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Seite 84. 
Internationale Sammler-Zeitung. 
riummer 6. 
an dieser Kleinkunst Darüber, Rur der Sammler sali sein 
Auge bilden und trainieren. Gs sind ihm Diele Genüsse 
bescheert. Ich rate daher jedem Sammler Don Siegelabdrücken 
auch an der Hand des Kenners den Unterschied zmischen 
dem Abdruck einer Steingraoierung und der Grauierung 
auf Hletall: Stahl, Bronze oder Silber kennen zu lernen. 
Ich habe mir seit 50 Jahren mühe gegeben, Arbeiten unserer 
Steinschneider zu sammeln, roelche leider in der Jetztzeit keine 
bedeutenden Aufträge mehr haben, da die Steingrauierung 
beinahe ganz aus der Diode ist. Die alten Stanzierungen 
haben in figuralem fache, im Schnitt oon Graouren Herr 
liches geleistet; und man findet diese Arbeiten noch in 
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rounderschönen Gipsabdrücken. Am Anfang bis in die 
mitte des uarigen Jahrhunderts, noch Dar 1848, roaren 
Prioatpersonen bemüht, sich Sammlungen oon Gipsabdrücken 
anzulegen, roelche man oon den Gipsgiejjern in Wien, besser 
oder schlechter gegossen, beziehen konnte. Ich bin im 
Besitje oon einigen dieser Sammlungen, die noch uermehrt 
rourden durch Abdrücke oon münzen und Riedaillen An 
diesen Abdrücken konnte der Graoeur studieren und lernen. 
Und lebende Kleister roerden zugeben müssen, dafj diese 
Art der Sammlung ihnen nüljlich geroesen ist. freilich 
der „moderne“ kennt diese Arbeiten nicht und roirft sie, 
roie alles Schöne, auf den JTlisf. Aber dem Sammler 
machst die freude, Dinge zu besten, roelche einer Zeit 
angehörten, roo die Kleinkunst ihre freunde hatte. Gs ist 
traurig, zu sehen, roie die Diode herrliche Dinge oer- 
schlingt. Die Vertreter des Steinschnitts und der heral 
dischen Grauierung müssen es sich gefallen lassen, dafj 
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sie keinen Auftrag erhalten, der ihrem Können Verdienst 
gibt. Sie müssen sehen, roie ihre Arbeiten als Anti 
quitäten behandelt roerden, denn die Steinschneidearbeit 
überdauert Jahrhunderte, ja Jahrtausende, roie mir in den 
Sammlungen der egyptischen Kluseen sehen können. 
Gine Kleinkunst, die sich auf Kindeskinder uererbt, 
ja unzähligen Generationen freude bereitet, ist heute auf 
die Grauierung dou Wappen auf Ringen angeroiesen. Wie 
kam dies? Auch in Wappengraouren, soroohl beim Stein 
schneider als Graueur, ist der Diangel an Aufträgen fühlbar, 
zum Teile heroorgerufen durch die kaiserliche Verordnung, 
dafj zu dem Orden der eisernen Krone und des £eopold- 
ordens die obligate Grhebung in den Adelstand aufgehoben 
rourde. Jeder dieser Glücklichen hat sich ein Wappen 
malen lassen und erhielt uom Dlinistenium die Grlaubnis 
durch das Adelsdiplom zur führung seines Wappens. Die 
Grauierung eines Siegels, eines Steinrings, eines Stempels, 
der Stanzen für Hioreenknöpfe usro,, roar das Geringste, 
roas uon den Reugeadelten uerlangt rourde. Von Brief 
papieren, der Silbergrauierung, abgesehen, gibt es eine 
lllenge Gegenstände, roo das Wappen durch den Graoeur 
angebracht roird. Wir hatten in Wien im Jahre 1848 
folgende Steingraoeure: Schroarz, Singer, Johann und Ignaz 
Steinschneider, Stern, Grabmann, franz und Adolf Gabik, 
Schaterl der Ältere und der Jüngere, Jauner, Roroak, 
Dörflinger und noch mehrere. Am Heben und bei der 
Arbeit sind uon den genannten Kleistern nur mehr drei, 
alle anderen sind nicht mehr. Da die Steinschneider keine 
Cehrlinge heranbilden, ist auch kein Rachrouchs da. Gs 
roerden daher die Arbeiten dieser Heute kaum mehr dem 
Sammler in die Hände kommen. Heider gibt es roeder 
in Wien noch in Paris, Hondon und Berlin Sammlungen 
oon Graoeurarbeiten; nur in Hinz ist eine solche und in 
den Benediktinerstiften Klelk, Herzogenburg, Admont, 
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Zroettl und Klosterneuburg sind Abdrücke alter Siegel 
zu finden. Auch kleine Kluseen, roie das in Gggenburg 
und in Krems in Riederösterreich haben Abdrücke oon 
derlei Arbeiten, es sind jedoch nicht heroorragende Arbeiten 
zu sehen. Im Kunsthistorischen Hofmuseum zu Wien sind 
zroaH immer Abdrücke gesammelt morden, aber ob sie dem 
Publikum zugänglich sind, roeilj ich nicht, Das österreichische 
ITluseum für Kunst und Industrie hat 200 Stück oon 
Abraham Schroarz aus meiner Sammlung und die grofje 
Sammlung uon den Siegeln der Kaiser und Könige in 
einem großen Kasten — ein Geschenk des Sammlers 
Saba, roelcher die Siegel des österreichischen Kaiser 
hauses in zroei Bänden herausgab. 
Den Sammlern uon solchen Abdrücken, die alte und 
moderne Kleister repräsentieren, roill ich einige Hamen 
nennen. Die schönsten Arbeiten der Renaissanze sind 
oon Riehl in Augsburg, oan Abraham Schroarz und 
seinen Söhnen, uon Anton Hofmann, einem Schüler 
oon Schroarz. Von anderen meistern des oergangenen 
Jahrhunderts sind zu ermähnen: frau Gr ein er, Hagel, 
einer der Schüler uon ihr, fisch er und Reyroöger, 
Radnitjky in zroei Generationen, Jauner in heruorragen- 
der Weise, Kleinert, Walnrbek; oon Auslande: Bien 
bock in Klünchen und sein Schüler, der leider jung ge 
storbene Otto in Berlin. Berühmte Steinschneider sind: 
Haferoth und Acklann in Berlin, Schuppan und 
t Quintus in Gger, Braun in Prag u. a. m.
	        

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