MAK
Nr. 14/15 
INTERNATIONALE SAMMLER-ZEITUNG 
Seite 143 
— 1,718.315 Kc — wurde der Bestand an Kunstwerken des 
Niklasdomes auf der Kleinseite angeführt, 
(Internationaler Salon für Kunstphotographie in Krakau.) 
In der Zeit vom 27, August bis zum 17. September findet im 
Krakauer Künstlerhaus ifJPalac Sztuki“) eine inter 
nationale kunstphotographische Ausstellung statt. 
(Die goldene Kalesche.) Aus Budapest wird uns ge 
schrieben: Dieser Tage fand in einem Palais gegenüber dem 
Nationalmuseum eine interessante Versteigerung statt. Zur 
Auktion gelangten das Mobiliar und die goldene Kalesche des 
Ritters Eugen von Freystädtler, um dessen Reichtum 
sich in Friedensizeiten wahre Legenden gebildet hatten. Er 
(latte von seinem Vater 25 Millionen Goldkronen in Bargeld 
und Liegenschaften geerbt und führte einen fürstlichen Haus 
halt. Sein großer Spleen waren Pferde und Equipagen. Seine 
edlen Kutschpferde waren mit echtem Gold geschirrt. All 
jährlich ließ er sich aus England die teuersten Kutschen brin 
gen. Am meisten fiel eine in Gold gehaltene Kalesche auf, 
die so recht die ganze Prunlklie'be Freystädtler® zum Ausdruck 
brachte. Die goldene Kalesche war nachgerade zum Symbol 
seines legendären Reichtums geworden. Wenn die Kalesche, 
mit zwei Lipizzanern (bespannt, durch die Stephaniestraße 
raste, dann gab es ein Schaustück für den einfachen Mann. 
Es kam der Krieg und die Nachkriegszeit und das riesige Ver 
mögen Freystädtlers schrumpfte immer mehr zusammen. Ver 
schiedene Häuserspekulationen fielen unglücklich aus, schließ 
lich mußte im Palais in der Museumgasse wegen einer Forde 
rung von 9000 Pengö eine Feilbietung abgehalten werden. Das 
Mobiliar, das zur Auktion stand, fand mit Leichtigkeit Käufer. 
Die berühmte goldene Kalesche aber, die mit 500 Pengö aus- 
geboten war, wollte niemand erstehen. 
(Ausstellung alter spanischer Teppiche.) Die Madrider 
Gesellschaft der Kunstfreunde veranstaltete eine Ausstellung 
alter spanischer Teppiche, die allerdings meist im 
Besitze von Ausländern sind. Die Kunst des Teppichknüpfens 
kam durch die Araber nach 'Spanien und gelangte (bald zu 
außerordentlich hoher Entwicklung. Das seltenste ausgestellte 
Exemplar, eine Leihgabe des Berliner Schloßmuseums, stammt 
etwa aus dem Jahre 1435 aus der Wenkstätte von A 1 c a r a z, 
die neben iCueo ca die berühmteste war. Der deutsche Bot 
schafter in Madrid, Graf Wale zeck, ist der größte Privat- 
sammler altspanisoher Teppiche und hat die Ausstellung durch 
Beistellung sehr interessanter Stücke gefördert. 
(Ein römisches Amtsblatt.) Aus Rom wird uns berichtet: 
Während der Ausgrabungsarbeiten in Ostia Antica ist 
eine Marmor tafel mit einer Inschrift von 56 Zeilen ent 
deckt worden, die sich auf die bedeutendsten Ereignisse Roms 
unter der Regierung des Kaisers Tr a j an bezieht. Die histo 
risch wertvolle Inschrift kann mit dem heutigen Amtsblatt ver 
glichen werden. Sie gestattet auch, festzustellen, daß der Tem 
pel, dessen prachtvolle Ueberreste auf der neuen Hügelstraße 
neben dem Denkmal Viktor Emanuels II. sichtbar sind, 
von T r a j a n stammt. 
(Internationale Ausstellung in Paris.) Der Pariser Ge 
meinderat hat den Vorentwurf für die Organisation der Inter 
nationalen Ausstellung Paris 1937 angenommen. Die Ausstellung 
wird im Herzen von Paris an beiden Ufern der Seine, und 
zwar in der Höhe des Trocadero und auf dem Marsfeld, er 
richtet werden, zu welchem Zwecke die militärischen Ver- 
pflegsmagazine demoliert werden sollen. 
MUSEEN. 
(Waetzold, Just! und Friedländer beurlaubt.) Der Preußi 
sche Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, Rust, 
hat den Generaldirektor der Staatlichen Museen Geb. Regie 
rungsrat Prof. Dr. Dr. h. c. Waetzold, sowie den Direktor 
der Nationalgalerie (einschließlich der Sammlung im Kronprin 
zenpalais) Geheimen 'Regierungsrat Prof. Dr. Justi beurlaubt, 
ferner den Geheimen Regierungsrat Dr. Friedländer von 
der Leitung der Direktion der Gemäldegalerie im Kaiser- 
Friedrich-Museum entbunden. Zur Leitung sind vertretungs 
weise (berufen worden: an die Generaldirektion der Staat 
lichen Museen Professor Kümmel, an die Nationalgalerie der 
Direktor des Städtischen Museums für Kunst und Gewerbe in 
Halle Professor S c h a r d t, an die Gemäldegalerie der Direk 
tor der Städtischen Sammlungen in Düsseldorf Professor 
Koetschau. Gleichzeitig ist an Stelle des bereits früher 
beurlaubten Professors Glaser Professor Hermann Schmitz 
in Berlin mit der Direktion der Staatlichen Kunstbibliolhek 
vertretungsweise beauftragt worden, 
(Eine Millionenschenkung James Loebs.) Der kürzlich 
verstorbene amerikanische Mäzen James Loeb (hat in seinem 
Testament das Münchener Museum für antike 
Kleinkunst in der Alten Pinakothek mit einer reichen 
Schenkung bedacht. In seinem Besitztum in iMurnau befindet 
sich eine sehr umfangreiche Sammlung von antiken Terrakotten, 
Kleinbronzen und Schmuck, die Loejb in langjähriger Sammel 
tätigkeit erworben hatte. Diese Bestände, die Millionenwerte 
in sich schließen, werden nunmehr dem Münchener Museum 
zugefüihrt. 
(Hölderlins Turm eröffnet.) Der Turm am Neckar, in dem 
Hölderlin seine letzten traurigen Lebensjahre verbracht 
hat, ist jetzt aus Anlaß des 90. Todestages des Dichters wieder 
eröffnet worden. Der Turm war seit der Zeit, in der Hölder 
lin dort lebte, fortgesetzt im Besitz der Nachkommen des 
Tischlermeister® Zimmer, der mit Frau und Töchtern den 
kranken Dichter treu gepflegt hatte. Erst in den Inflations 
jahren drohten Haus und Turm in die Hand eines Amerika 
ners zu kommen. Vom Verein zum Schutze des Hölderlin- 
Turmes wurde noch rechtzeitig eingegriffen und erreicht, daß 
die Stadt das Gebäude übernahm. Bei den geringen Geldmit 
teln der Nachkriegszeit konnte aber nicht viel für die Erhaltung 
getan werden. Der Turm stand vor dem Verfall, als das Ge 
schenk eine® Münchner Bildhauers Wittmann, eine Büste 
des gealterten Hölderlin, zum Anlaß wurde, das Nötige für das 
historische Bauwerk zu tun. Die äußeren Wände, die, von wil 
dem Gebüsch umwuchert, schweren Schaden gelitten hatten, 
wurden bloßgelegt, so daß die schönen Steine des einstigen 
Stadtturmes wieder zum Vorschein kamen. Auch das Innere 
des Turmes wurde den notwendig gewordenen Reparaturen 
unterzogen. Vom Mobiliar Hölderlins ist leider fast nichts er 
halten, ein Brand hat das meiste zerstört. Nur ein altes Kana 
pee, eine gelbe Kommode, ein Nachttisch und zwei hübsche 
Wandspiegel sind übrig geblieben und in dem runden Raume 
untergebracht. Mit aufopferungsvoller Mühe haben Verehrer 
Hölderlins Geschenke für die weitere Ausstattung des Turmes 
erbeten. Alte Bildnisse und Stiche seiner Heimatsorte hängen 
an den Wänden, Autogramme und Vervielfältigungen von Bil 
dern und Autogrammen. Ein kunstvoll gearbeiteter altertüm 
licher Rosenzweig in Metall wurde von Nürnberg gestiftet, ln 
den Postamenten, auf denen die Büsten Wittmanns stehen, die 
deh jugendlichen und den alten Hölderlin darstellen, stehen, in 
Glaskästen verschlossen, den Dichter betreffende Bücher. Das 
84jährige Fräulein Arnold, Nach’kommin der Gocks, der 
Stiefgeschwister des Dichters, und Herausgeberin der Diotima- 
Briefe, hat eine kleine Statue, die einzige Kopie der Büste 
Susette Gontard®, gestiftet. 
(Ein Richard Wager-Museum in Tribschen.) In dem -— 
wie Richard Wagner seihst bezeugt — „unvergleich schön 
und heilig" am Ufer des Vierwaldstättersees gelegenen Land 
haus Tribschen bei Luzern wurde ein 'Richard Wag 
ner-Museum eröffnet. 'Das Hauptstück des Museums ist 
die Urschrift des Siegfried-Idylls, das der Meister in An 
wesenheit. Nietzsches' in der Frühe des Weilhnadhtsmorgens 1870 
seiner Cosima auf den 'Geschenktisch „spielte". Neben zahl 
reichen anderen Partituren, Briefen und Manuskripten weckt 
der „Erard-Flügel“ ein Bündel von Erinnerungen, handelt es 
sich doch um das Instrument, das Wagner 1858 zum Geschenk 
bekam, auf dem er zum ersten Male den zweiten und dritten 
Akt des Tristan spielte und das ihn später nach Bayreuth und 
Venedig begleitete. Neben den eigentlichen Ausstellungsräumen 
sind in den oberen Stockwerken einige Zimmer für intimere 
Sonderveranstaltungen zum Gedächtnis des Tondichter® einge 
richtet worden. 
(Ein neues Napoleon-Museum in Frankreich.) Unweit von 
La Rochelle auf der Ile d'Aix wurde anläßlich des franzö 
sischen Nationalfeiertages ein Napoleon-Museum feier 
lich eingeweiht. Glanzstüc'ke der interessanten Sammlung sind 
das kleine Fischerboot, auf dem sich Napoleon in englische Ge 
fangenschaft begab, um nach St. Helena befördert zu werden, 
und jenes Kamel, auf dem er während seines ägyptischen Feld 
zuges geritten ist. 
(Museumsdiebstahl.) Aus dem Museum in V i a n d e n 
(Luxemburg) ist eine wertvolle Holzskulpiur aus dem vier 
zehnten Jahrhundert, die die Geißelung Christi darstellt, ver 
schwunden. Die 'Christustigur, die aus einem Holzblock gear 
beitet ist, steht mit hocherhobenen Händen an einer Säule 
und ist von vier anderen Figuren umgeiben. Das Kapitell der 
Säule 'läuft in einen Leuchter aus. Die Figur ist 50 Zentimeter 
hoch und 30 Zentimeter breit und repräsentiert einen W eri 
von zirka 20.000 Franken 
VOM KUNSTMARKT. 
(Kleine Kunstauktion des Dorotheums.) Das Dorotheum 
in Wien schloß die Sommersaison mit einer kleinen Kuost- 
auktion (3. bis 5. Juli), bei der bemerkenswerte Preise zu 
verzeichnen waren. So erzielten (in Schilling):
	        
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