in der Tat die nächst dem
lieblichen Ausflugsorte F r a i n gelegene Burg zu einem
Zielpunkte für Kunstfreunde.
Ohne eigentlich Sammler zu sein, hat Graf Za
moyski mit feinem Verständnisse Objekte angekauft,
denen Kunstwert eignete. Besonderes Augenmerk lenkte
der Graf auf das Mobiliar und es bildete seinen Stolz,
daß er manch schönes Stück aus dem Besitze des pracht-
licbenden Bayernkönigs Ludwig II. erwerben konnte.
Ein Prunkstück dieser Provenienz dürfte das Kabinett
im Renaissancestile sein, von dem der stattliche, mit
lobenswerter Gründlichkeit verfaßte Katalog folgende
Beschreibung gibt: »Kabinett im Renaissancestile, auf
volles Piano von P1 e y e 1 in Inaris, das mit Gescll-
schaftsiszenen nach Boucher geziert ist und auf kunst
voll geschnitzten vergoldeten Füßen ruht.
Bei Erwerbung wertvoller Gemälde hatte Graf
Zamoyski eine besonders glückliche Hand. Seine Samm
lung alter Meister enthält manches Stück, um das ein
heißer Wettstreit bei der Auktion entbrennen dürfte.
Der Clou ist ein Porträt des Kardinal-Infanten Ferdi
nand, das keinem Geringeren als Velazquez zu
geschrieben wird. Schon D e z a 11 i e r d'A rgens-
v i 11 e erzählt uns in seinem 1767 erschienenen »Leben
der berühmtesten Maler, nebst einigen Anmerkungen
über ihren Charakter«, daß Velazquez im Aufträge
Philipps IV. dessen Bruder, den Kardinal-Infanten Fer-