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Internationale Sammler-Zeitung.
Hummer 18.
Die richtige Benußung einer Sammlung roie der oarliegenden
muß notroendig eine roissenschaftliche sein. (Eine
Sammlung, die in erster £inie dem unmittelbaren künstlerischen
Genüsse eines modernen lllcnschen dienen soll,
coird roesentlich anders aussehen.) Unter geschichtsroissenschaftlichen
Gesichtspunkten ist diese Sammlung zusammengestellt
morden. Ich bin roeit daoon entfernt, die Bedeutung
der Bibliographie als historischer Disziplin zu überschauen,
aber einen etroas besseren Plaß im Kreise der
historischen Hilfsroissenschaften, als man ihr bisher eingeräumt
hat, oerdient sie doch roohl. Ulan darf es beispielsroeise
roohl als eine Kuriosität bezeichnen, daß in
der roeitläufigen, ja schon gänzlich unübersehbaren Citeratur
über Goethes ftiust sich nirgends eine erschöpfende Darstellung
der Druckuerhältnisse der ersten Ausgaben, der
rechtmäßigen und der unrechtmäßigen, findet, und daß in
den gelehrtesten Kommentaren und Ulonographien seit
Jahren immer dieselben Irrtümer und Ungenauigkeiten
Wunsch, dereinst einen Katalog der zusammengebrachfen
Seltenheiten und ITlerkroürdigkeiten mit ausführlichen Erläuterungen
bibliographischen und sonstigen Inhalts drucken
zu lassen. Aber um einen solchen catalogue raisonne
roirklich und fertig herauszubringen, muß man roohl Konsul
auf Haiti sein, roie Griseb ach, oder non einem Stabe roissenschaftlicher
Sekretäre umgeben, roie Pierpont ITlorgan, oder
man muß doch im Ruhestande proeul negotiis sich ganz
seinen Büchern roidmen können. Da ich roeder Konsul
auf Haiti noch Pierpont lllorgan jemals sein roerde, ein
otium cum dignitate aber in den nächsten 25 Jahren noch
nicht zu erroarten habe, so so ist aus dem catalogue
raisonne ein Auktionskatalog geroorden.
Das Streben des Sammlers ging auf Original-Ausgaben
der deutschen Citeratur seit zirka 1750, roabei das
Hauptinteresse dem achtzehnten Jahrhundert zugeroandt
roar. Die Tendenz auf Vollständigkeit, die ja roohl die
psychologische Grundlage jeder Sammelpassion ist, hatte
?ig. 5. Handzeichnunc) Goethes, Gntrourf zu seinem Grabmal in Rom.
roiederholt roerden, ohne daß oon den zahlreichen ?aust-Spezialisten
sich einer die ftlühe machte, die fragen in
einer genauen Untersuchung endgiltig zu 'erledigen. Als
Vorbild musterhafter und ergebnisreicher bibliographischer
Untersuchungen sind mir immer die Arbeiten non Bernhard
Seuffert und ITlilchsack erschienen, und ich meine, daß
gerade der roissenschaftlich interessierte Bücherliebhaber
in Arbeiten dieser Richtung ein roeites Betätigungsfeld
findet, auf dem er leichter als der Citerarhistoriker oon
Beruf Aüßliches leisten kann, roeil seine Ciebhaberei ihm
das Untersuchungsmaterial bequem zur Hand gibt, das
der Berufsarbeiter sich mühsam und unoollkommen in den
Bibliotheken zusammensuchen muß.
ln diesem Sinne, als lllaterial für bibliographische
Untersuchungen, habe ich meine Bücher zu nußen gesucht,
solange meine Alußestunden dies möglich machten. Einiges
wenige oon den dabei gemachten Beobachtungen habe ich
einem kleinen Kreise bekannt gegeben: oon anderem finden
sich hier und da Spuren in diesem Verzeichnisse. Schon
bald nach Beginn meiner Sammeltätigkeit hatte ich den
auch ich natürlich. Doch sind dem Prioatsammler schon
durch die Endlichkeit oon Raum, Zeit und Geld natürliche
Schranken geseßt, die jede Vollständigkeit für ein so roeites
Gebiet, roie die deutsche Citeratur seit 1750, gänzlich ausschließen.
nur bei einzelnen Dichtern rourde Vollständigkeit
in dem Sinne angestrebt, daß ich jede selbständig
erschienene Druckschrift oon ihnen zu erroerben suchte.
Daß ich dabei sehr stattliche Serien zusammengebracht
habe, zeigt der Katalog.
Als den an Seltenheiten reichsten Teil der Sammlung
möchte ich die Cessing-Gruppe ansehen, bei der mich
das Sammlerglück besonders begünstigt hat. Die alte
Jungfer, der Eremite, die Gefangnen, die Kleinigkeiten oon
1751 sind roirklich sehr seltene Stücke, auch im strengsten
Sinne des Wortes. Eines oder das andere oon ihnen haben
Cessing-Spezialsammler roohl besessen, alle zusammen sind
aber noch in keiner der Sammlungen, über die Kataloge
gedruckt oorliegen, Bereinigt gewesen.
Die Sammlung Wieland’scher Jugendschriften ist
zroar nicht oollständig, aber doch reichhaltiger als sie in