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Full text : Jahrgang 2 (1910) (18)

Seite  286

Internationale  Sammler-Zeitung.

Hummer  18

Gonnoi)  fand  Herr  Dr.  flroanitopoullos  schöne  malerische  Reliefs
ähnlich  denen  im  Palazzo  Spada,  ferner  Gräber,  die  noch  nicht
geöffnet  wurden.  Außerdem  wurden  oon  ihm  in  Pelasgiotis,  Perrhaibia
  und  Dolopia  zahlreiche  neue  Inschriften  gesammelt,  die  in
der  festung  uon  Karissa  in  einer  eigens  angelegten  wissenschaftlichen ­
  archäologischen  Sammlung  untergebracht  wurden,  eine
archaische  Inschrift  aus  Gurymenge  (Tsagesi)  gehört  dem  6.  Jahrhundert ­
  an.  eine  andere  aus  Tsatma  (bei  Domoko)  erwähnt
einen  neuen  feldherrn  der  Thessaler,  namens  Gorgias.  Diese  und
andere  Inschriften  wird  Herr  flroanitopoullus  in  dem  diesjährigen
Band  der  griechischen  „’Etprjfi  ÄQ/aioÄ“  oeröffentlichen.
(Gin  römischer  ntosaikfufjboden)  ITlan  schreibt  aus
Köln:  Bei  den  Russchachtungsarbeiten  für  einen  Kleubau  an  der
Wolfstrafje  gegenüber  dem  Konseruatorium  für  ITlusik  ist  ein  großer
römischer  ITlosaikfufjboden  gefunden  morden,  der  zu  einem
in  seinen  lllauerzügen  noch  erkennbaren  römischen  Hause  gehörte
Jn  der  geometrischen  ITlusterung  sind  Tiere  dargesfeiit.  Die  den
lleubau  aufführende  firma  Bernstein  und  ITlayer  hat  den  roerfuollen
  Jund  dem  städtischen  ITluseum  als  Geschenk  überwiesen.
(mammutfunde.)  Das  königliche  Raturalienkabineft  in
Stuttgart,  das  erst  oor  kurzem  durch  wertoolle  Reste  des
sibirischen  lTlammut,  besonders  einen  gewaltigen  Schädel,  bereichert
wurde,  kommt  jetjf  wieder  in  den  Besi)  eines  riesigen  einheimischen
ITtammut.  Jn  Stein  heim  a.  d.  iRurr,  einem  ganz  nahe  bei  JTlarbach
  gelegenen  bekannten  fundort,  wurde  das  fast  oollsfändige
Skelett  eines  gewaltigen  Stücks  in  einem  Steinbruch  ausgegraben
und  geborgen.  6s  fehlt  nur  der  linke  Vorderfuf),  der  Unterkiefer
und  ein  Stück  der  Wirbelsäule.  Besonders  gut  erhalten  ist  der
mächtige  Schädel  und  die  zwei  stark  gekrümmten,  zwei  ITltr.
langen  Stofjzähne.  Ruffallenderweise  wurde  in  den  Steinheimer
Sanden  auch  der  oiel  ältere  Urelefanf  schon  gefunden.  Der  ITlammut
  ist  in  dem  für  die  Paläontologie  so  ergiebigen  Württemberg
nicht  gerade  eine  Seltenheit,  aber  ein  so  schönes  Gxemplar  haben
auch  die  Stuttgarter  Sammlungen  nach  nicht.
(flrchäologischefunde  im  alten  Thanais.)  Aus  Petersburg ­
  wird  berichtet:  ln  einer  Sitjung  der  hiesigen  russischen  archäologischen ­
  Gesellschaft  machte  der  Archäologe  R.  fl.  Uli  11  er  ITTitteilungen
  über  Ausgrabungen,  die  er  im  oorigen  Sommer  im
Dondelta  geleitet  hat.  Oer  Gelehrte  fand  in  16  Hügelgräbern  an  !
einem  jetjt  uöllig  oersumpffen  flnn  des  Don  über  50  grofje  Amphoren
und  schwarzfigurige  Oasen,  ln  zwei  andern  Hügelgräbern  wurden
ebenda  oerschiedene  goldene  und  silberne  Schmucksachen,  meist
flrmbänder,  gefunden.  Durch  schöne  Arbeit  zeichnet  sich  ein
silbernes  Trinkhorn  aus.  Alle  diese  funde  stammen  aus  dem
6.  bis  4  Jahrhundert  oor.  Chr.  Ob  an  der  uon  ITliller  erforschten
Stelle  die  alte  griechische  Kolonie  Thanais  lag,  die  sich  nach
Strabos  Angabe  am  gleichnamigen  flufj,  dem  heutigen  Don,  befand,
ist  durch  die  neuesten  funde  im  Dondelta  mit  Sicherheit  nicht  zu
entscheiden.
(Das  Grab  der  Amazonenkönigin.)  Jn  Belmonte
(flscoli),  ist  ein  archäologischer  fand  uon  gröljter  Wichtigkeit  gemacht ­
  worden.  Bei  der  freilegung  der  dort  entdeckten  grofjen
Ttekropolis  stiel)  man  auf  zwei  nach  ihrem  Inhalt  bis  auf  das
uierte  Jahrhundert  oor  Christus  zurückreichende  Gräber  uon
4'50  Aleter  Känge,  fast  zwei  ITtefern  Breite  und  über  drei  ITletern
Tiefe.  Beide  nebeneinander  liegenden  Gräber  enthielten  weibliche
Skelette,  jedes  oon  einem  kostbaren  Bronzekriegswagen  (Biga)
bedeckt.  Das  erste,  kostbarere  Grab  enthält  aufjerdem  eine  ungeheure
menge  Waffen,  Schmuckgeräte  aller  Art  in  Gold,  Glfenbein,  Ambra,
Silber,  Bronze,  Gisen  und  Ton.  Die  Keiche  der  frau  ist  in  einen
teilweise  noch  erhaltenen  kostbaren  lTlanfel  gehüllt.  Das  zweite
Grab  enthält  gleichfalls  einen  Kriegswagen,  ferner  bronzenes  Zaumzeug, ­
  Waffen  und  Kostbarkeiten.  Der  die  Ausgrabungen  leitende
Professor  Dallosso  meint,  es  könne  sich  oielleicht  um  die  Ceichen
der  uon  Vergil  besungenen  jungfräulichen  Volskerkönigin  Camilla
und  eine  ihrer  Gefährtinnen  (Caoinia,  Tullia  oder  Tarpeja)  handeln.
Jedenfalls  ist  der  fund  uon  Belmonte  ein  starker  Beweis  dafür,  dal)  die
Kegende  oon  den  kriegführenden  Amazonen  Berechtigung  besafj.
(Das  Römerlager  bei  Oberaden.)  Über  das
Römerlager  oon  Oberaden  liegt  im  ersten  Heft  des  zweiten  Bandes
der  Prähistorischen  Zeitschrift  aus  der  Jeder  uon  Dr.  Kropatschek
ein  kurzer  Bericht  oor,  auf  dessen  Jnhalt  wir  bei  der  Bedeutung,
die  dieses  fager  für  die  Crforschung  des  frührömischen  Okkupationsgebietes ­
  in  Germanien  beanspruchen  darf,  hier  kurz  hinweisen
  möchten.  Danach  wurde  das  erfreuliche  Crgebnis  erzielt,

dafj  der  Grundriß  des  Kagers  genauer  festgestellt  werden  konnte
und  dabei  acht  ganz  gleich  grofje  (8<i  120  röm.  Jufj)  Kasernenbarackert ­
  aufgedeckt  wurden,  ferner  gelang  es,  die  noch  fehlenden
Ost-Westsfraljen  südlich  des  Haupttores,  sowie  das  Südtor  des
Kagers,  die  Porta  Praetoria,  blofjzulegen.  Bei  diesen  Arbeitern  stiefj
man  auf  zwei  Brunnen,  in  deren  Tiefe  man  sogar  das  Holz
fand,  mit  dem  sic  seinerzeit  oerschalt  waren,  mit  grofjer  ITlühe
wurden  nämlich  aus  einer  Tiefe  oon  8  Rlotcm  mehrere  Holzfässer
zutage  gefördert,  die  mit  Spundlöchern  oersehen,  über  zwei  Uleter
hoch  und  als  Brunneneinfassung  übereinander  gesetzt  waren.
Dieser  fund  darf  als  eine  grofje  Seltenheit  taxiert  werden,  da  bis
jetjt  nur  auf  der  Saalburg  einige  Jafjfeile  untergebracht  waren
und  man  über  das  Hussehen  der  römischen  fässer  nur  durch
die  moselschiffe  der  lleumagener  Denkmäler  mit  ihren  Weinlasten
(ugl.  Hetfner,  führer  durch  das  Prooinzialmuseum  in  Trier,  S.  15)
orientiert  war.  Auch  epigraphisch  ist  diese  6nfdeckung  oon  einem
gewissen  Werte,  weil  auf  einem  faljdeckelteil  der  Aame,  sei  es
des  einstigen  Versenders,  sei  es  des  Adressaten  oder  auch  des
Brunnengräbers,  durch  Cinbrennung  oerewigt  ist.  Zu  diesem
Brunnen  gehören  ferner  zwei  Gimer  und  Teile  der  Brunnenminden.
Darin  lagen  ferner  eine  Sense  oon  der  form,  wie  sie  bei  uns
noch  gebräuchlich  ist,  und  eine  ganze  Reihe  anderer  Gerätschaften
aus  Gisen.  ln  der  Tlähe  dieser  Wasserbehälter  stiel)  man  in  einer
Grube  auf  ein  förmliches  Waffendepot,  bestehend  aus  fünfzig
Kanzenspifjen  aus  Gisen,  bei  denen  aber  auch  friedlichere  Geräte,
Hippen  zum  Grasschneiden  und  andere  Dinge  lagen.  Und  um  das
„Tout  comme  chez  nous' 1  noch  ganz  zu  bestätigen,  erwähnen  wir
noch  den  Deckel  einer  Sparbüchse  mit  einem  Schlitj:  da  das
Holz,  woraus  dieser  „Sparhafen“  oerfertigt  war,  uermoderf  war,
lag  die  Barschaft  in  der  Grde  frei  darunter.  Aus  der  Sigillata-Ware
  mit  ihren  Stempeln,  sowie  aus  den  übrigen  funden,  die  alle
in  die  Zeit  des  Drusus  fallen,  ergibt  sich  mit  Sicherheit,  dafj  das
Kager  oon  Oberaden  ein  Kegionslager  aus  der  oorchrisflichen  Zeit
des  flugustus  und  nur  ganz  kurze  Zeit  in  Gebrauch  gewesen  ist.
Damit  fällt  H0I3  dem  namensanklange  Glscy  die  oon  Pastor  Prein,
dem  Cntdecker  dieses  Kagers,  anfänglich  ausgesprochene,  jetjt  wohl
nicht  mehr  aufrecht  erhaltene  Hypothese,  dal)  wir  hier  das  uon
Tacitus  erwähnte  Kippekastell  Alisa  zu  suchen  haben,  endgültig
dahin.
fTluseen.
(Gin  millianenbild  für  das  Kaiser-J  riedrichniuseum.)
  Das  Altarbild  des  Hugo  oan  der  Goes,  das,  wie
schon  früher  gemeldet  wurde,  das  Berliner  Kaiser-friedrich-Uluseum
in  ITlonforte  im  spanischen  Galicien  erworben  hat,  und  dessen
Ausfuhr  die  spanische  Regierung  zu  perhindern  sucht,  kostet  fast
eine  ITlillion.  Hoffentlich  ist  es  sie  wert.  Gs  gibt  oan  diesem  auch
durch  seine  Kebensschicksale  merkwürdigen  alten  Aiederländer  nur
sehr  wenige  Werke,  deren  weif  überragendes  der  Portinarialtar  in
den  Uffizien  ist;  ein  Bild,  das  auf  die  Gnfwicklung  der  florentinischen
  Hlalerei  den  gröljten  Ginflufj  geübt  hat.  Über  die  Gnfdeckung
der  Tafel  in  der  entlegenen  spanischen  Kleinstadt  macht  Solomon
Rein  ach,  der  bekannte  französische  Altertumsforscher,  in  der
„Gazette  des  Beaux-flrts“  einige  interessante  flnguben.  Vor  einem
Jahre  wurde  ihm  oon  einem  Ginwohner  des  an  entlegener  Stelle
in  Galicien  gelegenen  Ortes  eine  Photographie  des  Bildes  übersandt,
oon  der  zugleich  ein  zweites  Gxemplar  nach  Gngland  an  W.  Armstrong ­
  ging.  So  wurde  das  Werk  bekannt,  und  als  man  sich  in
ITlonforfe  des  hohen  Wertes  der  Altartafel  bewufjt  geworden,
fauchte  auch  bald  der  Plan  der  Veräufjerung  auf.  ln  dem  Wettstreit ­
  der  Käufer  blieb  das  Berliner  ITluseum  Sieger.  Reinach  erzählt ­
  zugleich  eine  pikante  Geschichte  oon  Gendarmen,  die  dos
Kirchenportal  bewachten,  als  Herr  Gretor,  der  aus  dem  florahandel
bekannte  Beauftragte  Bades,  zusammen  mit  einem  Herrn  oon  der
deutschen  Botschaft  in  ITladrid  das  Bild  in  Cmpfang  nehmen  wollte.
Der  Ablauf  der  Affäre  steht  noch  immer  im  Zweifel.  Die  Rechtslage ­
  ist  klar  und  spricht  unzweideutig  für  die  Giltigkeit  des  abgeschlossenen ­
  Kaufes.  Aber  man  oersuchf  in  Spanien  mit  allen
Rütteln,  sich  der  Ausfuhr  des  Werkes  zu  widersetjen.
            
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