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MAK

Full text : Jahrgang 2 (1910) (14)

Seite  222

Hummer  U

Internationale  Sammler-Zeitung.

(Deuerwerbungen  des  Berliner  Kaiser-friedrich-ITluseums.)
  Das  Berliner  Kaiser-friedrich-Uluseüm  hat  für  seine
Sammlung  aan  deutschen  Bildwerken  der  christlichen  Epochen,  die
für  das  Deutsche  ITluseum  bestimmt  ist,  eine  Reihe  uon  Ankäufen
gemacht.  Darunter  ist  ein  steinerner  flies  mit  Jagddarstellungen,
der  nach  uor  dem  fahre  1000  entstand.  Van  Skulpturen  des
15.  Jahrhunderts  wurde  aus  der  zweiten  Hälfte  ein  bemaltes  Holzrelief ­
  mit  Christus  am  Ölberge  erworben,  das  mittelrheinischen
Ursprungs  ist;  ferner  die  holzgeschnißte  Statuette  der  säugenden
Ularia,  die  der  Richtung  des  Veit  Stoß  angehört.  Dem  Beginn  des
16.  Jahrhunderts  gehört  das  Bronzerelief  des  Petrus  und  das  holzgeschnitjte
  Relief  mit  dem  Schmeißtuch  der  hl.  Veronika  an,  die
beide  aus  Süddeutschland  stammen  endlich  wurde  eine  Holzstatue ­
  aus  der  ersten  Hälfte  des  18.  Jahrhunderts  erworben,  die
Christus  als  guten  Hirten  darstellt  und  in  Süddeutschland  entstanden
ist,  Auch  eine  Reihe  oon  Geschenken  erhielt  die  Sammlung.  So
die  elsässische,  um  1780  entstandene  Holzsfatuette  eines  sißenden  !
Apostels,  und  eine  niederbayerische  Holzfigur  der  heil.  Dorothea
oom  Ende  des  15.  Jahrhunderts.  Beide  schenkte  Hofantiquar
A.  Böhler.
(Das  Kupferstichkabinett  der  Baseler  Kunstsammlung) ­
  hat  seine  Bestände  im  Jahre  1909  nach  uielen
Seiten  hin  abgerundet.  Gute  Kaufsgelegenheit  bot  däzu  namentlich
die  Auktion  Canna  in  Stuttgart.  Da  wurde  u.  a.  Dürers  „kleiner
Kardinal  uon  Brandenburg“  erworben  als  wichtige  Ergänzung  der
fast  Daliständigen  Dürersämmlung.  ferner  wurden  17  Holzschnitte  |
oon  Hans  Bai  düng  uud  eine  Serie  prachtooller  Probedrucke  zu
Tobias  Stimmers  Buchillustrationen  gekauft.  Von  den  wichtigeren
anderen  Erwerbungen  nennen  mir:  Handzeichnungen:  August
Beck,  4  Karrikaturen,  Bleistift;  Berner,  Kleister  der  Bärenputten:
kolorierter  Scheibenrif}  mit  dem  Wappen  oon  Saanen  1539;  Ambrosius ­
  Holbein:  zwei  Liebespaare,  federzeichnung  (bis  jeßt  oöllig
unbekannt,  aus  der  Zeit  der  Randzeichnungen  zum  „Cob  der  llarrheit“;
  Karl  Stauffer:  Bildnis  eines  Reformators,  Kohlezeichnung
1877.  Unter  den  Kupferstichen  und  Radierungen  sind  oertreten:
Jost  Amman,  lAatfhäus  ITlerian,  Lukas  oan  Leyden,  Georg  Peucz,
Abel  Stimmer,  Wenzel  Hollar,  franc.  Goya  (erste  oollständige  Ausgabe ­
  der  Tauromachia  in  83  Radierungen),  Angelika  Kauffmann.
Unter  den  Holzschnitten  finden  wir  Arbeiten  oan  Jost  Amman,
Hans  Baidung,  Hans  Holbein  d.  J.  und  Schule  (133  Jnifialen),
Hans  Schäufelein,  Tobias  Stimmer,  Hans  Weidiß,  Rudolf  Wysenbach
Alles  in  allem  wurden  1909  erworben:  7  Handzeichnungen,  103
Kupferstiche  und  Radierungen,  150  Holzschnitte,  138  Initialen  und
2  Lithographien.
(funde  in  Trier.)  Aus  Trier  wird  berichtet:  Eine  sehr
wertoalle  Bereicherung  hat  das  Prooinzialmuseum  durch  eine  guterhaltene ­
  reizende  lAarmorstatuette  eines  schlafenden  Amors
erhalten,  die  kürzlich  auf  dem  noch  nicht  freigelegten  Teile  der
römischen  Bäder  aufgefunden  wurde.  Der  Liebesgott  hält  zwei
ITlflhnblüfen  in  der  Hand  und  ruht  auf  einem  Löwenfell.  Es  handelt
sich  um  die  Wiedergabe  eines  im  Altertum  sehr  beliebten  Kunstwerkes, ­
  das  man  gern  als  Brunnenschmuck  oerwendete.  Die  ]
Statuette  wird  in  den  Thermen  über  einem  Becken  mit  fließendem  !
Wasser  angebracht  gewesen  sein,  als  wenn  der  Knabe  beim
Rauschen  der  Quelle  eingeschlafen  märe.  —  Bei  Kanalisationsarbeiten
  in  der  Stadt  wurden  24  gut  eihaltene  wertoalle  Goldstücke ­
  ausgegraben.

Uom  Kunstmarkte.
Die  Kunstauktion  Duoal.)  Aus  Amsterdam  wird  berichtet: ­
  Seit  dem  Jahre  1883,  als  die  berühmte  Sammlung  Jakob
de  Vos  oersteigert  worden  ist,  hat  keine  Auktion  ein  solches  Aufsehen ­
  in  künstlerischen  Kreisen  erregt,  wie  die  am  22.  und  23.
Juni,  bei  der  die  firma  frederik  Al  ul  ler  &  Co.  die  Sammlung
Duoal  (Zeichnungen)  unter  den  Hammer  brachte.  Kunsthändler  aus
Berlin,  Paris,  Condon,  Wien,  Stuttgart  und  andrer  Städte  haften
sich  eingefunden.  Den  höchsten  Preis  erzielte  ein  Blatt  oon  Albrecht
Dürer,  eine  Studie  oon  Christoph  mit  dem  Christuskind,  auf  neun
oerschiedene  Weisen  aufgefaßt,  cs  wurde  für  6400  Gulden  nach
Berlin  uerkauff;  ein  dem  Hukas  Cranach  zugeschriebenes  Porträt
ging  für  1150  Gulden  ab,  ein  Blatt  oon  oan  Dyck,  den  König
Philipp  oon  Spanien  darstellend,  wurde  oon  einem  belgischen  Liebhaber
  für  900  Gulden  erstanden,  die  figur  eines  liegenden  jungen
Knaben  oon  oan  Eckhout  wurde  mit  über  1000  Gulden  bezahlt.
Doch  nie  sind  für  Zeichnungen  oon  Rembrandf  so  ungeheure
Preise  bezahlt  worden:  eine  sißende  alte  frau,  Zeichnung  in  roter

färbe,  5420  Gulden,  Saskia,  sich  mit  einer  Perle  schmückend,  5600
Gulden,  Saskia,  ihrem  Kinde  die  Brust  gebend,  5700  Gulden,  ein
mit  einem  Zentauren  kämpfender  fapithe  2100  Gulden  und  der
oon  einem  Löwen  angefallene  Prophet  Addon  2050  Gülden.  für
niedrigere,  aber  uerhältnismäßig  doch  noch  sehr  hohe  Preise  gingen
Zeichnungen  oon  Ostade,  Ruysdael,  oan  Goyen,  Cuyp,  oan  Berchem,
Brueghel  ab,  besonders  begehrt  waren  Zeichnungen  oon  Rubens,
ein  reizender  Kopf  eines  seinen  Singer  in  den  ITlund  steckenden
Knaben  wurde  für  2500  Gulden  losgeschlagen.
(EinRekordpreisfüreine  Landschaft  oon  Co  ns  fable.)
Die  große  Wandlung,  die  mit  der  neuen  Wertung  der  Kunstwerke
auch  in  den  Preisen  des  Kunsthandels  eingetrefen  ist,  ließ  sich
besonders  deutlich  bei  der  Versteigerung  der  Gemäldesammlung
des  oerstorbenen  Sir  frederick  lAappin  erkennen,  die  in  den
leßten  Tagen  bei  Christie  in  London  stattfand.  Während  die  einst
oiel  gerühmten  Werke  einiger  englischer  Akademiker,  die  oor  einem
halben  Jahrhundert  das  Entzücken  des  Publikums  waren,  nur
geringe  Preise  erzielten,  wurde  für  eine  Landschaft  Constables
„feuer  bei  flleyland“  der  riesige  Preis  oon  194.800  Ulk.  gezahlt.
Das  Werk,  das  18  36,  ein  Jahr  oor  dem  Tode  des  Künstlers,  gemalt
wurde,  war  oon  seinem  bisherigen  ßesißerfür  15.000  111k.  erworben
worden,  ln  den  leßten  15  Jahren  erfolgte  dann  die  ungeheure  Preissteigerung, ­
  die  die  Werke  des  großen  Entdeckers  der  englischen
Landschaft  erfuhren,  llachdem  schon  für  die  „ittühle  uon  Stratford“
und  „Die  Uluhle  oon  Arundel“,  auf  den  Versteigerungen  der  Sammlungen ­
  Huth  und  Gaskeil  gegen  190.000  Ulk.  für  jedes  Bild  angelegt ­
  morden  waren,  ist  auf  der  Versteigerung  lllappin  der  höchste
Preis,  der  je  für  einen  Constable  gezahlt  wurde,  erreicht  morden.
Dagegen  erzielte  ein  einst  hochgefeiertes  Bild  des  Akademikers
frith,  „Amy  Robsarf  und  Janet“,  das  lllappin  für  8600  111k.  erworben ­
  hatte,  nur  1632  Ulk.
(Kostbare  Gobelins.)  In  einer  Gobelin-Auktion,  die  jeßt
Loewengard  in  Paris  oeranstalfet  hat,  sind  für  heroorragende
Gobelins,  die  1715  oollendet  wurden,  über  350.000  Francs  gezahlt
worden,  für  eine  Beauoais-Garnitur  Louis  XV.  gab  man  250.000
Srancs,  für  einen  flämischen  Wandteppich  (15.  Jahrhundert),  auf
dem  biblische  Szenen  dargestellt  sind,  60.000,  für  einen  Aabusson-Teppich
  Louis  XV.  40.000  Srancs.
(Kupferstiche,  Radierungen,  Holzschnitte  u.  Schabkunstblätter.) ­
  ln  der  Galerie  Helbing  in  ITlünchen  fand  am
27.  o.  111.  eine  Auktion  oon  Kupferstichen,  Radierungen,  Holzschnitten, ­
  Schabkunstblättern  und  farbstichen  des  XV.  bis  XIX.
Jahrhunderts  statt,  bei  der  folgende  Preise  erzielt  wurden:  ilr.  1
A.  Adam,  Einquartierung  in  einem  Dorfe.  Lithogr.,  Ulk,  1.  Ilr.  2
f.  Alban  i,  Die  Ruhe  der  hl  familie  auf  der  flucht,  111k.  2.  Heinr.
Aldegreoer,  Ilr.  3  1  Blatt  aus  der  folge:  Die  Parabel  oom
reichen  lllann,  111k.  12;  Ilr.  4  Ularia  mit  dem  Kinde  auf  der  ITlondsichel
  stehend,  mit  Szepter,  1  527,  Ulk.  25.  Ilr.  5  Die  Entführung,  Ulk.  12;
Ilr.  6  Drei  reich  ornamentierte  Türklopfer  auf  einer  Platte,  Ulk.  12;
Ilr.  7  Schönes  Ornament  mit  nacktem  lllann  und  nackter  frau,
welche  in  Laubwerk  auslaufen,  und  zwei  nach  den  Seiten  fliehenden ­
  Kindern,  1557,  Jllk.  20.  Altdorfer,  Ilr.  8Die  hl.  Ularia  mit  dem
Kinde  in  Landschaft,  Ulk  25;  Ilr.  9  fTladonna  mit  dem  Kinde  in
einer  Kirche,  Ulk,  8;  Ilr.  10  Altar  mit  llladonna  und  Kind,  Ulk  5  50.
Ilr.  I]  Althann,  Lettre  de  lllonsieur  le  Cardinal  d'Althann,  lllinistre
de  l’Empereur  ä  la  Cour  de  Rome,  ecrite  ä  lllonsieur  le  Cardinal
de  Bissy.  A  Paris  1722.  Auf  6  Blättern  mit  handschriftlichen  Bemerkungen, ­
  Ulk.  I.  Ilr.  12  Jot.  Amman,  Biblische  figuren.  frankfurt
  1571.  Ulk.  21.  Ilr.  13  llicolaus  Andreae,  Stanislaus  Sabinus,
  Ulk.  12.  Ansichten:  Ilr.  14.  Augsburg,  21  Blatt.  Details ­
  und  Grundrisse  zum  Augsburger  Dam.  J  Bergmann  del,  et
fec.  Lith.  o.  C.  G.  Lleuss,  lllk  4.  Ilr  15  Berchtesgaden,  Der
Hinfersee.  Lith.  o.  fr  Höhe  1858,  Ulk.  1.  Ilr,  16'Berlin,  Die
Stadt  oom  Kreuzberge  aus.  Ooz.  und  lith.  o.  R  Hülcker.  lllk  2.
Ilr.  17  Chemnitz,  Das  Schloss  Chemniß  mit  Staffage.  Von  Paul
Rundzieher,  lllk.  I.  Ilr.  18  Dresden,  2.  Blaff,  Guckkastenbild
und  kleiner  alter  Ho  zschnitt,  lllk.  4’50.  Ilr.  19  frankfurt  a.  111,
4  Blatt  Ansichten  und  Pläne  aus  der  Vogelschau.  111  ITlerian  sc.,
Ulk.  15.  Ilr.  20  Gail  enb  ach,  Ansicht  des  Schlosses.  Ul.  Welling
del.  Chr,  Hafer  sc.,  lllk.  1  "50.  Ilr.  21  Hameln  oon  der  Süd-Ost-Seite
  am  Weserstrom.  L.  Schüße  sc.,  Ulk.  I.  Ilr.  22  Huy  an  der
Ulaas,  Ansicht  des  Domes  und  der  Brücke.  D  Quaglio  px.  Lith.
o.  L.  Brand,  Ulk.  1  Ilr.  25  Ludwigs-Donau-  und  lUainkanal, ­
  5  Bde.  89  Blatt,  Ulk.  3.  Ilr.  24  lila  il  and,  Ansicht  der
Kathedrale,  Ulk.  1.  Ilr.  25  ITlünchen,  Ansicht  der  Haupt-  und
Residenzstadt  ITlünchen  oan  der  Illittagseite.  Lith.  o.  G.  Kraus,
Ulk.  12.  Ilr.  26  Dürnberg,  2  Blatt.  Grundriss  und  Ansicht  aus
            
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